Stress wird zunehmend zum Beziehungskiller

Lesedauer: 7 Min
Redakteur Alb/Lauchert und Pfullendorf

Der Hauptsitz der Ehe-, Familien- und Lebensberatung in Sigmaringen ist montags, dienstags, donnerstags und freitags von 8.30 bis 12 Uhr sowie montags, dienstags und mittwochs von 14 bis 16 Uhr unter der Telefonnummer 07571/5787 erreichbar. Unter dieser Nummer nimmt sie auch Termine für die Außenstelle in Gammertingen entgegen, die donnerstags von 13 bis 18 Uhr besetzt ist. Darüber hinaus ist die Beratungsstelle per E-Mail an efl-sig@t-online.de erreichbar.

Ob Streit mit dem Nachbarn, Ärger mit einem Freund oder eine Affäre, die die Beziehung bedroht: Mit ihrer Außenstelle in Gammertingen bietet die Ehe-, Familien- und Lebensberatung Hilfestellung bei verschiedenen Problemen. Leiterin Brigitte Hepp spricht im Interview über falsche Vorstellungen von der Beratung, die gefährlichen Folgen von Stress und darüber, was betroffene Paare tun können.

Seit fast vier Jahren ist die Ehe-, Familien- und Lebensberatung in Gammertingen mit einer Außenstelle vertreten. Wie wird Ihr Angebot angenommen?

Ganz gut. Ich selbst führe die Beratungsgespräche in Gammertingen seit Juli vergangenen Jahres, vorher hatten wir mit Marie-Luise Mutscheller dort eine andere Ansprechpartnerin. Wir beide haben die Erfahrung gemacht, dass es Beratungsbedarf in ganz verschiedenen Lebenslagen gibt. Wir wissen aber auch, dass es Hemmschwellen gibt, eine Beratungsstelle aufzusuchen. Deshalb arbeiten wir immer weiter daran, unser Angebot bekannt zu machen – und mit falschen Vorstellungen aufzuräumen.

Die da wären?

Dass es zum Beispiel bei einer Paarberatung darum geht, das Verhalten eines Beteiligten zu kritisieren oder sich moralisch auf eine Seite zu stellen. Hat einer der beiden Partner zum Beispiel eine Affäre, ist diese Sorge ja naheliegend – aber unbegründet. Meine Kollegen und ich wollen mit beiden Partnern zusammen diese schwierige Situation bearbeiten und eine individuelle Lösung finden. Andere wiederum denken vielleicht, dass sie ihren Partner zwingend zur Beratung mitbringen müssen oder dass wir nur bei Beziehungsfragen beraten. Auch das stimmt beides nicht.

In welchen Situationen sind Sie die denn richtige Ansprechpartnerin?

Wir sind offen für Menschen jeden Alters und besprechen mit ihnen alle Lebenslagen. Zum Beispiel, wenn es Probleme bei der Arbeit gibt, beim Umgang mit Trauer, bei Streit mit dem Nachbarn. Wir gehen nicht nur gravierende Probleme an, sondern stehen auch einfach für Fragen zur Verfügung. Dabei spielt es keine Rolle, ob Ratsuchende verheiratet oder alleinstehend sind, ob es sich um gleichgeschlechtliche Paare handelt, ob sie frühzeitig einen Konflikt angehen wollen oder kurz vor der Trennung stehen. Auch bei einer Trennung beraten wir.

Aber fällt es den Menschen nicht grundsätzlich eher schwer, sich einzugestehen, dass etwas bei ihnen nicht rund läuft?

Das lässt sich so pauschal nicht sagen. Mein Eindruck ist zum Beispiel der, dass es Menschen inzwischen grundsätzlich leichter fällt, eine Beratung in Anspruch zu nehmen. Auch älteren Menschen. Aber klar: Dass jemand erst einmal selbst versucht, ein Problem zu lösen, ist verständlich. Manchmal sind es andere Gründe, warum unsere Hilfe erst relativ spät in Anspruch genommen wird – zum Beispiel aus Scham oder Angst. Wenn Kinder den Kontakt zu ihren Eltern abbrechen, haben diese vielleicht das Gefühl, selbst einen Fehler gemacht zu haben. Wenn jemand ein Problem in der Beziehung angehen will, denkt er möglicherweise, hinter dem Rücken des Partners zu handeln.

Wie können Sie den Ratsuchenden solche Ängste nehmen?

Indem wir immer wieder betonen, dass es bei einer Beratung nicht darum geht, jemanden zu verurteilen. Wichtig ist natürlich auch: Je früher ein Problem angegangen wird, desto schneller lässt es sich in der Regel lösen. Darüber hinaus muss sich niemand Sorgen machen, dass etwas aus unseren Beratungsgesprächen nach außen dringt, denn wir unterliegen der Schweigepflicht.

Worum geht es denn in den meisten Ihrer Beratungsgespräche?

Viele Gespräche haben mit dem eigenen Selbstwertgefühl zu tun. Paare empfinden häufig Probleme in der Kommunikation. Wichtige Themen sind das Auseinanderleben und die Frage nach einer möglichen Trennung. Grundsätzlich stelle ich fest, dass Stress eine immer größere Rolle spielt – nicht nur, aber vor allem bei jungen Paaren. Die Anforderungen an einen Menschen sind heutzutage groß und lassen nur wenig Freiraum. Oft leidet darunter das eigene Leben, die eigene Partnerschaft. Für bestimmte Probleme machen die Beteiligten dann ihren Partner verantwortlich. Sie haben das Gefühl, sich auseinandergelebt zu haben. Dabei steckt eigentlich Stress dahinter.

Was raten Sie in so einem Fall?

Um es mit Papst Franziskus zu sagen: Liebe braucht geschenkte Zeit. Kommen in einer Partnerschaft Kinder zur Welt, ist das toll. Die Eltern sollten sich aber auch wieder frühzeitig Zeit füreinander nehmen. Vielleicht lässt sich ein Babysitter finden. Im Kindergarten oder in der Schule gibt es aber bestimmt auch Eltern, die sich in einer ähnlichen Situation befinden – und mit denen sich gegenseitige Entlastung organisieren lässt.

Der Hauptsitz der Ehe-, Familien- und Lebensberatung in Sigmaringen ist montags, dienstags, donnerstags und freitags von 8.30 bis 12 Uhr sowie montags, dienstags und mittwochs von 14 bis 16 Uhr unter der Telefonnummer 07571/5787 erreichbar. Unter dieser Nummer nimmt sie auch Termine für die Außenstelle in Gammertingen entgegen, die donnerstags von 13 bis 18 Uhr besetzt ist. Darüber hinaus ist die Beratungsstelle per E-Mail an efl-sig@t-online.de erreichbar.

Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen
Mehr Themen