Klassik und 80er-Kult beim Dreikönigskonzert

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 Beim Dreikönigskonzert werden geehrt (von links): Madeleine Rapp, Jens Straubinger, Hans Wannenmacher, Thomas Butzengeiger und
Beim Dreikönigskonzert werden geehrt (von links): Madeleine Rapp, Jens Straubinger, Hans Wannenmacher, Thomas Butzengeiger und Manfred Cielenga. (Foto: Gabriele Loges)
Gabriele Loges

Mit einem anspruchsvollen Programm hat die Stadtkapelle unter der Leitung von Hilger Huntgeburth beim traditionellen Dreikönigskonzert ihr musikalisches Können erneut unter Beweis gestellt. Es war das zweite Jahreskonzert des professionellen Dirigenten mit den „ehrenamtlichen“ Musikern in der etwas beengten Aula des Gymnasiums. Die Dirigenten der Vorgruppe und der Jugendkapelle standen ebenfalls wie im Vorjahr mit Dirigentenstab am Pult. Das treue Publikum entließ die Musiker erst nach zwei Zugaben und war von der Leistung überzeugt: „Sie haben mal etwas Neues gewagt.“

Den Auftakt zum Konzert machten die jüngsten Spieler der Stadt Gammertingen und Neufras. Sie wurden wie im vergangenen Jahr von Kilian Heißel und Annika Jaudas dirigiert. Die beiden Jungdirigenten hatten, so Udo Rapp vom Vorstandsteam, im vergangenen Jahr beide einen Ensemble-Leiter-Kurs absolviert. Zurückhaltend und mit Konzentration lenkten sie abwechselnd neun Bläser und drei Schlagzeuger.

Nach einer Zugabe machten sie die Bühne für die Jugendkapelle von Gammertingen mit seinen Teilorten und Neufra frei. Beschwingt interpretierten zwei Klarinetten, vier Saxofone, ein Horn und ein Basssaxofon zusammen mit einem Pianospieler und einem Schlagzeuger „Oh when the Saints go marching in“. „Fällt Ihnen im Vergleich zum letzten Jahr etwas auf?“, fragte Dirigent Dietmar Pelz das Publikum: „Wir sind weniger geworden.“ Höhen und Tiefen hätten „zu mehreren Verlusten an Musikern“ geführt.

Die Verbliebenen hätten beschlossen, die Herausforderung anzunehmen und bewusst ohne Gastbläser weiterzuspielen. Vom Instrumentarium her hätte sich der Swing mit seinem Drive und Rhythmus angeboten. Dass sie richtig liegen, bewiesen sie mit den Songs „Swing low, sweet chariot“ und „Joshua fought the battle of Jericho“. Die erfrischenden Interpretationen lassen auf weitere Höhenflüge mit fliegenden Tempiwechsel hoffen. Klarinettistin Noemi Butzengeiger bedankte sich bei ihrem Dirigenten: „Auch wenn zur Neuorientierung alles gesagt ist, wir Frauen haben das letzte Wort und deshalb wollen wir uns bedanken, dass wir diese neue Richtung einschlagen konnten.“ Schon das Jahr 2018 sei richtig gut gewesen: „Und vielleicht kommen ja 2019 noch ein bisschen mehr Leute, die Lust haben, mit uns zu spielen.“

Mit Elan warm gespielt

Während die beiden Jugendkapellen noch etwas verloren auf der Bühne standen, füllten nach dem Umbau knapp 40 Musiker die Bühne der Aula spielend – bis fast zur Enge. Vorstand Rapp begrüßte die Gäste und dankte allen, die den Ort als guten Spielort möglich gemacht haben. Über Monate habe man nach dem gelungenen Jubiläumsjahr zusätzlich intensiv geprobt: „Wir haben Zeit und Nerven investiert, aber es lohnt sich.“ Es liege „in der Natur der Sache“, dass dies nicht immer einfach gewesen sei. Mit „Starchaser“ von David Barry spielte sich die Stadtkapelle mit Elan warm. Gleich danach bezauberte sie mit Mozarts Zauberflöte in einem Arrangement für Blasorchester von Norbert Studnitzky. Huntgeburth forderte von den Spielern eine hohe Leistung ein und machte damit den Abend zu einem besonderen Konzertgenuss. Nach der Oper von 1791 wechselte das Ensemble mit „Gershwin in Concert“ in Windeseile und stilsicher in beste Unterhaltungsmusik des 20. Jahrhunderts. Die Lichtorgel-Effekte von Frank Schädlich kamen dabei voll zum Einsatz.

Markus Reiser und Thomas Zeiler führten sympathisch durch das Programm und wussten, dass der folgende „Florentiner Marsch“, arrangiert von Siegfried Rundel, eigentlich „La rosa di Toscana“ heißen sollte und der meistgespielte Marsch auf der Welt sei. Mit den gekonnten Wechsel der Register fühlten sich die Zuhörer in den sommerlichen Park einer Kurstadt versetzt. Temperamentvoll ging es auch im zweiten Teil des Konzerts und mit „Slavia Galopp“ von Zdenek Lukas weiter. Nach dem durch Louis Armstrong bekannt gewordenen Spiritual „Nobody knows the trouble I’ve seen“ ging es musikalisch in die Jetztzeit. Zunächst mit der norddeutschen Seemannsband „Santino“ und ihrem, so die Moderatoren, „piratenhaften Image“: „Mit ihnen zusammen entern wir die Bühne und erobern die musikalischen Weltmeere.“

Ebenso fetzig intoniert erfreute im Anschluss das Arrangement der Kultschlager der 1980er-Jahre von Thiemo Kraas. Die Polka „Wir sind wir“ gab es als Zugabe und Udo Rapp nutzte die Ankündigung der zweiten Zugabe, des Marsches „Viribus Unitis“, zum Bekenntnis ans Publikum und an Bürgermeister Holger Jerg gerichtet: „Mit vereinten Kräften machen wir das mit der Stadthalle!“

Die Ehrungen des Blasmusikverbandes Sigmaringen übernahm Helmut Barth vom zuständigen Bezirk 1. Carina Miller (in Abwesenheit), Jens Straubinger und Madeleine Rapp wurden für zehn Jahre Mitgliedschaft mit der Bronzenen Ehrennadel geehrt: „Als Anerkennung und Dank, aber auch als Ansporn für die nächsten zehn Jahre!“ Manfred Cielenga wurde für 30 Jahre Mitgliedschaft mit dem goldenen Ehrenabzeichen ausgezeichnet. Anspielend auf seine Körpergröße, „es gibt keinen Größeren als dich“, hob Barth dazu seine Arbeit als Schriftführer und seine „fleißigen Probenbesuche“ hervor. Thomas Butzengeiger wurde für 40 Jahre aktive Mitgliedschaft mit der goldenen Ehrennadel mit Diamant und einer Urkunde geehrt. Butzengeiger ist zusätzlich „Eventvorstand“ sowie Fasnetsdirigent. Hans Wannenmacher wurde mit der Fördermedaille in Gold ausgezeichnet. „Du hast Dich mit Herzblut in verantwortungsvolle Ämter eingebracht, als Schriftführer oder als Vorstand“, so Barth.Udo Rapp vom Vorstandsteam schloss sich für die Stadtkapelle den Glückwünschen an und ergänzte noch zwei Ehrungen: Thomas Butzengeiger wurde für sein langjähriges Engagement zum Ehrenmitglied der Stadtkapelle ernannt und Hans Wannenmacher wurde für 20 Jahre Vorstandschaft mit der Auszeichnung Ehrenvorstand geehrt.

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