Konzert-Zyklus endet mit einem fulminanten Finale

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 Anke Dill, Florian Wiek und Justus Grimm (von links) begeistern das Publikum beim Schlosskonzert in Gammertingen.
Anke Dill, Florian Wiek und Justus Grimm (von links) begeistern das Publikum beim Schlosskonzert in Gammertingen. (Foto: Ulrike Göggel)
Ulrike Göggel

Am vergangenen Samstag fand der dreiteilige Konzert-Zyklus mit Klaviertrios von Ludwig van Beethoven (1770-1827) ein grandioses Ende: Anke Dill (Violine), Justus Grimm (Violoncello) und Florian Wiek (Klavier) begeisterten wie bei ihren beiden Konzerten im März diesen und vergangenen Jahres das Gammertinger Publikum.

Den Auftakt bildete das Trio No. 3 aus opus 1. Der erste Satz „Allegro con brio“ war geprägt von kraftvollem, lebendigem Spiel und starken klanglichen Differenzierungen, während im darauffolgenden „Andante cantabile con variazioni“ das melodiöse Thema warm und strahlend herauszuhören war. Energiereich gestalteten die Musiker das „Menuetto quasi Allegro“, den melodiösen Trio-Teil dagegen weicher. Das stürmische „Finale Prestissimo“ verwandelte das Trio kunstvoll und energisch in ein spannungsreiches Musikerlebnis.

Das darauf folgende Klaviertrio B-Dur op.11 trägt den Beinamen „Gassenhauer-Trio“ wirkte leichter und beschwingter als diejenigen aus opus 1. Das anschließende kurze Adagio bezauberte mit seiner warmen Melodik und Innigkeit. Im „Allegretto Variationen I-IX“ zeigte sich ganz besonders, welch überschwängliche Freude an der Musik und am gemeinsamen Spiel die Musiker trägt: Mit strahlenden Gesichtern und Klängen sowie einer ungeahnten Präzision im Zusammenspiel erfreuten sie das Publikum mit Beethovens Interpretation eines Schlagers seiner Zeit.

Nach der Pause durfte sich das Publikum an einem kleinen Klaviertrio erfreuen. Beethoven komponierte das Trio B-Dur (WoO 39) 1812 für die damals zehnjährige Tochter Maximiliane seiner Freundin Antonie Brentano – „zu ihrer Aufmunterung im Klavierspielen“. Fröhlich und entspannt und mit rundem, vollem Gesamtklang führten die Musiker ihr Publikum damit in den zweiten Teil des Konzertabends.

Mit dem Klaviertrio D-Dur op.70 No. 1, auch bekannt als „Geistertrio“, setzten die Musiker dem Abend ein Sahnehäubchen aus musikalischer Perfektion, Präzision und Virtuosität auf. Seinen Beinamen verdankt es dem langsamen Mittelsatz und einer Bemerkung des Beethoven-Schülers Carl Czerny: „Der Charakter dieses sehr langsam vorzutragenden Largo ist geisterhaft schauerlich, gleich einer Erscheinung aus der Unterwelt. Nicht unpassend könnte man sich dabei die erste Erscheinung des Geists im Hamlet denken.”

Kraftvoll und explosiv

Der erste Satz wirkt alles andere als geisterhaft: Kraftvoll paaren sich Phrasen in Oktavparallelen mit explosiv wirkenden Verquickungen der Stimmen, in denen die Musiker dennoch nie den großen Bogen aus den Augen verloren. Im „Largo assai ed espressivo“ gestalteten Dill und Grimm den Dialog von Violine und Cello mit düsterem, hohlen Klang wie schwebend über dem von Florian Wiek am Flügel ausgebreiteten Klangteppich. Die so entstehenden düsteren Akkorde mit teilweise äußerst hohen und tiefen Tonlagen in allen Stimmen, gepaart mit extremen Gegensätzen in der Dynamik, erzeugten eine beklemmende, wahrhaftig „geisterhafte“ Stimmung. Diese Düsternis trieben die Musiker jedoch im Finalsatz „Presto“ flugs aus dem Saal so „wie der Sturmwind die Wolken verjagt“. So beschrieb E.T.A. Hoffmann den Charakter dieses Satzes. Und ganz in diesem Sinne - mit ausgespielter purer Energie – beendeten Anke Dill, Justus Grimm und Florian Wiek mit überbordender Virtuosität fulminant das Konzertprogramm.

Für den Applaus bedankten sie sich mit dem 2. Satz „Andante con moto“ in c-moll aus dem Klaviertrio Nr. 2 op.87 von Johannes Brahms (1833-1897). Dabei durfte das Publikum noch einmal die Musikalität des Trios genießen. Ein Ende, das Konzertbesucher von weiteren Abenden mit dem Trio hoffen lässt. Vielleicht ja dann mit Musik von Brahms.

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