Und plötzlich fällt das elfte Schuljahr aus

Lesedauer: 7 Min
Albgymnasium in Hohenstein
In welche Richtung soll es weitergehen? Diese Frage stellen sich die Zehntklässler des Albgymnasiums in Hohenstein. Wegen des geplanten Umzugs können sie die elfte Klasse im kommenden Schuljahr nicht auf ihrer bisherigen Schule besuchen. (Foto: Sabine Rösch)
Sabine Rösch

Kleine Klassen, individuelles Lernen, zeitgemäßer Unterricht: Das Konzept des privaten Albgymnasiums in Hohenstein ist für die Schüler und ihre Eltern zu einer Erfolgsgeschichte geworden.

Der erste Jahrgang der noch jungen Schule nahm allmählich das Abitur in den Blick. Doch dann die Schreckensnachricht: Zum kommenden Schuljahr wird es keine elfte Klasse geben, die Oberstufe wird einmalig ausgesetzt. Schüler sind ratlos, ihre Eltern entsetzt – und jetzt droht ihnen auch noch die Zeit davonzulaufen.

Das staatliche anerkannte Gymnasium war 2014 gegründet worden. Hauptinitiatorin und Schulleiterin Ingrid Rück fand zahlreiche Mitstreiter und Förderer, um das ambitionierte Konzept in die Tat umzusetzen. Dieses überzeugte auch eine Familie aus Gammertingen: Obwohl die Stadt ein eigenes Gymnasium hat, entschied sich der Sohn für den Weg nach Hohenstein.

Dass das die richtige Entscheidung war – daran gab es in der Familie in den Jahren darauf auch keinen Zweifel. Und auch für die anderen zwölf Mädchen und Jungen in der zehnten Klasse war die Welt bis April dieses Jahres noch in Ordnung: Der erste Jahrgang seit Bestehen der Schule sollte nach den Sommerferien in die Oberstufe eintreten, um 2022 das Abitur zu absolvieren.

Inzwischen zählt das Albgymnasium mehr als 100 Schüler

Im April aber wurden Schüler und Eltern von einer Nachricht der Schule kalt erwischt. Wegen des geplanten Umzugs des Albgymnasiums von Hohenstein nach Sonnenbühl-Undingen werde es im kommenden Schuljahr keine elfte Klasse geben, teilte Ingrid Rück mit.

Ihre Befürchtung: Weil der Umzug genau in den Zeitraum der Abiturprüfungen fällt, könnte er sich ungünstig auf die Vorbereitungen auswirken. Auch die Mehrzahl der Eltern der Zehntklässler habe solche Bedenken geäußert, heißt es in einer Presseinformation der Schule.

Nötig wird der Umzug wegen eines Platzproblems: Inzwischen zählt das Albgymnasium mehr als 100 Schüler. Aus Platzgründen werden mittlerweile zwei Klassen in Containern unterrichtet. Daher ist die Schule schon seit Längerem auf der Suche nach einer neuen Bleibe.

Eine angedachte Erweiterung der Hohensteinschule wurde nach intensiver Überprüfung wieder verworfen. Auch ein Umzug in den Gewerbepark Trochtelfingen-Haid kam nicht zustande. In Sonnenbühl-Undingen soll nun neu gebaut werden. Der Grundstückskauf ist bereits getätigt, das Baugesuch für das Sechs-Millionen-Euro-Projekt wird im Sommer eingereicht. Im Herbst soll der Spatenstich erfolgen.

Noch Ende Februar wurden uns blühende Landschaften versprochen.

Aufgebrachte Eltern

Worüber sich die Eltern der Zehntklässler so ärgern: dass sie aus ihrer Sicht viel zu spät über das Aussetzen der elften Klasse informiert wurden. „Noch Ende Februar wurden uns blühende Landschaften versprochen“, sagen die aufgebrachten Eltern des Gammertinger Schülers. Bei einem Elternabend zur Kurswahl im Januar sei die Aussetzung der Oberstufe noch überhaupt kein Thema gewesen. „Im Gegenteil: Die neuen Fächer, beispielsweise Wirtschaft, und der Ablauf der Kursstufe wurden uns detailliert vorgestellt“, so die Gammertinger Familie.

Erst im April erhielten die Eltern die offizielle Mitteilung der Schule, dass es im kommenden Schuljahr definitiv keine elfte Klasse geben wird. Über diese Vorgehensweise sind die Mütter und Väter verärgert. Doch Ingrid Rück hält dagegen: In Telefongesprächen mit allen Betroffenen habe sie diese schon vorher über die Pläne informiert, sagt sie im Gespräch mit der „Schwäbischen Zeitung“. Dabei, so Rück, habe sich zudem herausgestellt, dass nur einige der Schüler die elfte Klasse auf dem Albgymnasium besuchen wollen.

Anmeldeschluss bei anderen Gymnasien ist bereits verstrichen

Die Eltern jedenfalls hätten sich anstatt individueller Gespräche einen gemeinschaftlichen Elternabend gewünscht. Ihren Kindern bleiben nun zwei Möglichkeiten: nach dem Modell „10 plus“ die zehnte Klasse zu wiederholen oder auf eine andere Schule zu wechseln. Eine Wiederholung aber kommt für die meisten nicht in Frage. Auch nicht für die Familie aus Gammertingen.

Diese steht damit aber noch vor einem weiteren Problem. Denn der Anmeldeschluss bei anderen Gymnasien ist bereits verstrichen. „Momentan hängen wir komplett in den Seilen“, sagt die enttäuschte Familie. Wo ihr Sohn nach den Sommerferien zur Schule gehen wird, sei immer noch unklar. Diese Ungewissheit sei für alle Beteiligten belastend. Auch, weil noch offen ist, wann es endlich eine konkrete Perspektive gibt.

Andere Eltern haben diese inzwischen immerhin gefunden: Drei Zehntklässler wollen das Angebot annehmen, die Klasse zu wiederholen. Drei weitere wechseln bereits jetzt auf das Gymnasium in Münsingen.

Die Kommentarfunktion ist für Sie aktuell gesperrt. Bitte wenden Sie sich an unseren Kundenservice für weitere Infos.
Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen

Mehr Themen

Leser lesen gerade