Hausärzte kritisieren Impfbürokratie

Mit einer Dosis von Biontech wird Edith Fabian von Dr. Peter Wassel in Veringenstadt gegen das Coronavirus geimpft. Die medizini
Mit einer Dosis von Biontech wird Edith Fabian von Dr. Peter Wassel in Veringenstadt gegen das Coronavirus geimpft. Die medizinische Fachangestellte Angela Gaggiano steht mit dem Pflaster parat und überwacht die Patientin, ehe diese 20 Minuten später die Praxis verlassen darf. (Foto: Sabine Rösch)
Sabine Rösch

Die Hausärzte der Region haben am Mittwoch damit begonnen, den Biontech-Impfstoff gegen das Coronavirus zu impfen. Während Dr. Peter Wassel aus Veringenstadt voll des Lobes ob der guten Organisation durch die kassenärztliche Vereinigung ist, ist Dr. Norbert Kurz aus Gammertingen überhaupt nicht glücklich mit der Vorgehensweise. Im Haus- und Facharztzentrum Laucherttal/Alb wird an den Standorten Gammertingen und Winterlingen geimpft. In Hettingen geht es zu einem späteren Zeitpunkt los.

„Ich bin so dankbar und froh, dass ich zu den ersten Patienten gehöre, die beim Hausarzt geimpft werden“, sagt Edith Fabian aus Veringenstadt, sie hat den Termin sehnlichst erwartet. Da sie als Reinigungskraft in der Schule und in der Turn- und Festhalle arbeitet und somit viel Kontakt mit Menschen hat, hat Wassel sie auf seiner Prioritätenliste weit nach oben gesetzt. Seine Praxis hat bereits am Dienstag 30 Dosen des Impfstoffs erhalten, und zunächst sein Praxisteam geimpft, er selbst erhielt ebenfalls eine Impfung. „Es ist hervorragend organisiert von der kassenärztlichen Vereinigung und vom Hersteller Pfizer, da habe ich schon ganz andere Sachen erlebt“, so der Arzt.

Im Vorfeld habe man fundierte und stichhaltige Auskünfte erhalten und mit der Lieferung eines sehr guten Start-up-Paketes habe man sofort mit Impfen beginnen können. Die Einhaltung der Impfreihenfolge durch die Impfverordnung legt Wassel nach sorgfältiger Abwägung der persönlichen Bedürfnisse seiner Patienten fest. Er schaut dabei nicht nur auf das Alter.

Unaufgeregt und souverän agiert auch das Team von der Veringer Praxis, die nervösen Patienten werden beruhigt und auf die Impfung vorbereitet. „Ich bin ganz begeistert. Es klappt wie am Schnürchen“, so der Allgemeinmediziner. Die Impfziffern sind festgelegt, der ICD-Wert, die statistische Klassifikation, ist festgelegt, die Meldung an das Robert-Koch-Institut klappt, sogar die Terminkarte für die zweite Impfung ist mitgeliefert. Lediglich die Papierberge pro Patient, die sechs Seiten umfassen, bemängelt Wassel. Dies ist ein Punkt, den der Gammertinger Arzt Norbert Kurz ebenfalls stark kritisiert. Zudem habe er am Vorabend nach 19 Uhr insgesamt 18 Dosen von einer höheren gewünschten Menge erhalten, ohne zu wissen, welchen Impfstoff er bekomme.

Er macht es aus reiner Verbundenheit und einem Serviceangebot seinen Patienten gegenüber, denn der Aufwand sei enorm. Auch die Zurückweisung und Vertröstung von Patienten, die keine Impfung bekommen können, sei keine schöne Aufgabe, erklärt seine Frau. Kurz kritisiert stark, dass in den Impfzentren pro getätigter Impfung 200 Euro pro Patient abgerechnet werden, die Hausarztpraxis dagegen erhalte lediglich 20 Euro. „Das ist ein Ärgernis im Quadrat“, beschwert sich der Arzt. Trotzdem würde er gerne mehr impfen, genauso wie Wassel, denn es ist ein Service für die Patienten.

Wassel prognostiziert, dass 1000 Impfungen pro Woche möglich seien, insofern genügend Impfstoff zur Verfügung gestellt werden. „An den Hausärzten liegt es bestimmt nicht“, so Wassel. Im Haus- und Facharztzentrum Laucherttal von Johannes Bader ist der Impfstart ebenfalls problemlos und erfolgreich gestartet. In Bälde soll an auch im Ärztehaus in Hettingen geimpft werden.

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