Stadt legt Abstand von 1000 Meter fest

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Schwäbische Zeitung
Ignaz Stösser
Redakteur Alb/Lauchert

Das stimmungsvolle Foto mit der St.-Georg-Kapelle in Kettenacker ist zum Symbol für die Ängste der Kettenacker Bürger vor der Windkraft geworden. Die Kapelle steht am südöstlichen Rand von Kettenacker, südlich vom Ort hat die Stadt eine Konzentrationszone für die Windkraft ausgewiesen. „Die Kapellen-Idylle wird durch die geplanten Windräder zerstört“, sagen viele Bürger und meinen, dass das schöne Wohnen in Kettenacker bald ein Ende haben werde, wenn die Windräder nicht weiter weg vom Ort gebaut werden.

Um diesen Ängsten Nachdruck zu verleihen, hat Jürgen Roos nun im Namen mehrerer Bürger einen offenen Brief an den Gammertinger Bürgermeister Holger Jerg geschrieben. „Durch so einen Windpark wird nicht nur die Kapellen-Idylle zerstört, sondern ein ganzes Landschaftsbild total verändert“, heißt es in dem Brief.

Bürgermeister Jerg findet diese Ansicht völlig überzogen. Er sei kürzlich in Schopfloch zwischen Horb und Freudenstadt gewesen, wo es seit einiger Zeit Windräder mit einer Nabenhöhe von 140 Meter gibt. Sie stehen im Wald, so wie das auch in Kettenacker in etwa der Fall sein wird. Jerg meinte, er und seine Begleiter seien in dem Wald umhergeirrt und hätten die Windräder längere Zeit nicht gefunden. Die riesigen Anlagen seien aus ein paar Hundert Metern weder zu sehen noch zu hören gewesen.

Der Abstand zur Bebauung sorgt in Kettenacker für die größten Ängste. Trotzdem will man sich nicht nachsagen lassen, man sei grundsätzlich gegen die Windkraft. Und Roos schreibt: „Herr Jerg, kein Mensch will Windkraft verhindern, aber bitte bauen Sie Ihre Anlagen weiter weg vom Ort. Mindestens 2000 Meter.“ Und Roos appelliert an das Gewissen des Bürgermeisters: „Herr Jerg, bitte helfen Sie uns in Kettenacker. Stehen Sie zu Ihren Bürgern! Stellen Sie sich vor uns! Ich bin sicher, dass es Möglichkeiten gibt, bei denen einerseits die Investoren ihre Plätze bekommen und andererseits unsere Gesundheit und unser Leben bewahrt werden können.“ Ähnliches wurde an den Bürgermeister auch in der Ortschaftsratssitzung herangetragen, als das Gremium über die Konzentrationszone abstimmte. Danach nahmen einige Gemeinderäte Jerg das Versprechen ab, das Ganze für Kettenacker „erträglich“ zu gestalten.

Drei Stellschrauben

Doch alle Beteuerungen des Bürgermeisters, in diesem Sinne handeln zu wollen, werden von den Kettenackern irgendwie als leere Versprechungen empfunden. Gegenüber der SZ macht Jerg nun deutlich, an welchen Stellschrauben die Stadt drehen kann, um den Abstand zur Bebauung zu vergrößern, wenn es dann konkret wird. Zum einen könne der Gemeinderat beschließen, dass auf ihren Flächen ein bestimmter Abstand einzuhalten sei. Laut Informationen der SZ soll ein solcher Beschluss in nichtöffentlicher Sitzung bereits gefallen sein. Angeblich hat man sich auf einen Abstand von 1000 Meter geeinigt. Und da die meisten der nächstgelegenen Grundstücke in städtischer Hand sind, könnte dies eine gewisse Sicherheit für die Kettenacker bedeuten.

Und eine weitere Stellschraube: Die Stadt kann die Kettenacker Konzentrationszone, die den Status eine Flächennutzungsplanes hat, mit einem Bebauungsplan überlagern. Hier wird dann festgelegt, welche Grundstücke sich für Windräder eignen. Und schließlich kann die Stadt auch beim konkreten Baugesuch mitreden. Auf die Frage, wann denn das erste Windrad in Kettenacker gebaut werden könnte, sagte er: „Wenn alles optimal läuft, aber nur dann, siehst du vor 2016 keinen einzigen Mast.“

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