Killertalbahn soll ganz elektrifiziert werden

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 Die Elektrifizierung von Bahnstrecken in der Region.
Die Elektrifizierung von Bahnstrecken in der Region. (Foto: Grafik: Matthias Wagner)
Schwäbische Zeitung
Redakteur Alb/Lauchert und Pfullendorf

Mit Nachdruck haben sich Gammertingens Bürgermeister Holger Jerg, Behördenvertreter und Politiker aus der Region in den vergangenen vier Monaten für die Elektrifizierung der Killertalbahn eingesetzt – und mit Erfolg. Wie das Landes-Verkehrsministerium am Mittwoch mitteilte, nimmt das Land die Strecke zwischen Gammertingen und Burladingen nachträglich in den vordringlichen Bedarf auf.

Im April hatte Landesverkehrsminister Winfried Hermann die Pläne für ein Schienen-Elektrifizierungskonzept vorgestellt. Dieses sieht vor, die Strecke der Zollern-Alb-Bahn zwischen Albstadt und Sigmaringen ebenso zu elektrifizieren wie den bereits geplanten Abschnitt zwischen Tübingen und Albstadt.

Die Strecke zwischen Stuttgart und Tübingen steht bereits unter Strom. Hermanns ursprünglicher Plan sah allerdings vor, die Bahnstrecke zwischen Hechingen und Gammertingen lediglich bis Burladingen zu elektrifizieren.

Diese Pläne gingen Holger Jerg nicht weit genug. Deshalb sprach er sich, mit Unterstützung von Behördenvertretern und Politikern aus der Region, für eine komplette Elektrifizierung der Bahnstrecke zwischen Hechingen und Gammertingen aus. Der Einsatz hat Wirkung gezeigt: Wie das Ministerium mitteilt, wird der Abschnitt neu in den vordringlichen Bedarf des Konzepts aufgenommen.

Das gleiche gilt für einen Streckenabschnitt zwischen Tuttlingen und Fridingen (Donautalbahn). „Die Verkehrssysteme des Ringzugs bei Villingen-Schwenningen und der Regionalstadtbahn Neckar-Alb im Raum Tübingen-Reutlingen-Zollernalb werden somit betrieblich sinnvoll abgerundet“, heißt es in der Mitteilung des Ministeriums. „Für alle weiteren Bahnlinien bleibt die bisherige Einteilung im Elektrifizierungskonzept bestehen.“

Winfried Hermann wertet die Rückmeldungen zu seinem Konzept als hohes Interesse an den Elektrifizierungsmaßnahmen in den Regionen. „Allerdings muss auch der Bund seinen ureigenen Verpflichtungen für die Bundesschienenwege nachkommen und das angekündigte Sonderprogramm zur Elektrifizierung zeitnah einführen, da das Land das Elektrifizierungskonzept nicht aus eigenen Finanzmitteln umsetzen kann“, sagt der Minister.

Auch die Grünen-Landtagsabgeordnete Andrea Bogner-Unden meldete sich am Mittwoch zu Wort. „Ich freue mich sehr, dass es uns gelungen ist, die Strecke zwischen Gammertingen und Burladingen in der vordringlichen Bedarf des Elektrifizierungskonzepts zu heben“, schreibt sie in einer Stellungnahme. „Dies bedeutet eine weitere Stärkung des Schienenverkehrs in unserem ländlichen Raum und sichert nicht zuletzt die Zukunft des Betriebsbahnhofs der Hohenzollerischen Landesbahn in Gammertingen mit 300 Mitarbeitern.“

Mit dem Elektrifizierungskonzept wurden bisher dieselbetriebene Streckenabschnitte in vier Kategorien eingeteilt. Diese umfassen Strecken mit Elektrifizierung im Bau oder Planung, Strecken im vordringlichen Bedarf beziehungsweise Lückenschlüsse, Strecken mit langfristigem Bedarf beziehungsweise fahrzeugseitigen Lösungen sowie Bahnstrecken ohne regelmäßigen Schienenpersonennahverkehr, für die keine Elektrifizierung vorgesehen ist. Mit dem Konzept zeigt das Ministerium auf, wie die Zugleistung im Schienenpersonennahverkehr von 74 Prozent in Zukunft vollständig elektrisch erbracht werden kann.

Im Anschluss an die öffentliche Vorstellung des Konzepts hatte das Verkehrsministerium den kommunalen Vertretern, Regionen und Verbänden die Möglichkeit gegeben, Stellungnahmen zum Elektrifizierungskonzept abzugeben. „Wir freuen uns über die zahlreichen positiven Rückmeldungen, die uns in unserem Vorgehen bestärken“, sagt Winfried Hermann.

Die Rückmeldungen aus der öffentlichen Anhörung haben inzwischen Einzug in sein Konzept gefunden – mit guten Nachrichten für Gammertingen, wo die Verantwortlichen nun ebenfalls auf das angekündigte Geld vom Bund hoffen dürften. „Nun kommt es darauf an, dass die Kabinettsbeschlüsse mit Finanzierungskonzepten und konkreten Planungen hinterlegt werden“, hatte Holger Jerg bereits im Mai mitgeteilt.

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