Aufbruch: Bürger stehen für DSL auf

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Julia Freyda

Die Bürger in Hundersingen und Marbach sind sich bereits einig. Nun fehlen nur noch 26 000 Euro an Spenden und 270 Verträge, damit die Herbertinger Ortsteile einen Anschluss an das schnelle Internet erhalten. Auf zwei Versammlungen informierten die Franz und Regine Frauenhoffer-Stiftung, Vertreter von NeckarCom und die Initiatoren der privaten DSL-Initiativen über das weitere Vorgehen für die Versorgung mit schnellem Internet. Auf beiden Veranstaltungen zeigte sich dasselbe Bild: Die Bürger stehen hinter dem Vorhaben. Wenn alles klappt, könnten die Anschlüsse noch in diesem Jahr zur Verfügung stehen.

Ausführlich erklärte Franz Frauenhoffer von der gleichnamigen Stiftung bereits erfolgreich umgesetzte DSL-Projekte und warum für Gemeinden im ländlichen Raum die Hürde für kabelgebundenes schnelles Internet so hoch ist. Probleme sind einerseits, dass die vorhandenen Telefonleitungen nicht für hohe Leistungen ausreichen, und andererseits, dass die Förderprogramme des Landes Baden-Württemberg meist nicht zum gewünschten Ergebnis führten. Denn die vorhandenen Kupferkabel reichen zwar für Telefonie und ein schwaches Internetsignal aus. „Aber je länger das Kabel, desto schwächer das Signal“, erklärt Frauenhoffer. „Und das Kabel von der Vermittlerstation in Herbertingen bis in die Teilorte ist lang.“

Bereits mehrere Kommunen haben die Erfahrung machen müssen, dass sie Leerrohre verlegt haben und dann ein Funkanbieter das günstigste Angebot gemacht hatte. „Da die Kommunen mit Steuergeldern wirtschaften, müssen sie bei einer Ausschreibung dem günstigsten Anbieter den Zuschlag geben“, sagte Frauenhoffer. Seine Stiftung habe es sich zur Aufgabe gemacht, Kommunen aus dieser Zwickmühle zu helfen. „Wir analysieren die Situation, entwickeln ein Konzept und begleiten die Umsetzung“, sagt der Ostracher.

Glasfaserkabel an den Ortsrand legen

Technisch sieht Frauenhoffers Lösung für die Teilorte vor, Glasfaserkabel aus dem bereits bestehenden Netz an die Ortsränder zu bringen und von dort über einen speziellen Vermittlerkasten das Signal über die vorhandenen Kupferkabel in die Haushalte zu liefern. Denn für die kurzen Strecken seien diese geeignet, um die von der NeckarCom angebotenen Bandbreiten von bis zu 35 Megabit pro Sekunde zu erreichen.

In Marbach soll dazu von den EnBW-Stromleitungen, die über die Schwarzachtalseen verlaufen und bereits ein Glasfaserkabel führen, zum Ort geführt werden. Für die Tiefbaumaßnahme der rund 1600 Meter langen Strecke verlangt die NeckarCom einen Investitionskostenzuschlag von 20 000 Euro. In Hundersingen müsse ebenfalls Tiefbauarbeit für rund 6000 Euro geleistet werden. Diese müsste die DSL-Initiative übernehmen. Finanziert werden müsse das Vorhaben über Spenden. „Der Gemeinde sind finanziell die Hände gebunden. Eine Beteiligung wäre ein Verstoß gegen das EU-Wettbewerbsrecht und das Beihilferecht“, erklärt Frauenhoffer.

Jürgen Herrmann, Geschäftsführer bei der EnBW-Tochter NeckarCom, erklärte den Besuchern unter anderem die Tarife für Telefon und Internet und sicherte zu, dass Verträge nur rechtskräftig würden, wenn das Gesamtvorhaben realisiert würde. Denn zunächst werden von der DSL-Initiative nur Spendenzusagen und Bereitschaftserklärungen für Verträge eingeholt. Die Frauenhoffer-Stiftung sammelt diese und schließt mit der NeckarCom eine Kooperation ab, sobald die Voraussetzungen erfüllt sind. Ein zeitliches Ziel hat Franz Frauenhoffer dabei ebenfalls gesteckt. Bis zum 20. Mai will er Spenden und Kunden zusammenhaben. In beiden Ortsteilen scheint der Rückhalt für dieses Ziel vorhanden zu sein. Denn wer dem Vorhaben zustimme, den bat Frauenhoffer aufzustehen. Bei beiden Veranstaltungen folgten fast alle Besucher dieser Aufforderung.

Bürgermeister Michael Schrenk nannte Frauenhoffer einen „Glücksfall für die Region“. Auch Marbachs Ortsvorsteher Albert Harsch sieht in den Plänen eine „große Chance. Auch wenn der Zeitrahmen eng gesteckt ist.“ Reinhold Eisele, Ortsvorsteher von Hundersingen, stimmte dem zu und lobte, dass es endlich vorangehe, seitdem die Frauenhoffer-Stiftung an Bord sei.

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