„Gleiches Recht für alle“ tritt mit lückenloser Liste an

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 Mit diesen 15 Kandidaten tritt die Liste „Gleiches Recht für alle“ bei der Wahl zum Gammertinger Gemeinderat am 26. Mai an.
Mit diesen 15 Kandidaten tritt die Liste „Gleiches Recht für alle“ bei der Wahl zum Gammertinger Gemeinderat am 26. Mai an. (Foto: Sebastian Korinth)
Redakteur Alb/Lauchert und Pfullendorf

Bei der Kommunalwahl am 26. Mai wird es in Gammertingen erstmals eine vollständige „Gleiches Recht für alle“-Liste für die Kernstadt und sämtliche Ortsteile geben. Bei einer Nominierungsversammlung am Montagabend stellten sich die Kandidaten vor, die bei der Wahl zum Gemeinderat ins Rennen gehen. „Mit dieser Liste können wir uns durchaus sehen lassen“, sagte der Fraktionsvorsitzende Wolfgang Lieb. „Wir sind gespannt, wie die Gammertinger abstimmen.“

Lieb berichtete aber auch, dass es schwierig war, genug Männer und Frauen zu einer Kandidatur zu bewegen – vor allem in den Ortsteilen. So tritt „Gleiches Recht für alle“ zum ersten Mal überhaupt mit einer Kandidatin in Mariaberg an: Die 60-jährige Heilpädagogin Regina Haschke arbeitet dort im Sonderpädagogischen Bildungs- und Beratungszentrum. „Mir ist es wichtig, dass in der Lokalpolitik auch der soziale Blickwinkel nicht zu kurz kommt“, sagt sie. „Neue Kandidaten bringen auch neuen Input mit.“ Sie selbst habe in ihrem Leben viel erlebt – da traue sie sich auch die Gemeinderatsarbeit zu. „Jedem die gleiche Chance zu geben, das will ich mit Leben füllen“, sagt Haschke.

Der Jüngste ist 28 Jahre alt

René Bogenschütz ist mit seinen 28 Jahren der jüngste der 15 Kandidaten. „Ich möchte frischen Wind in den Gemeinderat bringen und wichtige Entscheidungen mit gestalten können“, sagt er. Schon bei der letzten Kommunalwahl vor fünf Jahren habe er über eine Kandidatur nachgedacht. „Aber damals habe ich mich dafür noch zu jung gefühlt.“ Interesse für die Kommunalpolitik habe er vor allem über den Kontakt zu seinem Bekannten Stephan Binsch entwickelt. Dieser sitzt zurzeit noch für die Fraktion „SPD/Unabhängige Bürger“ im Gemeinderat, tritt am 26. Mai aber ebenfalls für „Gleiches Recht für alle“ an.

Themen, die René Bogenschütz bewegen, sind beispielsweise die geplante Stadt- und Kulturhalle, Schulen und Kindergärten, aber auch das Wohnen im Alter. „Bei den Möglichkeiten für Jugendliche in der Stadt ließen sich mit Sicherheit neue Impulse setzen“, sagt der 28-Jährige. „Generell finde ich: Viele motzen nur, kümmern sich aber nicht aktiv darum, dass sich etwas ändert.“

Das ist es auch, was den Gammertinger Markus Wolf zu einer Kandidatur bewogen hat. „Zweimal ist Wolfgang Lieb schon auf mich zugekommen, zweimal habe ich ihm abgesagt. Jetzt war für mich der richtige Zeitpunkt, selbst zu kandidieren“, sagt der 38-Jährige. „Es geht darum, nicht nur zu schimpfen, sondern bestimmte Abläufe zu verstehen und seinen eigenen Teil beizutragen.“ Für die Liste „Gleiches Recht für alle“ habe er sich entschieden, weil diese parteiunabhängig sei. „Außerdem fühle ich mich als Stuckateur auf der Liste richtig aufgehoben.“

Ungewöhnliche Einblicke

Von den sechs amtierenden „Gleiches Recht für alle“-Gemeinderäten treten fünf erneut an – lediglich Rainer Oßwald hört auf. Die meiste Erfahrung bringt Wolfgang Lieb mit, der dem Gremium seit 1989 angehört. Zehn Jahre später stieß Metzgermeister Karl Bögle hinzu. „Ich habe schon überlegen müssen, ob ich nach 20 Jahren im Gemeinderat noch einmal kandidiere“, sagt er. Mit der Zeit schleiche sich eine gewisse Routine ein, hinzu kämen private und berufliche Verpflichtungen. „Als Kleinunternehmer ist man zum Beispiel durch stetig steigende Auflagen gefordert“, sagt der 50-Jährige. Am Ende entschied sich Bögle aber doch für eine Kandidatur. „Die Arbeit im Gemeinderat ist eben auch interessant und man bekommt Einblicke, die man sonst nicht bekommt.“

Nachdem die Kandidaten jetzt feststehen, wollen diese die wichtigsten Themen ausarbeiten und Ziele formulieren. Eine grobe Richtung gab Wolfgang Lieb am Montagabend schon einmal vor. Neben dem Wohnen im Alter sprach er beispielsweise die weitere Planung der Stadthalle an. Ein anderes wichtiges Thema sei der Breitband-Ausbau. „Schnelles Internet ist inzwischen ein ähnlich entscheidender Standortfaktor wie eine gute Verkehrsanbindung“, sagte Lieb. In jedem Fall habe der nächste Gemeinderat viele interessante Entscheidungen zu treffen.

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