Ade: Keltenschätze kehren vorerst nicht heim

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Julia Freyda

An Superlativen haben Archäologen und Regierungspräsidenten bei der Bergung des Keltengrabs in Herbertingen nicht gespart. Von einer „archäologischer Sensation“ bis gar zum „schwäbischen Troja“ wurde die Bedeutung des Fundes südlich der Heuneburg umschrieben. Doch mehr als Fundort wird die Region für die kostbaren und seltenen Funde zunächst nicht sein. Laut Gesetz gehören sie dem Land Baden-Württemberg. Und das Land hat zwar einige Pläne damit, aber wann sie ihre Heimat einmal wieder besuchen, ist darin noch nicht inbegriffen.

Die Besitzverhältnisse von Funden wie dem Keltengrab sind in dem sogenannten Schatzregal, Paragraf 23 des baden-württembergischen Denkmalschutzgesetzes, geregelt. Darin ist festgelegt, dass „bewegliche Kulturdenkmale, die herrenlos sind oder die so lange verborgen gewesen sind, dass ihr Eigentümer nicht mehr zu ermitteln ist, werden mit der Entdeckung Eigentum des Landes, wenn sie bei staatlichen Nachforschungen oder in Grabungsschutzgebieten entdeckt werden oder wenn sie einen hervorragenden wissenschaftlichen Wert haben.“ Da das Bettelbühl sowohl ein Grabungsschutzgebiet ist und auch Alter sowie der wissenschaftliche Wert der Funde unbestreitbar sind, gehören die Funde dem Land. „Hinter dem Paragrafen steht nicht etwa ein Beutezug der Landesregierung“, sagt Dr. Peter Zaar, Pressesprecher im Regierungspräsidium Stuttgart. Vielmehr soll das Schatzregal sicherstellen, „dass derartige Funde auf Dauer der Allgemeinheit zur Verfügung stehen und nicht als Handelsobjekte oder als private Sammlungsobjekte enden“, sagt Zaar. Es soll also verhindert werden, dass etwa Privatleute sich bereichern oder die geborgenen Kulturgüter wieder verloren gehen. Damit steht es allerdings im Widerspruch zu einem Bundesgesetz. Denn Paragraf 984 des Bürgerlichen Gesetzbuches sieht eine 50:50 Aufteilung zwischen Finder und Grundeigentümer vor.

Pressesprecher Zaar geht derzeit davon aus, dass die Funde spätestens ab 15. September 2012 bei der Ausstellung „Die Welt der Kelten. Zentren der Macht – Kostbarkeiten der Kunst“ im Landesmuseum in Stuttgart präsentiert werden. „Wir sind natürlich sehr stolz, auf der Ausstellung auch landeseigene Funde zu zeigen“, sagt Zaar. Ob und wann die Funde allerdings in Herbertingen zu sehen sind, könne er nicht sagen. „Es wird Monate, wenn nicht Jahre dauern alle einzelnen Stücke zu bergen, zu untersuchen und zusammenzustellen“, so der Pressesprecher. Möglich sei auch, dass die Funde nach der großen Keltenschau zunächst als Leihgaben auf Reisen gehen.

Herbertingens Bürgermeister Michael Schrenk erhofft sich von den Funden im Bettelbühl nicht nur grundsätzliche positive Auswirkungen für die Heuneburg, „sondern auch, dass sich beim Umgang mit den Funden nicht nur auf Paragrafen zurückgezogen wird. Wir als Kommune sollten einbezogen werden.“ Beispielsweise könnten einzelne Stücke parallel zur Keltenschau im Heuneburgmuseum gezeigt werden, so sein Vorschlag. „Das hätte eine Art Anziehungskraft, die wir gut gebrauchen könnten“, sagt Schrenk. Denn die Besucherzahlen sind im vergangenen Jahr deutlich zurückgegangen. Neben den gesunkenen Besucherzahlen ist aber auch die Finanzierung des Heuneburgmuseums eine Herausforderung für die Gemeinde. „Pro Jahr müssen wir für das Museum einen Abmangel von rund 200 000 Euro schultern“, sagt Schrenk. Auf lange Sicht sei das nicht mehr möglich. Die Gemeinde habe großes Interesse das Museum zu halten, aber nicht mehr die finanzielle Möglichkeit, die Trägerschaft alleine weiterzuführen. Der nächste Ansatz sei nun, dass Gemeinde und Landkreis sich gemeinsam an die Regierung in Stuttgart wenden, eine Beteiligung diskutieren und Schrenk hofft, „dass die Bedeutung der jüngsten Funde uns dabei Gewicht verleiht“.

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