Kampf gegen Windpark eskaliert

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Seit es den Windmessmast im Kettenacker Wald nicht mehr gibt, sind die Windparkgegner noch mehr beunruhigt als bisher. Denn jetz
Seit es den Windmessmast im Kettenacker Wald nicht mehr gibt, sind die Windparkgegner noch mehr beunruhigt als bisher. Denn jetzt trifft die EnBW die Vorbereitungen für den Bau der Windräder. Das Bild entstand beim Abbau des Mastes. (Foto: Ignaz Stösser)
Redakteur Alb/Lauchert

Der Streit zwischen den Kettenacker Windparkgegnern und den Planern hat zwei neue Höhepunkte erreicht. In Kettenacker musste eine Firma Probebohrungen vorübergehend abbrechen, weil die Gegner die Polizei auf den Plan riefen. In der Gemeinderatssitzung am Dienstag wurde bekannt, dass der Verein für Mensch und Natur zwei weitere Bedenken eingereicht hat, die die Einrichtung der Konzentrationszone für die Windkraft weiter verzögern könnten.

Auf die Frage, was beim Protest der Kettenacker gegen die Bohrungen gelaufen sei, sagte einer der militantesten Gegner, Edi Biener: „Das war wieder so eine Aktion nach dem Motto hintenrum und dreckig.“ Er sei echt sauer über die Vorgehensweise der grüngeführten Regierung in Stuttgart. „Der Staat nimmt keine Rücksicht auf die Menschen“, so Biener.

Gerichtsverfahren wahrscheinlich

Was war geschehen? Die EnBW ließ Probebohrungen vornehmen, um den Untergrund für die Fundamente der geplanten Windkraftanlagen zu sondieren. Die Gegner erfuhren davon, und sechs Kettenacker machten sich auf in den Wald, wo zwei Arbeiter mit den Bohrungen beschäftigt waren. Die Kettenacker fragten auf Anraten ihres Anwalts nach der Genehmigung für die Bohrungen. „Die Leute waren nett und vernünftig, aber die Genehmigung wollten sie uns nicht zeigen“, erzählt Biener. Dann habe er die Polizei geholt. Bis diese kam, wurden die Bohrungen unterbrochen. Die Arbeiter zeigten jetzt die Genehmigung des Landratsamtes. Die Aktion wurde abgebrochen, die Bohrungen gingen weiter. Auf Anfrage der SZ bestätigte die Pressestelle des Polizeipräsidiums Konstanz den Vorfall.

Die Gegner sind der Ansicht, die EnBW hätte auch die Genehmigung des Regierungspräsidiums für die Bohrungen einholen müssen, ebenso eine weitere von der Wasserschutzbehörde. Biener hat erfahren, dass die Arbeiter auf einen Hohlraum gestoßen seien und dass die Bohrungen diese Woche fortgesetzt werden. „Das wird auf ein Gerichtsverfahren hinauslaufen“, prophezeiht der Kettenacker Windparkgegner.

„Irgendwann müssen wir zu Potte kommen“

Die Proteste im Wald sind nur eine Seite des Kampfes, den die Windparkgegner führen. In der Gemeinderatssitzung wurde eine andere sichtbar. Die Windparkgegner haben in den vergangenen Wochen zwei Stellungnahmen eingereicht, die das Genehmigungsverfahren des Flächennutzungsplane und der Konzentrationszone für die Windkraft um weitere Wochen oder Monate verzögern könnte. Dabei geht es um den Wasserschutz und weitere Rotmilanhorste.

Bürgermeister Holger Jerg möchte das Verfahren nun endlich zu einem Ende bringen und hat das Regierungspräsidium eingeschaltet, das die Stellungnahmen prüfen soll. Er hat Versprechungen, dass er eine Antwort bis zur nächsten Gemeindeverbandsversammlung (GVV) am 16. November erhalten wird. Dann wollte Jerg die Pläne vom GVV Laucherttal verabschieden lassen.

Das geht aber nur, wenn das Regierungspräsidium die beiden Stellungnahmen als hinfällig erachtet. Ist das nicht der Fall, muss das Verfahren nochmals eröffnet, und die Pläne müssen nochmals ausgelegt werden. Doch Jerg sagt: „Irgendwann müssen wir zu Potte kommen.“ Er schlug vor, den Empfehlungsbeschluss für die nächste GVV-Sitzung vorbehaltlich zu fällen.

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