Gammertinger warten weiter auf Postfiliale

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Können sie ihre Pakete nicht selbst in Empfang nehmen, müssen die Gammertinger weiterhin nach Trochtelfingen fahren.
Können sie ihre Pakete nicht selbst in Empfang nehmen, müssen die Gammertinger weiterhin nach Trochtelfingen fahren. (Foto: Daniel Bockwoldt/dpa)
Redakteur Alb/Lauchert und Pfullendorf

Gut fünf Wochen nach der Schließung ihrer Partnerfiliale in Gammertingen ist es der Deutschen Post noch immer nicht gelungen, den Betrieb selbst zu übernehmen – dabei hat sie sich dazu in einer entsprechenden Verordnung verpflichtet. Wie das Unternehmen mitteilt, will es in der Stadt „so bald wie möglich“ Postdienstleistungen mit eigenem Personal anbieten. Bis es so weit ist, müssen die Gammertinger aber weiterhin auf die Filialen in der Region ausweichen.

Die Betreiberin der bisherigen Postfiliale an der Hechinger Straße hatte den Vertrag mit der Post sechs Monate vor der Schließung zum Jahresende gekündigt. Dennoch gelang es dem Unternehmen nicht, eine direkte Übergangslösung zu finden. „Nachdem die bisherige Partnerin den Vertrag gekündigt hat, ist es uns leider bis jetzt nicht gelungen, eines der ortsansässigen Geschäfte als neuen Betreiber einer Partnerfiliale zu gewinnen“, teilt Post-Sprecher Hugo Gimber auf Anfrage der „Schwäbischen Zeitung“ mit. „Deshalb haben wir uns für die Einrichtung einer Interimsfiliale entschieden, um die Versorgung mit Postdienstleistungen in Gammertingen weiterhin sicherzustellen.“

Erfolgversprechendes Gespräch

Doch diese Interimsfiliale lässt weiter auf sich warten. So hat die Post noch keinen konkreten Eröffnungstermin im Auge. Auch über die Öffnungszeiten und die Anzahl der Mitarbeiter kann das Unternehmen noch keine Auskunft geben. In einem Gespräch am Dienstag über die Anmietung der bisherigen Räume sei sie der Eröffnung einer eigenen Filiale jedoch ein großes Stück näher gekommen, teilt Hugo Gimber mit. „Wir rechnen mit einem Vertragsabschluss in den nächsten Tagen.“

So sind die Gammertinger dazu gezwungen, sich weiterhin auf den Weg zu Postfilialen in der Umgebung zu machen. Briefe und Pakete können sie etwa in Veringenstadt, Neufra oder Winterlingen aufgeben. Um ihre Pakete abzuholen, werden sie zurzeit ins zehn Kilometer entfernte Trochtelfingen geschickt. Die Gammertinger Geschäftsleute zum Beispiel sind darüber alles andere als erfreut. „Einzelhändler befürchten, dass die Postkunden dann auch gleich in Trochtelfingen einkaufen gehen“, sagte Kettenackers Ortsvorsteher Matthias Gulde in der jüngsten Gemeinderatssitzung. Dem schloss sich auch CDU-Gemeinderat Karl-Heinz Hebeisen an.

Doch selbst der Bundesnetzagentur als Aufsichtsbehörde sind weitgehend die Hände gebunden. „Der geltende Rechtsrahmen gibt der Bundesnetzagentur leider kein Instrument an die Hand, in einem solchen Fall kurzfristig für Abhilfe zu sorgen“, teilt die Behörde mit. Sie verweist darauf, dass es lediglich eine freiwillige Selbstverpflichtung der Post gebe. „Es gibt in Deutschland keinen Postdienstleister, der zur Erbringung des Post-Universaldienstes verpflichtet ist.“ Das gesetzliche Verfahren zur Beseitigung von Defiziten sei komplex und stelle kein geeignetes Mittel dar, einer vorübergehenden Unterversorgung adäquat zu begegnen. „Die Bundesnetzagentur wird die Situation in Gammertingen jedoch aufmerksam verfolgen und auf die zeitnahe Eröffnung zumindest einer Interimsfiliale drängen.“

Keine Hoffnung auf Packstation

Auf die bislang 76 Postfächer, von denen knapp die Hälfte genutzt wurde, müssten die Gammertinger aber auch dann verzichten. Die Postfachanlage würde das Unternehmen erst wieder mit der Eröffnung einer neuen Partnerfiliale in Betrieb nehmen. Auch der Aufstellung einer Packstation erteilt die Post eine Absage. „Eine Packstation kann nicht einfach wie ein Anhänger abgestellt und betrieben werden“, teilt Post-Sprecher Hugo Gimber mit. Nötig seien eine behördliche Genehmigung, ein Fundament sowie ein Telekommunikations- und Stromanschluss.

Grundsätzlich will die Post den Betrieb einer Filiale in Gammertingen wieder an einen Kooperationspartner abgeben. Mit eigenem Personal betriebene Filialen seien keine ideale Lösung, schreibt Hugo Gimber in seiner Stellungnahme. „Sie können meist nicht wirtschaftlich betrieben werden und können auch nicht die Öffnungszeiten und Dienstleistungen bieten, die eine von einem Einzelhändler in seinem Geschäft betriebene Filiale bieten kann.“

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