Sommerkunstwoche: Im neunten Jahr kreativer denn je

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Im Holzbildhauerei-Kurs bei Andrea Rekšans und Stefan Vollrath bearbeiten die Teilnehmer Baumstämme mit Kettensägen.
Im Holzbildhauerei-Kurs bei Andrea Rekšans und Stefan Vollrath bearbeiten die Teilnehmer Baumstämme mit Kettensägen. (Foto: Mariaberg)
Schwäbische Zeitung

Über 170 Teilnehmer, und damit mehr als in den Jahren zuvor, nutzten die neunte Mariaberger Sommerkunstwoche für eine entspannte, kreative und gesellige Auszeit. „Angefangen haben wir mit 52 Teilnehmern und waren damals ganz stolz auf das Ergebnis. Inzwischen haben wir die Zahl fast vervierfacht“, war Organisator Winfried Maulbetsch zufrieden mit der guten Resonanz. „Für viele ist das ein Familien-Kurzurlaub“, so die Beobachtung seiner Kollegin Naemi Walter. Insgesamt 15 Workshops standen zur Auswahl.

Das Spektrum reichte vom Bronzeguss über großformatige und experimentelle Malerei, Wandern und Zeichnen, Land-Art, Street-Art, Holzbildhauerei bis hin zum Modellieren von Tonskulpturen. Neu im Angebot: „Verkreuzen von Fäden“ mit Sybille Weber und die „Kunst des Schmiedens“ mit Michael Götsch. Der Metallbau-Meister aus Schleswig-Holstein hatte seine mobile Schmiedewerkstatt – Hämmer, Zangen, Ambosse, Essen, insgesamt rund eine Tonne Material – die knapp 1000 Kilometer von Eckernförde an der Ostsee eigens für den Kurs nach Mariaberg transportiert. „Ich habe mich total darauf gefreut, schon der Kontakt im Vorfeld hat viel Spaß gemacht“, erklärte der Workshop-Leiter.

Für die Kinder war ebenfalls viel Abwechslung geboten: „Kunst Dreierlei“ mit Wolfgang Gross, „kunterbunte Kinderkunst“ mit Oda Bauersachs, „Verrückte Hühner und schräge Vögel“ mit Ro Beiter - und einem echten Huhn als Model - sowie „Abenteuer Naturkunst“ mit Fridolin Hospach und Aglaia Stave. „Die Kombination aus Kreativität, Abenteuer und Aktionen kommt sehr gut an bei den Kindern und Jugendlichen“, bemerkte Erlebnispädagoge Hospach.

Besonders begehrt bei den Kindern war auch der Workshop „Street Art“ mit Florian Kaiser und Moritz Bader. Graffiti-Künstler Kaiser, von dem gleichzeitig die Ausstellung „Rio-Art-Projekt“ im Mariaberger Kloster zu sehen war, durfte mit 14 Jugendlichen dem Atelier 5 einen neuen Look verpassen.

Die Mariaberger Sommerkunstwoche will auch unter dem Aspekt Inklusion wirksam sein. Felix Pascher war zum dritten Mal dabei. Der 20-Jährige lebt mit einer angeborenen Cerebral-Parese und besucht in Weingarten ein Internat für Jugendliche mit Behinderung. Er freue sich jedes Mal sehr auf die Ferienwoche in Mariaberg, berichtete seine Mutter Anette Paul-Pascher. „Ich habe gemerkt, dass Felix hier sehr an Selbständigkeit gewonnen hat – aber er ist eh kein Mauerblümchen.“

In diesem Jahr hat seine Teilnahme sogar bleibende Spuren in Mariaberg hinterlassen: Das Portrait von Felix ist beim Street-Art-Workshop in Großformat auf die Wand des Atelier 5 gesprayt worden. „Da war er ganz perplex“, berichtete seine Mutter, „er hat das aber auch als große Wertschätzung empfunden“.

Zur kreativen Auszeit hatten die Organisatoren ein abwechslungsreiches Rahmenprogramm auf die Beine gestellt: Kinoabend, Stadtteil- und Klosterführung, Puppenspiel, Kleinkunst mit dem Theater Lindenhof sowie einen gemeinsamen Besuch der Alb-Brut-Ausstellung im alten Lager in Münsingen, bei der auch Mariaberger Künstler ausstellen. Das offene Sommerkunstatelier mit Annette Trefz, Svenja Keller und Zoe Luft bot kreative Freiräume für diejenigen, die sich nicht auf einen bestimmten Workshop festlegen mochten.

Auch das Mariaberger Hallenbad und das Restaurant „Marktplatz“ standen den Gästen offen. Begeistert aufgenommen wurde der gemeinsame Grillabend, den das „Bravo Swing Quartett“ musikalisch gestaltete. Breakdance-Einlagen von Kursteilnehmern und Dozenten brachten das Publikum vollends in Feierlaune.

„Die Stimmung war fantastisch“, schwärmte Vorstand Rüdiger Böhm. Er lobte das gute Miteinander der beteiligten Mariaberger Mitarbeiter, die für die Sommerkunstwoche alle „Hand in Hand“ gearbeitet hätten. Es gebe die Überlegung, so Böhm, das Angebot aufgrund des großen Interesses auf zwei Wochen auszudehnen. Er kündigte an, „auf jeden Fall wollen wir immer wieder neue, spannende Themen anbieten“. Denkbar seien beispielsweise Emaillieren oder ein Band-Workshop.

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