Warum der Sport im Verein bei Menschen mit Behinderung zum Problem wird

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 Bei der Abschlussveranstaltung im Mariaberger Kommunikationszentrum werden die Ergebnisse des Aktionsplans vorgestellt.
Bei der Abschlussveranstaltung im Mariaberger Kommunikationszentrum werden die Ergebnisse des Aktionsplans vorgestellt. (Foto: Mariaberg)
Schwäbische Zeitung

Mit einem „Aktionsplan“ will das soziale Dienstleistungsunternehmen Mariaberg die Integration von Menschen mit Behinderung in die Gesellschaft vorantreiben. Wie bei einer Abschlussveranstaltung deutlich wurde, können verschiedene Projekte dabei ziemlich schnell zum Erfolg führen. In manchen Bereichen allerdings gestaltet sich die Integration schwieriger als gedacht.

Wie Mariaberg mitteilt, gibt es den Aktionsplan seit fünf Jahren. In speziellen Projekten arbeiteten Angestellte und Klienten gemeinsam daran, die Lebenssituation für Menschen mit Behinderung zu verbessern. Ein weiteres Ziel war die stärkere Teilhabe am gesellschaftlichen Leben. Welche Projekte angestoßen und umgesetzt wurden, erläuterten die Beteiligten bei der Abschlussveranstaltung im Kommunikationszentrum des Unternehmens.

Mariabergs Tochtergesellschaft „Hilfen nach Maß“ führte aufgrund des Aktionsplans spezielle Kochkurse für gesunde Ernährung für Menschen mit Behinderung ein. Hinzu kommen Fahrten zu bestimmten Freizeitaktivitäten, Urlaubsangebote sowie Kosmetik- und Wellnesskurse. Für Menschen ohne Behinderung seien solche Angebote ganz selbstverständlich verfügbar, schreibt Mariaberg in einer Pressemitteilung. Anders sei die Situation bei Menschen mit Behinderung: Weil keine Ausrichtung auf ihre teils sehr speziellen Bedürfnisse möglich war, hätten sie in der Regel auf die Teilnahme verzichten müssen.

Austausch mit Krankenhäusern

Ein anderes Projekt anlässlich des Aktionsplans war der Austausch zwischen Mariaberg einerseits und Krankenhäusern und Ärzten andererseits. Dabei ging es um die besonderen Anforderungen bei der Aufnahme und Behandlung von Patienten mit Behinderung. Auch Aktivitäten wie die Teilnahme an Stadtfesten oder speziellen Aktionen der Gemeinden wurden vorgestellt.

Darüber hinaus gab es eine gemeinsame Veranstaltung mit dem Sozialverband VdK zur Barrierefreiheit, eine Busfahrschulung mit der Hohenzollerischen Landesbahn und ein Treffen mit Vertretern der Landesarchitektenkammer zum Thema barrierefreier Wohnraum. „Ein Dauerbrenner war der Wunsch nach einer besseren Vertaktung des ÖPNV in Mariaberg sowie die Einführung eines Bürgerbusses in Gammertingen“, heißt es in Mariabergs Pressemitteilung. „Mit den umliegenden Schulen wurden gemeinsame Aktionen von Schülern aus Mariaberg organisiert und auch der Stadtteil Mariaberg wurde begutachtet und durch Initiativen des Aktionsplans barrierefreier gestaltet.“

Weniger erfolgreich verlief der Versuch, Menschen mit Behinderung an Sportangeboten regionaler Vereine teilhaben zu lassen. „Dabei musste festgestellt werden, dass die Teilnehmer dem eher auf sportliche Leistung ausgerichteten Training der Vereine nicht gewachsen sind“, schreibt Mariaberg. „Mangelnde Erfolge und teilweise Überforderung ließen sie die Lust zum Trainieren verlieren.“ Aus Sicht des Unternehmens sind deshalb Sportangebote nötig, die speziell auf Menschen mit Behinderung ausgerichtet sind. Diese müssten von speziell ausgebildeten und erfahrenen Übungsleitern begleitet werden. Im normalen Trainingsbetrieb eines Sportvereins sei das nicht leistbar.

„Wir brauchten den Aktionsplan, weil wir nicht abwarten konnten, was andere tun“, sagte Mariabergs Vorstand Rüdiger Böhm bei der Abschlussveranstaltung. „Durch unsere Aktivitäten konnten wir einen Beitrag dazu leisten, das Thema Inklusion ins Bewusstsein der Gesellschaft und Dinge ins Rollen zu bringen.“

Schulung der Bewohnerbeiräte

Und auch wenn das Projekt nach fünf Jahren ausgelaufen ist: Die Themen des Aktionsplans werden keinesfalls zu den Akten gelegt. Unterschiedliche Arbeitsgruppen und Gremien arbeiten weiter an der Umsetzung. So gibt es zurzeit ein Projekt zur besseren Einbeziehung der Bewohner in Entscheidungen, die ihre Wohnangebote und ihren Lebensalltag betreffen. In einem anderen Projekt geht es um die Schulung der Mitglieder der Bewohnerbeiräte.

Darüber hinaus suchen Klienten und Mitarbeiter der Wohnangebote weiterhin den Austausch mit den Gemeinden und ihrer Nachbarschaft. Auch damit soll sich das Miteinander von Menschen mit und ohne Behinderung weiter verbessern.

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