Tafel gerät allmählich unter Zeitdruck

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Redakteur Alb/Lauchert und Pfullendorf

Rund 200 Männer und Frauen nehmen regelmäßig das Angebot des Gammertinger Tafelladens in Anspruch, der günstig Lebensmittel an Bedürftige abgibt. Doch so langsam stehen die Verantwortlichen beim Deutschen Roten Kreuz (DRK) vor einem Problem: Das Gebäude, in dem sich der Tafelladen befindet, soll in der ersten Hälfte des kommenden Jahres abgerissen werden – und noch ist keine neue Unterkunft in Sicht. „Wir hoffen, so schnell wir möglich eine neue Immobilie zu finden“, sagt Nicole Maruhn, Referentin für Öffentlichkeitsarbeit beim DRK-Kreisverband Sigmaringen.

Dieser ist Träger von vier Tafelläden im Landkreis: in Sigmaringen, Bad Saulgau, Meßkirch und Gammertingen. Für diese sammelt die Tafel qualitativ einwandfreie Lebensmittel, die sonst im Müll landen würden – beispielsweise wegen eines nahenden Mindesthaltbarkeitsdatums.

Kleidung und Spielzeug

Auf diese Weise werden die Artikel nicht weggeworfen, sondern zu einem geringen Betrag an sozial und wirtschaftlich Benachteiligte verkauft. Damit diese im Tafelladen einkaufen dürfen, müssen sie sich einen entsprechenden Berechtigungsschein ausstellen lassen. Auch Kleidung, Spielwaren und Drogerieartikel sind es im Tafelladen.

Dass der Gammertinger Tafelladen umziehen muss, ist den Plänen für den Neubau einer Fest- und Kulturhalle geschuldet. Diese soll in den kommenden Jahren auf dem Gelände an der Sigmaringer Straße entstehen, auf dem sich zurzeit noch die ehemalige Textilfabrik Schey befindet. Deren Abbruch soll bis Mitte 2019 abgeschlossen sein. Nach Auskunft von Nicole Maruhn hat sich das DRK zwar schon mögliche neue Unterkünfte angesehen, aber noch keine passende gefunden. „Wir sind weiterhin auf der Suche“, sagt Maruhn. „Die Immobilie sollte räumlich und finanziell passen und natürlich auch dem Bedarf unserer Kunden gerecht werden.“ Einerseits solle auch der neue Tafelladen gut erreichbar sein, andererseits müssten eine gewisse Anonymität und Schutz für die Kunden gewährleistet sein.

Das DRK ist auf der Suche nach Räumen mit 130 bis 150 Quadratmetern Gesamtfläche, von denen sich mindestens 60 als Ladenfläche eignen. Benötigt wird außerdem Platz für ein Lager (rund 40 Quadratmeter), einen Sortierraum (rund 20 Quadratmeter), ein Büro mit Telefon- und Internetanschluss (mindestens acht Quadratmeter), ein Sozialraum (acht bis zehn Quadratmeter) sowie Damen und Herrentoilette. „Im Erdgeschoss müssen die Räume barrierefrei sein“, sagt Maruhn. Wichtig seien einfach zu reinigende Bodenbeläge wie Fliesen oder Vinyl. Parkmöglichkeiten und ein Stellplatz für ein Lieferfahrzeug werden ebenfalls benötigt. „Von Vorteil wäre außerdem eine Anlieferungszone mit kurzen Wegen in den Laden.“

Auch weil die Anzahl der Tafel-Kunden steigt, will Gammertingens Bürgermeister Holger Jerg dem Roten Kreuz bei der Immobiliensuche weiter behilflich sein. So habe er bereits einige Kontakte zu Hausbesitzern vermittelt.

Die Lage als Herausforderung

„Ich hoffe auf eine zeitnahe Lösung“, sagt Holger Jerg. Es sei wichtig, dass die Tafel weiter in der Stadt präsent sei. „Sie versorgt eine Bevölkerungsgruppe, die oft unverschuldet in finanzielle Engpässe geraten ist.“ Eine Herausforderung sei allerdings die gesuchte Lage, die zentral sein soll, bei der die Kunden aber auch nicht auf dem Präsentierteller stehen.

Um den Betrieb des Gammertinger Tafelladens kümmern sich acht ehrenamtliche Helfer. Geöffnet ist das Geschäft immer mittwochs und freitags von 13.15 bis 14.15 Uhr. Mit der Spendenbereitschaft der Betriebe sind die Verantwortlichen des Roten Kreuzes nach wie vor zufrieden. „Wir haben keine Probleme, Sachspenden zu bekommen“, sagt Nicole Maruhn. Und auch dass Flüchtlinge zu den Tafel-Kunden zählen, sei in Gammertingen nie ein Diskussionsthema gewesen. „Es gab diesbezüglich noch nie Beschwerden oder Schwierigkeiten“, betont Maruhn. Den größten Anteil der Tafel-Kunden machten Rentner aus, die mit Altersarmut zu kämpfen haben.

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