Stadt bekennt Farbe: Windpark auf der Alb

Lesedauer: 5 Min
Die gelben Flecken auf der Karte der Laucherttalgemeinden zeigen an, wo Konzentrationszonen für Windparks vorgesehen sind. Die G (Foto: Stadt Gammertingen)
Schwäbische Zeitung
Ignaz Stösser
Redakteur Alb/Lauchert

Was die Bürger von Kettenacker schon lange geahnt und immer wieder zur Sprache gebracht haben, ist seit Dienstag offiziell bestätigt: Die Stadt Gammertingen plant einen Windpark südlich von Kettenacker. In ihrer Sitzung am Dienstag gaben die Gemeinderäte grünes Licht für die Gründung der „Gammertinger Windenergie GmbH & Co. KG“, die sich mit dem Bau und dem Betreiben des Windparks befassen soll. Falls es mit Kettenacker nicht klappen sollte, könne auch ein anderer Standort im Laucherttal infrage kommen, hieß es.

Zwei große und einen mittelgroßen Partner hat Bürgermeister Holger Jerg mit ins Boot geholt. Es sind die Energieversorgung Baden-Württemberg (EnBW), die Technischen Werke Schussental (TWS) und die Stadtwerke Sigmaringen. Von Gammertinger Seite ist eigentlich die Energie- und Wasserversorgung (GEW) der Partner, aber weil die Stadt Mehrheitseigentümer der GEW ist, ist ihre Zustimmung nötig. Ähnlich ist es auch bei den TWS und den Sigmaringer Stadtwerken. Hier sowie bei der EnBW sind die entsprechenden Entscheidungen für die neu zu gründende Gesellschaft bereits gefallen.

Ein Risiko ist dabei

Beteiligen will sich Gammertingen an den Investitionskosten von 18 Millionen Euro zu einem Neuntel. Die Stadtwerke Sigmaringen übernehmen zwei Neuntel und die beiden anderen Partner jeweils drei. Dass das Vorhaben mit einem gewissen Risiko behaftet ist, war allen im Saal klar. Aber es sei bei der Größenordnung für die GEW absolut überschaubar, versicherte der GEW-Geschäftsführer, Manfred Schaller, in der Sitzung. „Die GEW wird nicht in Schieflage geraten“, machte er deutlich. Abgesichert hat sich die Stadt als sogenannter Juniorpartner auch über einen detailliert ausgehandelten Vertrag. Er sieht beispielsweise vor, dass viele Entscheidungen innerhalb der Gesellschaft einstimmig gefällt werden müssen. Auch das Aussteigen sei gegebenenfalls möglich.

In der Diskussion forderte Bürgermeister Jerg die Fraktionen auf, Stellung zu beziehen. Wolfgang Lieb von Gleiches Recht für alle betonte, ein Neuntel Beteiligung sei für Gammertingen passend und das Risiko nicht zu hoch. Darum stimme seine Fraktion zu. Stefan Binsch von der SPD sagte: „Es ist klar, dass die Energiewende auch vor Ort passieren muss“ und signalisierte auch grünes Licht. Ebenso Karl Götz von der CDU.

Andreas Schmidt von der Demokratischen Liste fragte nach, wie die Stadt die Bürger mitnehmen und beteiligen wolle. „Die Bürgerakzeptanz ist für alle Beteiligten wichtig“, versicherte darauf Bürgermeister Jerg. Die Investitionskosten sollen zu 70 Prozent aus Fremdkapital und zu 30 Prozent aus Eigenkapital bestehen. Die GEW und die Stadtwerke Sigmaringen wollen interessierte Bürger mit zehn Prozent an ihrem 30-prozentigen Eigenkapitalanteil beteiligen. Dafür sollen „Windsparbriefe“ ausgegeben werden, die der Bürger für mindestens 5000 Euro erwerben kann.

In der Abstimmung sprachen sich alle Gemeinderäte für die „Gammertinger Windenergie“ aus, bis auf die beiden Vertreter der Demokratischen Liste, Lothar Wasel und Andreas Schmidt. Sie enthielten sich, und zwar nicht wegen der Beteiligung der GEW am Windpark, sondern aus formalen Gründen. Wasel bemängelte, dass er die Unterlagen zu diesem Tagesordnungspunkt nicht rechtzeitig erhalten habe. Das bestritt der Bürgermeister allerdings heftig.

Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen
Mehr Themen