Kinder übernachten in der Wildnis

Lesedauer: 6 Min
Heinz Thumm

Das Ökomobil des Regierungspräsidiums Tübingen hat die Grundschule Feldhausen besucht, um 18 Mädchen und Jungen eine Übernachtung im Wald zu ermöglichen. Und allen Bedenken von Kindern und Eltern zum Trotz: Am Ende erwiesen sich sämtliche Sorgen als unbegründet. Stattdessen schwärmten die Grundschulkinder von unvergesslichen Momenten.

Der Förderverein der Schule hatte den zum rollenden Naturschutzlabor umgebauten Lastwagen nach Feldhausen eingeladen. Nicole Volk, Försterin und Elternbeiratsvorsitzende, die die Wildnisnacht vor Jahren mit entwickelt hatte, bereitete die Aktion vor. Am frühen Nachmittag trafen sich die Kinder dann mit dem dreiköpfigen Team vom Ökomobil. So hatte Projektleiterin Sabine Reußing zur Unterstützung noch Anka Klingler und Simon Maximilian Beslic mitgebracht, die ein freiwilliges ökologisches Jahr absolvieren.

Am Anfang ging es darum, bei einem Spiel das Augenmerk auf den Naturschutz zu legen. „Hat unsere Welt Probleme?“, wurden die Kinder gefragt und die Antworten waren anklagend. So verwiesen die Mädchen und Jungen beispielsweise auf Artensterben und Klimawandel. Die gute Nachricht: Weil die Schüler bereit für das Thema sensibilisiert sind, engagieren sie sich im Rahmen ihrer Möglichkeit, um etwas dagegen zu tun. Zum Beispiel, indem sie eine Feldhecke pflegen, Tiere retten oder Material sammeln.

Zahlreiche Tiere entdeckt

Später bekamen die Kinder Gelegenheit, Augen und Ohren zu schärfen für den Gang mit dem Fernglas auf dem Pirschpfad. Die Ausbeute beim Entdecken der Tiere war groß: Zehn originelle Tiersilhouetten wurden gefunden und bestimmt. Dazu wurden Kleintiere in unterschiedlichen Dosen gesammelt, selbst oder mit Unterstützung bestimmt und dann am Bildschirm vorgezeigt. Die gefundenen Tierarten reichten von Hundert- und Tausendfüßlern über eine Wolfsspinne mit Kokon bis hin zu Regenwürmern und dem Laufkäfer. Der faszinierendste Moment: das Beobachten des Herzschlags einer Baldachinspinne am Bildschirm.

Bei der anschließenden Vorbereitung des Lagers erledigten verschiedene Gruppen besondere Aufgaben. Das Team „Darmstadt“ hob eine Grube aus und baute einen Sichtschutz, damit ungestörte Klobesuche möglich wurden. Eine fünfköpfige Jungengruppe präsentierte eine „Bronz-Grotte“ zum Pinkeln im Wald. Das Team „Pippi“ baute ein Zelt zum Pipimachen für Mädels auf. Auch das Team „Lager- und Grillfeuer“ war kreativ und bereitete eine Feuerstelle mit Sitzplätzen für die abendliche Runde vor.

Obwohl die Köpfe vor Anstrengung rot glühten: Beim Versuch, mit Feuersteinen und sprühenden Funken ein Büschel Heu anzuzünden, blieb das Feuerteam erfolglos. Ein Feuer zum Würtstchengrillen gab es aber trotzdem und entschädigte die Kinder für ihre Mühe.

Lagerstätte im Heu

Nach den jeweiligen Wünschen wurden dann unterschiedliche Schlafplätze vorbereitet: Die „Sternengucker“ bekamen eine Liege auf der Wiese, um ungestört Sterne und Sternschnuppen beobachten zu können. Die „Tiefschläfer“ bekamen eine Hängematte in einer abseits liegenden Ecke im Wald – mit dem Risiko, dass alle möglichen Waldtiere ihnen vielleicht die Nachtruhe nehmen. Andere Kinder richteten sich eine Lagerstätte im wohlrichenden Heu ein und versuchten dort zur Ruhe zu kommen.

Mit Gitarren- und Blockflötenklängen wurden rund ums Lagerfeuer Lieder gesungen und Geschichten erzählt – bis um 23 Uhr die Nachtruhe angesagt wurde. Der heiße Tag und die viele Arbeit hatten die Kinder so müde gemacht, dass die Nacht ruhig und ohne Zwischenfälle verlief. Die Sonne stand schon lange am Himmel, als die Mädchen und Jungen am Morgen aus allen Richtungen zusammenkamen, um von ihren Erlebnissen zu erzählen. Einige Mütter brachten Körbe voll mit Lebensmitteln für das Frühstück mit und die Stimmung stieg schnell wieder an.

Trotzdem waren noch einige weitere Aufgaben zu erfüllen. So schrieben alle Kinder einen Brief, in dem sie ihre persönlichen Eindrücke schilderten. Es folgte eine Bildershow mit Szenen aus dem Lagerleben, der Naturerforschung und den nächtlichen Ereignissen. Mit einem abschließenden Spiel, das den Zusammenhalt in der Klasse aufzeigte, ging die Wildnisnacht zu Ende.

Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen
Mehr Themen