Die Arbeit an der Aktentasche fasziniert ihn

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 Jean Oort (vorne rechts) und Karin Mutschler (vorne links) werden von der Handwerkskammer Reutlingen geehrt. Mit ihnen freuen s
Jean Oort (vorne rechts) und Karin Mutschler (vorne links) werden von der Handwerkskammer Reutlingen geehrt. Mit ihnen freuen sich Hermann Dreher (hinten, von links), Joachim Eisert, Harald Herrmann und Siegmund Bauknecht. (Foto: Klawitter)
Christoph Klawitter

Jean Oort ist von der Handwerkskammer Reutlingen zum Lehrling des Monats Mai ausgezeichnet worden. An seinem Arbeitsplatz bei der Sattlerei Pegasus in Mieterkingen nahm er Urkunde und Geschenk entgegen. Jean Oort ist angehender Sattler und Feintäschner.

Eine Leder-Aktentasche herstellen oder reparieren, mit der Nähmaschine arbeiten, kaputte Dinge wieder zum Funktionieren bringen: Das alles sind Sachen, die Jean Oort faszinieren. Seine Aufgaben sind vielfältig, denn die Sattlerei Pegasus ist breit aufgestellt. Reitsättel und anderes Reitsportzubehör, Innenausstattung von Autos wie ein Sack für den Schaltknüppel, Arbeiten an Motorrädern, Taschen, Polster, all das und noch viel mehr bietet die Sattlerei Pegasus an. „Jeden Tag etwas anderes“, umschreibt Jean Oort seinen Arbeitsalltag. „Das ist super interessant.“ Gerade die scheinbar einfachen Arbeiten verursachen viel Aufwand. „Simple Sachen sind manchmal sehr kompliziert“, bemerkt er. Für ihn ist nicht nur das Künstlerisch-Kreative wichtig. „Für mich ist es das i-Tüpfelchen, wenn es auch die Funktion erfüllt“, sagt er.

Für ihn war klar, dass er den Beruf des Sattlers und Feintäschners in einer so breit aufgestellten Sattlerei wie der Sattlerei Pegasus erlernen möchte. „Das findet man selten“, sagt er mit Blick auf andere Sattlereien, die sich oft auf eine Richtung spezialisieren. Für seine Ausbildung zog der gebürtige Leonberger aus dem Großraum Stuttgart nach Oberschwaben, er wohnt in Bad Saulgau.

Studium abgebrochen

Nach dem Abitur arbeitete der heute 30-Jährige einige Jahre als Barkeeper. Danach begann er ein Studium des Fachs Accessoire Design an der Hochschule Pforzheim. Ein Praxissemester am Staatstheater Stuttgart brachte ihn dann mit dem Handwerk in Berührung. Besonders Leder als Arbeitsmaterial faszinierte ihn. Er wollte mehr praktisch arbeiten, brach sein Studium ab und schaute sich nach einer Lehrstelle als Sattler um. „Vom ersten Tag an hat man gespürt, dass er den Beruf im Herzen trägt“, ist seine Chefin Karin Mutschler voll des Lobes. Jean Oort habe eine besondere Begabung für das Sattlerhandwerk, arbeite selbstständig und präzise. Die Zwischenprüfung hat Oort mit Bravour überstanden, in der Berufsschule hat er einen Einser-Schnitt.

Harald Herrmann, Präsident der Handwerkskammer Reutlingen, überreichte Jean Oort Urkunde und ein Geschenk. Herrmann fand bemerkenswert, dass Oort sein Studium abbrach, um dann eine Ausbildung aufzunehmen. Engagierte junge Menschen wie Oort sah Herrmann auch als einen Beleg dafür, dass das Klischee von der Jugend, die keinen Bock habe und ähnlichem, in ganz vielen Fällen nicht stimme. Harald Herrmann würdigte auch die Ausbildungsarbeit von Karin Mutschler, denn in der Regel brauche es auch einen guten Ausbildungsbetrieb, um gute Azubis hervorzubringen.

In wenigen Monaten endet die Ausbildung von Jean Oort. Er hat vor, dann in seine Heimat zurückzukehren, wo seine Familie und Freunde leben. Für sich selbst sieht er vor allem im Bereich der Feintäschnerei eine berufliche Zukunft, eventuell auch als Selbstständiger.

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