Stadt macht Weg für Windräder frei

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Stadt macht Weg für Windräder frei (Foto: Ignaz Staðss)
Schwäbische Zeitung
Ignaz Stösser
Redakteur Alb/Lauchert

Die Kettenacker müssen in den sauren Apfel beißen. Das steht seit der Gemeinderatssitzung am Dienstag fest. Da gab nämlich das Gremium sein Okay für die Freigabe einer Fläche südlich von Kettenacker für die Windkraft. Die etwa 84 Hektar große Fläche ist die einzige sogenannte Konzentrationszone, die die Stadt Gammertingen in die Planungen des Gemeindeverbandes einbringen will. Der Verband hatte ein Büro engagiert, das untersucht hat, auf welchen Flächen im Laucherttal Windräder gebaut werden können. Die Gemeinden haben nun zu entscheiden, welche Flächen sie dann letzten Endes dafür bereitstellen wollen. Neufra hat sich bereits für eine Fläche nord-östlich der Ortschaft ausgesprochen, Hettingen und Veringenstadt müssen noch entscheiden.

Ortvorsteher Wilfried Klekler sprach von Ängsten, die es in Kettenacker gebe. Er bat darum, die Interessen der Bürger zu berücksichtigen. Mehrere Gemeinderäte sicherten den Mitbürgern auf der Alb ihre Unterstützung zu, wenn dann in der Tat Baugesuche für Windkrafträder eingehen sollten. „Wir sollten es für die Kettenacker sehr verträglich machen“, sagte Karl Götz (CDU). Weitere Gemeinderäte pflichteten ihm bei.

Auch wenn sich ein gewisses Mitleid mit der Kettenackern breit machte, waren sich alle einig, dass man nicht anders könne, als die Fläche auszuweisen. Theoretisch wäre es wohl möglich zu kneifen und zu sagen, alle anderen drei Kommunen des Gemeindeverwaltungsverbandes hätten größere Flächen, auf denen Windkraft möglich wäre, und auf die kleinste bei Kettenacker käme es nicht mehr an. Aber der Fairness halber wollte das keiner. Elmar Molnar sprach seine Hoffnung aus, dass die Gemeinderäte von Hettingen und Veringenstadt bei ihren Entscheidungen ebenfalls so denken. Bürgermeister Holger Jerg, der auch der Verbandsvorsitzende ist, geht davon aus, dass jede Kommune eine Fläche ausweist, wobei östlich von Inneringen erwartungsgemäß die größte sein wird.

Es ist aber auch so, dass die Gemeinden mit der Ausweisung dieser Flächen, den Kettenackern und anderen Laucherttaler Bürgern etwas Gutes tun. Mit dem Beschluss könne man die wilden Investoren fernhalten, erläutert Ortsvorsteher Klekler. Es würden bereits drei Baugesuche für Windräder auf Flächen nördlich von Kettenacker vorliegen. Das nächste würde gerade mal 514 Meter weit entfernt von der Bebauung stehen. Die Kommune könne solche Vorhaben nur schwer verhindern, wenn sie kein speziell ausgewiesenes Baugebiet für Windräder habe. So sei nun mal ab dem kommenden Jahr die Gesetzeslage.

In Kettenacker hatte sich eine Bürgerinitiative gebildet, als der Regionalverband nördlich von der Gemeinde ein Vorranggebiet für die Windkraft ausweisen wollte. Auf diese Fläche hat der Regionalverband inzwischen verzichtet, weil er in Richtung Bodensee bessere Flächen hat. „Der Gemeindeverwaltungsverband muss aber trotzdem eine angemessen große Fläche ausweisen“, macht Bürgermeister Jerg deutlich. So wolle es die Landesregierung. Endgültig festgelegt werden die Flächen in einer Verbandssitzung, wenn alle vier Kommunen entschieden haben, welche Flächen sie bereitstellen wollen.

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