Mehr als 37 Jahre mit viel Herzblut im Einsatz für den Nahverkehr

Jürgen Lutz (Mitte) sowie seine Nachfolger Thomas Vehrenkamp (links) und Matthias Ott (rechts).
Jürgen Lutz (Mitte) sowie seine Nachfolger Thomas Vehrenkamp (links) und Matthias Ott (rechts). (Foto: SWEG)
Schwäbische.de

Er hat den Busverkehr der Hohenzollerischen Landesbahn (HzL) mit aufgebaut und geleitet, er besaß Handlungsvollmacht für seinen Arbeitsbereich und war als Busfahrer und Reiseleiter in ganz Europa unterwegs: Jürgen Lutz. Für ihn endet mit dem Eintritt in den Ruhestand zum August eine berufliche Laufbahn, die bei der HzL 37 Jahre und drei Monate andauerte.

Am 2. Mai 1985 – gleich nach dem Abschluss seines BWL-Studiums mit der Fachrichtung Verkehr – begann Lutz seine Karriere im Verkehrsbüro der HzL-Direktion in Hechingen. Dort war der Diplom-Betriebswirt zunächst für Arbeiten rund um den Busverkehr zuständig. 1994 übernahm er die stellvertretende und ein Jahr später die komplette Betriebsleitung des HzL-Busbereichs. Nach der Verschmelzung der HzL mit der SWEG wurde im Frühjahr 2019 die Verwaltung des Busverkehrs von Hechingen zum Busbetriebshof in Gammertingen mit der dortigen Fahrdienstleitung zusammengelegt. Von 1988 bis 2021 übernahm Lutz außerdem jeden Tag eine morgendliche Schülerfahrt im Linienverkehr im Raum Haigerloch. Zusammen mit den zahlreichen Strecken, die der 63-Jährige vor allem in den 1990er-Jahren jeweils in der Hochsaison im Fernreiseverkehr absolvierte, sind nach seiner Schätzung so ganz nebenbei eine knappe Million Buskilometer zusammengekommen. Die Ferntouren führten ihn beispielsweise nach Ostdeutschland, Frankreich, Italien, Skandinavien und bis nach Island. Gern erinnert sich der verheiratete dreifache Familienvater auch an die Fußballweltmeisterschaft 2006 in Deutschland, als 1650 holländische Fans, die in Erpfingen mit ihren Wohnwagen campten, nach Stuttgart zum Spiel der Niederlande gegen die Elfenbeinküste gefahren werden sollten. 32 Busse wurden dafür organisiert, auch Lutz saß selbst am Steuer. „Ich hatte eine kleine Kapelle im Bus und direkt hinter mir saß einer mit einer großen Trommel – da ging’s ab!“

An der alltäglichen Arbeit hat dem Horber der Kontakt zu Fahrgästen, Mitarbeitern und lokalen Verantwortungsträgern am meisten Spaß gemacht sowie das Lösen von schwierigen Problemen. „Es ging oft darum, den bestmöglichen Fahrplan mit den vorhandenen Bussen und Mitarbeitern auszutüfteln.“ Eine große Herausforderung war zudem die Mitarbeit beim Aufbau und der Gründung der drei Verkehrsverbünde naldo, BNV im Landkreis Biberach und vgf in seinem Heimatlandkreis Freudenstadt. Dass Lutz dabei stets mit viel Herzblut bei der Sache war, hat lang zurückliegende Gründe. Denn sein Interesse am Nahverkehr wurde bereits in der Kindheit geweckt durch die Straßenbahnlinien, die vor dem Haus der Großeltern sowohl in Stuttgart als auch in Reutlingen vorbeiratterten. Umso mehr schmerzte es ihn, dass die Linienbusse zwischen Hechingen und Horb seit Sommer 2021 nach 53 Jahren nicht mehr von der HzL gefahren werden, da nach einer Ausschreibung des Zollernalbkreises ein billigerer Anbieter zum Zuge kam. „Das Engagement, mit dem wir über Jahrzehnte diese Linien aufgebaut und ständig verbessert haben, das zählte plötzlich nicht mehr, sondern nur noch der Preis.“ Durch die veränderten Rahmenbedingungen werde es künftig immer schwerer, die Busverkehre gleichzeitig wirtschaftlich und mit der gewohnt hohen Qualität abzuwickeln. Gleichzeitig habe die Belastung durch immer mehr gesetzliche Vorschriften und Nachweispflichten im Laufe der Jahre deutlich zugenommen. „Die Zeit für betriebliche Dinge, die eigentlich im Vordergrund stehen sollten, wird dadurch immer knapper.“

Die Verantwortung für den HzL-Busverkehr, die 45 Beschäftigten und die insgesamt 36 Busse wird von jetzt an zweigeteilt. Die Funktion des Betriebsleiters übernimmt der neue Regionalleiter Ost, Thomas Vehrenkamp. Direkter Ansprechpartner vor Ort in Gammertingen ist Standortleiter Matthias Ott. Jürgen Lutz wiederum wird sich nun verstärkt seiner Familie widmen. Als inzwischen zweifacher Großvater ist er in der Betreuung seiner Enkelinnen gefragt, ebenso beim Hausbau des Sohnes. Auch freut er sich auf mehr Zeit zum Reisen. „Vor allem mit dem Wohnwagen und am liebsten nach Skandinavien.“ Und Lutz wird auch künftig noch am Steuer großer Fahrzeuge sitzen. Als Gründungsmitglied des Vereins Stuttgarter Historische Straßenbahnen möchte er weiterhin ein- bis zweimal pro Monat Oldtimer-Busse fahren oder als Schaffner Oldtimer-Straßenbahnen begleiten. So ganz ohne aktive Rolle im Nahverkehr geht es bei jemandem mit Herzblut wie Jürgen Lutz eben auch im Ruhestand nicht.

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