Magister Tod tritt als Sympathieträger auf

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Magister Tod tritt als Sympathieträger auf

Als schlicht „wundervoll“ bezeichnete Sven J. Olsson die Aufführung der Theater-AG des Gymnasiums. Olsson war am Samstag extra nach Gammertingen gekommen, um bei der Uraufführung seines Stücks „Paradise Devils“ in der vollbesetzten Aula des Gammertinger Gymnasiums dabei zu sein. Die Prämisse der Komödie, die Petra Wachter mit ihrer Gruppe „Chameleons“ schlicht und effizient inszenierte, ist simpel und funktioniert durch ihre selbstironische Umsetzung: Die Hölle ist überfüllt, weshalb Tote abgewiesen werden und weiterleben müssen.

Das Paradies hingegen bleibt den geläuterten Sündern verschlossen, da ein zaudernder Gott sich ihrer Aufrichtigkeit nicht sicher sein kann. Die unhaltbare Situation sorgt für Spannungen zwischen Satan (Sander Prautzsch) und seiner Schwester Luzie (Selina Wehner), da die Führungsebene des Konzerns „Hölle“ zügig eine Lösung finden muss.

Autor Olsson bezieht sich bei der Wahl der Figuren und Thematik auf die jüdisch-christlichen Mythologie, versetzt die Handlung jedoch in ein modernes Unternehmen. So wird etwa aus der Göttin Lilith (Thalea Wörner) die Sekretärin der Geschäftsleitung und Asmodäus, ihr Ehemann, zu Asmodi (Franziska Fecht) der Chefin der Propagandaabteilung. Komplettiert wird das Management von Abbadon (Eva Stehle), der perfektionistischen Abteilungsleiterin für Qualitätssicherung, Beelzebub (Tsonka Hönes) zuständig für die Abteilung „Innere Organisation“ und den Aufsehern Behemoth und Leviathan (Jessica Cielenga). Den Part der Chefin der Abteilung „Neuzugänge“ Moloch, eigentlich gespielt von der kurzfristig erkrankten Natalia Koch, übernahmen vier ehemalige Schauspielerinnen (Tamara Fritz, Jacqueline Schreil, Alexandra Bechtold und Olivia Preißer).

Das labile System, dass sie aufrechterhalten sollen, wird von Curt (Michael Preißer) zum Einsturz gebracht. Curt, der alle Rockmusiker-Klischees samt Selbstmord auf der Hoteltoilette erfüllt, muss von Magister Tod zwecks Platzmangels wiederbelebt werden. Ein Novum, welches das Vertragswerk zwischen Himmel und Hölle sprengt und sowohl Curts Freundin Eve (Amelie Diem) als auch seine Managerin Norma (Anna Straile) an ihre Grenzen treibt.

Der Magister Tod, virtuos gespielt von Miriam Leuther, wirkt wie eine Mischung aus Grimms Gevatter Tod und einem österreichischen Musiker aus dem 18. Jahrhundert. Unerwarteter Weise wird er zum Sympathieträger, während er auf bissig charmante Art und Weise versucht seinem Fach gerecht zu werden. Indes versucht Petrus erfolglos Gott (Vanessa Lovercic) zur Einsicht zu bringen. Petrus zeigt sich dabei, dank Anna Teufels nuanciertem Mienenspiel, hin- und hergerissen zwischen Frustration und widerwilliger Zuneigung. Zu spät bilden Satan und Gott noch eine Allianz, angesichts des von Luzie angeführten „Staatsstreiches“, und so gehen der Herr der Fliegen und Gottvater gemeinsam ins Exil auf die Erde.

„Paradise Devils“ wirkt wie die satirische Fortsetzung von John Miltons „Paradise Lost“. Das für die Menschen verlorene Paradies wird paradoxerweise von Dämonen zurückerobert und mit der Hölle zu einem einzigen Nirwana vereint. Es ist Gott selbst, der den einstigen Garten Eden verlassen muss.

Dass komplexe Themen wie der Tod und religiöse Vorstellungen, so leicht und so natürlich behandelt werden, ist abgesehen vom ehrlichen Enthusiasmus des Ensembles die eigentliche Stärke des Stücks. Die „Chameleons“ beweisen ein echtes Gespür für komödiantisches Timing und Bereitschaft zur Improvisation, was eine doch relativ lange Spielzeit nicht langweilig werden lässt. Kurzum: „Paradise Devils“ ist eine stimmige Typenkomödie, die Glaubens- und Gesellschaftsentwürfe hinterfragt und es dabei schafft weder abwertend noch respektlos zu sein. mk

Weitere Aufführungen dieses ungewöhnlichen Stückes sind für Freitag und Samstag, 11. Und 12. Mai, jeweils um 20 Uhr geplant. Der Eintritt ist wie immer frei, um Spenden wird gebeten.

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