Gemeinsam wird in Gammertingen gelesen und gespielt. Was der Betrieb eines Familienzentrums im Guten wie im Schlechten mit sich
Gemeinsam wird in Gammertingen gelesen und gespielt. Was der Betrieb eines Familienzentrums im Guten wie im Schlechten mit sich bringt, berichtet die Leiterin Christine Manz. (Foto: Archiv Ignaz Stösser)

Der Betrieb eines Familienzentrums bedeutet für die Verantwortlichen ein Mehr an Arbeit, Engagement, Energie und Flexibilität – dies zahlt sich aber aus. Darin sind sich Christine Manz, Leiterin des Gammertinger Familienzentrums und Theresia Michelberger, Leiterin des Pfullendorfer Familienzentrums „Am Neidling“, einig. Beide haben am Montag den Kreisräten im Jugendhilfeausschuss die Vorzüge ihrer Einrichtung im Gegensatz zu einem Regelkindergarten vorgestellt.

Kreisrätin Erika Rimmele-Laux (Grüne) hatte in der Vergangenheit angeregt, die beiden kommunalen Familienzentren im Kreis mögen sich und ihr Konzept dem Gremium vorstellen. Dem kamen die Pädagoginnen nun nach.

Ein Familienzentrum bedeute in erster Linie Netzwerkarbeit – Eltern stünden in engem Kontakt und Austausch zu den Erzieherinnen und Erziehern. Im Gegensatz zu einem herkömmlichen Kindergarten gibt es in Familienzentren Bildungs-, Beratungs- und Begegnungs-Angebote für die ganze Familie auch im Hinblick auf Chancengleichheit – so bietet das Gammertinger Familienzentrum beispielsweise Sprachkurse für Eltern nicht-deutscher Herkunft an, oder Nachhilfeunterricht für Geschwisterkinder, die in der Schule Sprachprobleme hätten.

Eine Spielebörse und eine Kleiderkammer, wo Kinderkleidung und Zubehör getauscht werden können, gehören ebenso zum Gammertinger Familienzentrum wie die Möglichkeit, dass Eltern mit Kindern zusammen essen können oder flexibel Betreuungsstunden dazubuchen können. Eine Krabbelgruppe und bald auch eine Hebammen-Sprechstunde runden das Angebot ab.

Das Kindergarten-Personal unterstützt Familien sogar bei Behördengängen und Arztbesuchen und ist „nach der eigenen Familie der erste Ansprechpartner“, so Manz. Durch die Vertrauensarbeit entstünde ein inniges Verhältnis zwischen Eltern und Personal – eine „Erziehungspartnerschaft“, berichtet Michelberger.

„Wir kriegen wahnsinnig viel zurück“, sagt auch die Leiterin des Gammertinger Familienzentrums, Manz, das Kinder mit Wurzeln aus 21 Nationen betreut und daher auch besonders Wert auf die sprachliche Entwicklung der Kinder legt. Das Gammertinger Familienzentrum verfüge darüber hinaus nun über eine Eltern-App, die die Kommunikation vereinfachen soll.

So toll die Vorzüge auch klingen mögen: Für die Verantwortlichen ist das Angebot mit erheblich mehr Arbeit verbunden. „Bei mir haben auch schon Erzieherinnen gekündigt, obwohl es ihnen bei uns gefallen hat, weil sie sagten, für das gleiche Geld muss ich woanders weniger arbeiten“, berichtete Manz. Zudem erzählte sie auch von Schwierigkeiten, beispielsweise sei jeder Raum doppelt und dreifach belegt, Stundenpläne würden die Raumnutzung regeln. Zudem äußerte sie den Wunsch, dass die Logopädin, die am Familienzentrum arbeite, sich auch im Gebäude niederlassen könnte, was aufgrund der rechtlichen Bestimmungen nicht möglich sei. Auch der Ruf nach weiteren Beratungsstellen im Haus wurde laut.

Dennoch würden für sie die Vorzüge überwiegen. „Man wird nicht von heute auf morgen vom Kindergarten zum Familienzentrum“, sagte sie, in diese Rolle müsse die Einrichtung hineinwachsen. So müsse sich auch der Personalschlüssel erhöhen.

Von den 97 Kindertageseinrichtungen im Kreis gibt es bislang nur zwei Familienzentren, die vom Land mit 24 000 Euro auf vier Jahre anschubfinanziert werden. Ein weiteres soll in Pfullendorf entstehen „Ich würde mich freuen, wenn sich mehr Kindergärten im Kreis zum Familienzentrum entwickeln würden“, so Kreisrätin Rimmele-Laux.

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