Umorientierung nach Nordsee-Flop

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ARCHIV - Die Luftaufnahme vom (23.05.2012) zeigt den Offshore-Windpark Alpha Ventus in der Nordsee. Mit einem gemeinsamen Appell (Foto: Archiv)
Schwäbische Zeitung
Ignaz Stösser
Redakteur Alb/Lauchert

Vor gar nicht so langer Zeit galt es bei uns im Süden als schick, in Windparks in der Nord- und Ostsee zu investieren. Auch Gammertingen ist der Versuchung erlegen und hat sich über die Südweststrom GmbH, einem Verbund von Stadtwerken im Land, an solch einem Projekt beteiligt. Doch die Idee, Strom aus Windkraft auf der Alb anzubieten, ist geplatzt wie eine schillernde Seifenblase. Zunächst sollte der Windpark 1,5 Milliarden Euro kosten, bald war von der doppelten Summe die Rede. Schließlich zog Südweststrom die Reißleine und stieg aus. Das Stammkapital ist nun weg. Für die Gammertinger Energie- und Wasserversorgung (GEW) sind es immerhin stolze 15 000 Euro.

Schnell haben die Verantwortlichen umgedacht. Als die grün-rote Regierung signalisierte, sie wolle den Bau von Windparks im Ländle erleichtern, begannen die Stadtwerke Windkraftpläne zu schmieden, die man in der Region verwirklichen wollte. „Fast alle Stadtwerke suchen derzeit Partner und geeignete Standorte“, schrieb die SZ am 23. November 2012. Gammertingen war auch hier dabei. Es kam die Überlegung auf, gemeinsam mit zwei weiteren Stadtwerken und einem regionalen Stromerzeuger eventuell südlich von Kettenacker in einen kleinen Windpark zu investieren.

Die SPD-Fraktion im Gammertinger Gemeinderat hat sich in der jüngsten Gemeinderatssitzung für dieses Vorhaben ausgesprochen. Die SZ hat Bürgermeister Holger Jerg bereits am 10. Januar mit der Aussage zitiert, dass man in Kettenacker gerne investieren möchte. Allerdings nur, wenn die Bürger dafür gewonnen werden können und wenn nachgewiesen werden kann, dass solch ein Windpark wirtschaftlich betrieben werden kann.

Rotmilan spielt wichtige Rolle

Vor diesem Hintergrund kommt der angeblichen Zerstörung des Rotmilannestes in der geplanten Konzentrationszone bei Kettenacker eine bedeutsame Rolle zu. Nistet der Rotmilan tatsächlich in dieser Gegend, ist es fraglich, ob der Bereich als Konzentrationszone für die Windkraft ausgewiesen werden kann. Dann wären die Pläne der GEW hinfällig.

Jerg macht aber auch deutlich, dass die Stadt den Windpark bei Kettenacker nicht mit allen Mitteln durchsetzen möchte. Auf die Frage von Gemeinderat Josef Weiß zum Stand der Dinge sagte der Bürgermeister in der jüngsten Gemeinderatssitzung, dass der Entwurf für die Konzentrationszone in den kommenden Tagen den Trägern öffentlicher Belange zugestellt werde und es sei fraglich, ob alles so bleibe, wie geplant. Gegenüber der SZ sagte er, die GEW habe derzeit andere Aufgaben, die Priorität genießen, und zwar in der Wärme- und Wasserversorgung. Eventuell könnte man auch ein weiteres Wasserwerk an der Lauchert als Projekt für regenerative Energien ins Auge fassen.

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