Urteil vertagt: Vor dem Landgericht in Hechingen gibt es noch einen weiteren Verhandlungstag.
Urteil vertagt: Vor dem Landgericht in Hechingen gibt es noch einen weiteren Verhandlungstag. (Foto: Archiv: Sebastian Korinth)
Gabriele Loges

Das Gutachten des psychiatrischen Sachverständigen hat dazu geführt, dass die Hauptverhandlung im Fall der versuchten schweren Brandstiftung nicht abgeschlossen werden konnte. Der vorsitzende Richter Hannes Breucker stimmte den Bedenken des Staatsanwalts Markus Engel zu und verschob das Urteil auf Donnerstag, 20. Dezember.

Dem ehemaligen Bewohner von Mariaberg werden Sachbeschädigung und Diebstahl in sechs und schwere Brandstiftung in einem Fall vorgeworfen. Insgesamt neun Zeugen wurden verhört: Die Betreuerin, zwei Polizisten, zwei Feuerwehrmänner, zwei Angestellte von Mariaberg und zwei weitere Bewohner von Mariaberg. Der jeweilige Tatverlauf konnte mehrfach bestätigt werden. Im Wesentlichen wurden diese bereits vom Angeklagten, wie berichtet, bestätigt.

Für das Gericht entscheidend war die mögliche Gefährdung von Personen durch den Brand Ende Mai. Helmut Hüls, Brandsachverständiger beim Landeskriminalamt, regte zunächst an, die Brandeigenschaft des Mülleimers vor dem Gericht zu prüfen. Der Kriminalbeamte von Sigmaringen hatte das Beweisstück mitgebracht. Tatsächlich brannte das Plastikteil. Die Feuerwehren Mariaberg und Gammertingen hatten den Brand – auch dank des Rauchmelders – so schnell gelöscht, dass das Feuer nicht auf weitere Möbelstücke übergreifen konnte. Dennoch bestand theoretisch die Gefahr einer Ausbreitung. Hüls betonte: „Brand ist ein chaotisches System.“

Zeugin: Ein Mitläufertyp

Hilfreich für den Prozess war die Aussage der Zeugin, die in Mariaberg im Wohnverbund als Fachkraft für den Angeklagten zuständig war: „Er hat es als Kränkung erlebt, dass er in Mariaberg wieder aufgenommen wurde.“ Notwendig war dies geworden, nachdem er in einer Außengruppe Probleme hatte und zwischendurch in die Psychiatrie nach Zwiefalten eingewiesen worden war. Die Zeugin sah in ihm „eher einen Mitläufertyp“, er habe ihrer Meinung nach ein Aufmerksamkeitsdefizit und sei sehr leicht beeinflussbar. Alkohol habe zwar beim ersten Fall eine Rolle gespielt, aber ansonsten trinke er nicht viel. Sie halte ihn nicht für aggressiv, hätte auch nie Angst vor ihm gehabt. „Das Feuer hat er zwar bewusst aus Kränkung gelegt, aber er war sich nicht bewusst, dass er 44 Klienten gefährdet.“

Im Anschluss las das Gericht die Vorstrafen vor: Insgesamt elf Eintragungen von 2003 – da war er 14 Jahre alt – bis 2016 sind im Bundeszentralregister aufgeführt. Sachbeschädigungen und Körperverletzungen wechseln sich dabei ab. Die letzte Straftat wurde vom Amtsgericht Sigmaringen mit drei Monaten und drei Jahren Bewährung geahndet.

Dr. Ralph-Michael Schulte erstellte als Facharzt für Psychiatrie das umfangreiche Gutachten. Im August wurde eine leichte bis mittelgradige Intelligenzminderung festgestellt, die Beobachtung und Behandlung erfordere. Dazu komme eine kombinierte Persönlichkeitsstörung, die viele Ursachen seit frühester Kindheit habe. So führe eine dissoziative Störung bei ihm dazu, plötzlich die Idee zu haben, etwas zu zerstören. Schulte stuft die medizinische wie soziale Prognose bei dem Angeklagten als ungünstig ein. Das Krankenhaus in einer Haftanstalt sei keine Lösung: „Er braucht einen sehr strukturierten Rahmen.“

Daraufhin regte Staatsanwalt Engel die Vertagung des Urteils an. Die gesetzliche Betreuerin wird versuchen, bis dahin eine geeignete Unterbringung zu finden. Vorerst bleibt der Angeklagte in der Forensischen Klinik in Bad Schussenried.

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