Gymnasiastin belegt beim Schreibwettbewerb den zweiten Platz

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Madita Schmelz (rechts) vom Gymnasium Gammertingen belegt den zweiten Preis in der Altersgruppe von der 10. bis zur 13. Klasse.
Madita Schmelz (rechts) vom Gymnasium Gammertingen belegt den zweiten Preis in der Altersgruppe von der 10. bis zur 13. Klasse. Anja Sandler wird Zweite in der Gruppe von der 7. bis zur 9. Klasse und Paul Busch belegt den ersten Platz in der Altersgruppe von der 10. bis zur 13. Klasse. (Foto: privat)
Schwäbische Zeitung

Madita Schmelz, Schülerin am Gammertinger Gymnasium, hat beim Schreibwettbewerb der Neuen Fruchtbringenden Gesellschaft den zweiten Platz belegt. Dieser Erfolg gelang der Jugendlichen aus Meidelstetten mit ihrem Poetry-Slam-Text „Scherbenhaufen“.

In diesem Text hat sich die Schülerin der Kursstufe 1 während des Lockdowns im Frühjahr – noch als Zehntklässlerin – mit der Macht der Worte beschäftigt. Bestärkt durch ihren Deutschlehrer Benjamin Herrmann verfasste sie den Beitrag für den Schreibwettbewerb der „Neuen Fruchtbringenden Gesellschaft“. Dabei landete Madita Schmelz auf dem zweiten Platz.

Die Neue Fruchtbringende Gesellschaft steht in der Nachfolge des ältesten deutschen Sprachvereins, der ein Bewusstsein für den Wert der deutschen Sprache und ihre Ausdrucksfähigkeit schaffen möchte. Sie soll als Amts-, Kultur-, Landes- und Wissenschaftssprache erhalten bleiben, gepflegt, geschützt und weiterentwickelt werden. Die Gesellschaft will das Bewusstsein für die Ausdrucksfähigkeit des Deutschen schärfen und insbesondere bei jungen Menschen ansetzen – unter anderem mit einem Schreibwettbewerb für Schüler.

Dass Madita Schmelz am Gymnasium als Streitschlichterin tätig ist, spiegelt sich auch in ihrem Text wider. Darin geht es um Toleranz, Verständnis und klärende Kommunikation. In der Altersstufe von der 10. bis zur 13. Klasse belegte die Jugendliche den zweiten Platz. Damit behauptete sie sich erfolgreich gegen Konkurrenz aus dem In- und Ausland. Ihr Text sei „wunderbar gereimt und klar strukturiert“, so die Jury.

Am Tag der deutschen Sprache, dem 12. September, nahm Madita Schmelz in Sachsen-Anhalt, dem Sitz der Gesellschaft, die Ehrungen für ihren Textbeitrag entgegen. Die Jury urteilte über den Text, indem sie Teile davon zitierte: „Wir sind dankbar dafür, dass Maditas Worte ,oft nach draußen schlüpfen, um in den Gedanken und Herzen anderer auf und ab zu hüpfen.’“

Madita Schmelz’ Text im Wortlaut:

Es gibt so einige Tage, an denen ich mich selbst frage,

ob es wirklich das ist, was ich ausdrücken will, wenn ich etwas sage.

Schachtelsätze, die ich zusammenbaue, um niemanden zu verletzen,

und vermutlich doch irgendwem nen Schlag in die Magengrube versetzen.

An solchen Tagen wird mir klar, wie schwer es ist mit Wörtern richtig umzugehen,

damit die liebevollen bleiben und die wenigen schlechten wieder vergehen.

Mir wird klar, dass Wörter Macht haben und somit jeder, der damit Tag für Tag umgeht.

Eine Macht, deren sich die meisten gar nicht bewusst sind.

Darum spiele ich damit wie ein unschuldiges Kind,

das die teure Vase mit sich reißt - bum, krach, klirr.

Und da sitze ich dann vorm Scherbenhaufen auf dem Küchenboden.

Verzweifelt, beschämt und erschrocken,

weil ich das doch gar nicht wollte,

auch wenn Mama immer sagt, dass man nicht in der Küche spielen sollte.

Es gibt so einige Tage, an denen ich mich selbst frage,

wie so manche Wörter in meinem Wortschatz gelandet sind, den ich mit Stolz trage.

Dort ihr schönstes Leben verbringen, weil sie so oft nach draußen schlüpfen,

um in den Gedanken und Herzen anderer auf und ab zu hüpfen.

An solchen Tagen wird mir klar, wie unkontrolliert doch mein eigener Sprachgebrauch ist,

ist er ein Sturm von Emotionen oder Wörter nur dahin gehaucht, die man leicht vergisst?

Mir wird klar, dass Wörter Macht haben und somit jeder, der damit Tag für Tag umgeht.

Eine Macht, die leicht missbraucht werden kann.

Verkaufte und vertuschte Lügen hinter lieblichem Klang,

der einen still und heimlich mit sich reißt - bum, krach, klirr.

Und da sitze ich dann vorm Scherbenhaufen gebrochener Versprechen.

Verzweifelt, beschämt und verletzt,

weil ich das doch gar nicht erwartet habe,

auch wenn Mama immer sagt, ich soll überlegen, was ich zu anderen sage.

Es gibt so einige Tage, an denen ich mich selbst frage,

warum nur das Verletzende bleibt, das ich manchmal und nicht selten genug sage.

Sätze, die mir im Lauf der Dinge über die bebenden Lippen springen,

und ihr Leben von nun an im Gedächtnis meines Gegenübers verbringen.

An solchen Tagen wird mir klar, wie verletzend und zeichnend die eigene Wortwahl ist,

ohne Absicht werden Wörter zur scharfen Klinge und noch härter als Stahl.

Mir wird klar, dass Wörter Macht haben und somit jeder, der damit Tag für Tag umgeht.

Eine Macht, die richtig eingesetzt werden muss.

Ein sanfter und lieb gemeinter Wangenkuss,

der niemanden verletzt wie bum, krach, klirr.

Und da sitze ich dann vorm Spiegel auf meinem Zimmerboden.

Nachdenklich, froh und voller Zuversicht,

weil ich nun meinen Wortschatz mit Freundlichkeit nähre,

und langsam die letzten Scherben der Vergangenheit zusammenkehre.

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