Schüler testen virtuelles Lernen

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Schüler mit VR-Brillen sitzen vor Laptops
Schüler nehmen an einer Studie der Universität Tübingen teil. Biologielehrer Andreas Schwarz (hinten) unterstützt das Projekt. (Foto: Gabriele Loges)
Gabriele Loges

Ein Forschungsteam am Hector-Institut für Empirische Bildungsforschung der Universität Tübingen hat die Jahrgangsstufen 6 und 10 des Gymnasiums in ihre Studien mit einbezogen. Lisa Hasenbein und Joseph Ferdinand wollen für ihre Dissertationen im Fach Psychologie mithilfe von Testschülern aus dem gesamten Gebiet des Regierungsbezirks Tübingen herausfinden, wie Schüler auf „virtuelle Realitäten“ reagieren. Ein Experiment, das die rund 70 Schüler und die Schule gerne unterstützen.

Getestet wird der Einsatz von Virtual Reality in der Lehr-Lern-Forschung im Fach Biologie. Andreas Schwarz ist Fachleiter für Biologie und Informatik und war gleich angetan von der Möglichkeit, die mögliche virtuelle Zukunft des Unterrichtens hautnah mitzuerleben. Im Biologiefachraum sitzen neun Schüler und füllen zuerst anonym den ersten Teil eines Fragebogens zum „Unterricht im virtuellen Klassenzimmer“ aus. Danach setzen sie eine Virtual-Reality-Brille auf und verfolgten 15 Minuten lang den „ganz normalen Biologieunterricht“ einer sechsten Klasse, der zuvor eingespielt wurde. Die Lehrerin und Schüler im Film erinnern an einen Anime-Film, das Klassenzimmer wirkt real.

Teilnehmer füllen Fragebogen aus

Die Schüler in Gammertingen gleichen verkabelten Riesenameisen. Mit ihren überdimensionierten Augen können sie ihr Blickfeld auf dem Bildschirm beeinflussen. Beim Abnehmen sind sich zwei Schülerinnen einig: „Es ist ein bisschen komisch an den Augen und man bekommt ein wenig Kopfschmerzen, aber es ist trotzdem gut.“ Danach füllen alle Schüler den zweiten Teil des Fragebogens aus. Beim Projekt „Für die Zukunft lernen“ dieser Jahrgangsstufe möchte Hasenbein herauszufinden, welche Faktoren im Klassenraum die Lernleistung beeinflussen: Spielt der Augenkontakt zwischen Lehrern und Schülern eine Rolle? Wie ist es, wenn alle virtuell in der ersten oder letzten Reihe sitzen? Was könnte leistungsstarke oder eher schwächere Schüler vorwärtsbringen? Bei der Unterrichtsforschung kommt heraus, so Hasenbein, dass unglaublich viele Kontextfaktoren Einfluss nehmen.

Beim zweiten Projekt „Biologielernen” von Joseph Ferdinand und seiner Dissertation über den „Einsatz von virtueller Realität im Unterricht“ soll herausgefunden werden, ob Schüler der 10. Jahrgangsstufe von den Lerninhalten mithilfe von Virtual Reality profitieren. Auch diese Schüler füllen im Computerraum vorher und nachher einen Fragebogen aus.

Sie sehen mit der VR-Brille 15 Minuten lang eine virtuelle Simulation über die Körperzelle. Dabei wird auch untersucht, wie die vorausgehende Art der Vermittlung und Darstellung sowie die persönliche Interaktion mit dem Lernstoff zum erfolgreichen Lernen führen kann. Schüler Tufan findet es nach dem Versuch „krass, so etwas zu erleben“: „Es war schwer sich auf den Inhalt zu konzentrieren, man sieht mit der Brille erst mal alles um sich herum an, das ist eine komische Wahrnehmung. Aber ich denke, wenn man daran gewöhnt ist, konzentriert man sich wieder mehr auf den Lerninhalt.“

Ergebnisse liegen im April vor

Die Feldforschung in Gammertingen war für das Team von der Universität Tübingen erfolgreich und erfreulich. Die Unterstützung vor Ort und die technischen Voraussetzungen seien geradezu ideal, lobte Hasenbein, die auch betonte, dass die Untersuchung für sie ergebnisoffen sein muss: „Für uns als Wissenschaftler ist es schwierig, Position zu beziehen, aber wir können die Lernforschung unterstützen.“

Zwei Monate werden sie noch in Schulen die virtuelle Realität testen, im April könnten erste Ergebnisse vorliegen, die sie dann bis zum Ende des Schuljahrs gerne den beteiligten Schulen vorstellen.

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