Von Miniröcken, Leidenschaft und Disziplin

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 Vorfreude auf das Fest (von links): Vorsitzender Wolfgang Waldert, Gründungsvorsitzender Lothar Möller, Schriftführerin Dorothe
Vorfreude auf das Fest (von links): Vorsitzender Wolfgang Waldert, Gründungsvorsitzender Lothar Möller, Schriftführerin Dorothee Roscha und Stabführerin Alexandra Gern. (Foto: Gabriele Loges)
Gabriele Loges

In diesem Jahr feiert der Fanfaren-Club Gammertingen seinen 50. Geburtstag. Die Vorbereitungen laufen auf vollen Touren. Gemeinsam mit Stabführerin Alexandra Gern, Schriftführerin Dorothee Roscha und Vorsitzendem Wolfgang Wadert blickt das Gründungsmitglied Lothar Möller – früherer Vorsitzender des Vereins – auf die ersten Tage zurück.

Möller war mit anderen Musikern die treibende Kraft, als es um die Vereinsgründung ging. Gespielt haben die elf Musiker schon bei der Fastnacht, doch es sollte mehr werden. Möller übernahm auch den Dirigentenstab. Bei ihren ersten Auftritten trugen sie noch die Farben Rot und Blau. Doch bald schon stieg die Gruppe auf Gelb-Schwarz um. Die Mutter von Möllers Frau Liane war Schneiderin und sorgte bei den ersten Uniformen für den perfekten Sitz, erinnert sich Lothar Möller. Am Anfang trugen die weiblichen Mitglieder noch Miniröcke, aber nachdem an einem besonders kalten Fastnachtsumzug die Beine blau gefroren waren, setzten die Mädchen und Frauen durch, dass sie auch Hosen tragen durften.

Lothar Möller war von 1969 bis 1986 Vorstand und Stabführer. 1973 spielten sie sogar bei der deutschen Meisterschaft in Frankfurt und machten den zweiten Platz. Streng und diszipliniert ging es damals zu, erinnert sich Liane Möller. Das Fünfjährige Jubiläum wurde groß gefeiert. Immer mehr junge Leute traten dem Verein bei. Zahlreiche Aktivitäten und Auftritte mussten geplant werden, Instrumente wurden angeschafft. Am Anfang habe die Gruppe mit Naturfanfaren noch ohne Ventile gespielt. Der Verein wuchs auf gut 40 Mitglieder. Doch die Anzahl schwankte; kurz darauf schrumpfte die Menge der Aktiven wieder. Die Leute zogen weg und fehlten dem Verein. 1993 stellten die Spieler wieder auf Naturfanfaren um, damals waren sie elf Spieler.

Heute hat der Verein 43 Mitglieder, 22 Aktive und einen Fahnenträger. Alexandra Gern, die selbst Horn spielt, führt seit vielen Jahren die Truppe als Stabführerin meist „mit dem kleinen Finger“ an, wie sie sagt: „Fanfaren spielen ist eine Leidenschaft, man ist damit infiziert und dann ist es im Herz drin.“

Der Verein, so Vorstand Wolfgang Waldert, war sich einig, dass das anstehende Jubiläum unbedingt gefeiert gehört, trotz des hohen Aufwands. Das letzte Jubiläumsfest war vor zehn Jahren. Der Fanfarenclub hat ein zweitägiges Programm auf die Beine gestellt: Am Samstag, 14. September, geht es mit einem Festakt mit Stabführerempfang im Schlosssaal für geladene Gäste los. Zehn Fanfarenzüge und eine Guggenmusik haben zugesagt. Für die Öffentlichkeit spielen dann die geladenen Fanfarenzüge um 17.30 Uhr auf dem Schlossplatz auf, marschieren gemeinsam zum Festzelt bei der Alb-Lauchert-Halle und spielen ab 18.30 Uhr auf der Bühne. Ab 22 Uhr wird es mit King Ralf aus Daugendorf ein musikalisch-rockiges Kontrastprogramm geben.

Am Sonntag fängt der Tag um 10.15 Uhr mit einem Festgottesdienst im Zelt an. Die Stadtkapelle Gammertingen wird dabei spielen. Zum Frühschoppen wechseln sich dann die Stadtkapelle und die Musikkapelle Feldhausen-Harthausen ab. Nach dem Mittagessen wird der Landesverband der Spielmanns- und Fanfarenzüge Baden-Württemberg die Ehrungen vornehmen. Danach spielen um 14.30 Uhr noch einmal verschiedene Fanfarenzüge auf.

Zum Glück werden die Stadtkapelle, aber auch andere Vereine die Feiernden unterstützen, so Waldert, denn alleine als Verein sei so ein großes Fest nicht zu stemmen. Auch Lothar Möller freut sich schon spürbar auf das Jubiläum. Gerade erst ist mit Hans Dorsch ein weiteres Gründungsmitglied gestorben. Auch ihm hätte es gefallen zu sehen, wie der Verein sich durch Höhen und Tiefen weiterentwickelt habe, ist sich Möller sicher. Und er ist noch von etwas anderem überzeugt: Der FanfarenClub solle mindestens 100 Jahre alt werden. Aber vorher steht natürlich erst einmal die 50-Jahr-Feier auf dem Programm, bei der die Kameradschaft und die Freude am Spielen im Vordergrund stehen.

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