Zwischen Engstingen und Gammertingen fahren bald wieder Personenzüge

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Blick vom Gammertinger Bahnhof in Richtung Norden: Auf der Strecke nach Engstingen sollen ab Ende kommenden Jahres wieder regelm
Blick vom Gammertinger Bahnhof in Richtung Norden: Auf der Strecke nach Engstingen sollen ab Ende kommenden Jahres wieder regelmäßig Personenzüge fahren. Zurzeit sind dort nur Freizeit-, Sonder- und Güterzüge unterwegs. (Foto: Sebastian Korinth)
Redakteur Alb/Lauchert und Pfullendorf

Auf der Bahnstrecke zwischen Engstingen und Gammertingen sollen ab Ende kommenden Jahres wieder regelmäßig Personenzüge fahren. Davon profitieren könnte unter anderem das Gammertinger Gymnasium. Denn während seit einigen Jahren auch vermehrt Kinder aus Engstingen die Schule besuchen, lassen vor allem die Busverbindungen nach Hause noch zu wünschen übrig.

Gammertingens Bürgermeister Holger Jerg hatte das Thema in der jüngsten Gemeinderatssitzung angesprochen. Am Montag befasste sich auch der Ausschuss für technische Fragen und Umweltschutz des Reutlinger Kreistags mit der Reaktivierung der Bahnstrecke. Der Erste Landesbeamte Hans-Jürgen Stede sprach von einem „Meilenstein“ für den Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) und die Schwäbische Albbahn. Denn noch wird die knapp 20 Kilometer lange Strecke lediglich für den Freizeitverkehr und Sonderzüge genutzt, gelegentlich auch für den Güterverkehr. Das soll sich im kommenden Jahr ändern.

Mit Investitionen in Höhe von insgesamt 1,3 Millionen Euro soll die Strecke zwischen Engstingen und Gammertingen reaktiviert werden. Etwa die Hälfte des Geldes stammt aus Förderprogrammen, die andere Hälfte übernehmen SWEG Schienenwege GmbH, der Landkreis Reutlingen sowie die Kommunen Engstingen und Trochtelfingen. Für die Reaktivierung werden Bahnsteige verlegt (Trochtelfingen), renoviert (Haidkapelle) und erneuert (Mägerkingen, Bahnhof Engstingen). Am Schulzentrum in Engstingen entsteht außerdem ein neuer Bahnsteig.

„Mit der Reaktivierung der Bahnstrecke wird Verkehr von der Straße auf die Schiene verlagert“, sagt Holger Jerg. Bislang müssten zum Beispiel Busse in Richtung Gammertingen hintereinander herfahren, weil nicht alle Schüler in einen passen. Und nicht nur das: „Die Anbindung zur Schule ist gar nicht so schlecht“, sagt Christoph Ocker, Leiter des Gammertinger Gymnasiums. „Was den Rückweg betrifft, gibt es allerdings Probleme.“ Denn nachmittags müssten Schüler aus Engstingen teilweise relativ lange auf den Bus warten. „Das soll durch die Reaktivierung der Bahnstrecke behoben werden“, sagt der Schulleiter.

Interesse am Gymnasium wächst

Seit einigen Jahren beobachtet Ocker ein steigendes Interesse von Engstinger Schülern und deren Eltern an seinem Gymnasium. „Das Gymnasium in Pfullingen liegt für sie eigentlich näher und ist verkehrstechnisch besser angebunden“, sagt Ocker. „Aber es ist auch relativ groß.“ Für Kinder und Eltern, die sich eher ein mittelgroßes Gymnasium wünschten, sei Gammertingen deshalb geeigneter. Zu den neuen Fünftklässlern hätten in den vergangenen Jahren auch immer drei bis fünf Mädchen und Jungen aus Engstingen gehört. Mit der neuen Zugverbindung könnte das Gymnasium für Engstinger Schüler also noch interessanter werden.

Die Reaktivierung der Bahnstrecke soll aber nicht nur den Schülerverkehr verbessern. „Der Nahverkehr rund um Engstingen, Trochtelfingen und Gammertingen wird davon erheblich profitieren“, sagte Hans-Jürgen Stede in der Ausschusssitzung in Reutlingen. So sind sechs Fahrten-Paare von umsteigefreien Verbindungen zwischen Gammertingen und Münsingen geplant. Hinzu kommen zwei durchgebundene Fahrten-Paare bis Ulm. Die Kosten für den Unterhalt der Strecke übernimmt die Südwestdeutsche Landesverkehrs AG (SWEG).

Verbesserungen soll es ab Dezember kommenden Jahres auch auf der Buslinie 400 zwischen Reutlingen, Engstingen, Trochtelfingen und Gammertingen geben. Der Bus von Wilsingen nach Gammertingen beispielsweise fährt dann morgens 18 Minuten später ab. Dadurch erreichen die Kinder und Jugendlichen zwar pünktlich die Schule, müssen aber nicht mehr so lange auf den Bus warten. Hinzu kommen zusätzliche Busse in den Ferien sowie an Sonn- und Feiertagen. Außerdem sollen dann nur noch Fahrzeuge mit Niederflur-Technik eingesetzt werden, in die die Fahrgäste leichter einsteigen können.

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