Fürstenhaus verkauft goldenen Helm

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Eine Replik des goldenen Helms von Gammertingen hängt vor der ehemaligen Gaststätte mit dem gleichen Namen beim Gammertinger Al
Eine Replik des goldenen Helms von Gammertingen hängt vor der ehemaligen Gaststätte mit dem gleichen Namen beim Gammertinger Al (Foto: Archiv, Stösser)
Schwäbische Zeitung
Ignaz Stösser
Redakteur Alb/Lauchert

Der Goldene Helm von Gammertingen hat einen neuen Besitzer. Das Fürstenhaus Hohenzollern Sigmaringen hat den wertvollen alamannischen Gräberfund und weitere Grabbeigaben an das Landesmuseum Württemberg verkauft. Ab dem 2. Oktober werden die Grabbeigaben aus der Zeit um 570 nach Christus im Stuttgarter Alten Schloss zu sehen sein.

Im Sigmaringer Schloss habe man nicht mehr die Möglichkeit gehabt, die wertvollen Funde entsprechend auszustellen, sagt Anette Hähnel, die Leiterin der fürstlichen Bibliothek. Seit mehreren Jahren sei die frühgeschichtliche Sammlung nicht mehr zugänglich, darum habe sich das Fürstenhaus entschieden, die Stücke aus Gammertingen an das Landesmuseum zu verkaufen, wo sie nun der Öffentlichkeit entsprechend präsentiert werden können.

Der Schatz aus Gammertingen besteht hauptsächlich aus einem vergoldeten byzantinischen Spangenhelm und einem vollständig erhaltenen Kettenhemd. Laut Klaus Georg Kokkotidis ist es das einzige Kettenhemd in Mitteleuropa, das so gut erhalten ist. Kokkotidis ist Referatsleiter des frühen und hohen Mittelalters im Landesmuseum. In der zwei Meter breiten und vier Meter langen Grabkammer ist den wertvollen Grabbeigaben zufolge eine hochrangige Person bestattet worden, möglicherweise ein alamannischer Fürst. Weitere Grabbeigaben waren ein Schildbuckel, ein Schwert, ein einschneidiges Hiebschwert, eine Axt, eine Wurflanze, eine Lanze mit aufwändig verziertem Blatt sowie ein Köcher mit Pfeilen und weitere Gerätschaften. Das Kettenhemd ist 98 Zentimeter lang und 63 Zentimeter breit und damit auch das größte erhaltene in Deutschland. Allein die Gürtelschnalle des Mannes besteht aus 25 Gramm Gold, was wertmäßig laut damaligem Gesetz für den Diebstahl eines Pferdes entrichtet werden musste.

In der Nähe dieses Grabes, das im Bereich der Kirche St. Leodegar zu Beginn des vergangenen Jahrhunderts entdeckt wurde, fand der Archäologe Johannes Dorn auch das Grab eines acht- bis zehnjährigen Mädchens und einer Frau, die beide ebenfalls im sechsten Jahrhundert starben. Insgesamt besteht das Gammertinger Gräberfeld aus dem frühen Mittelalter aus 300 bis 350 Bestattungen. Sie gehen auf die Zeit zwischen Mitte des 5. Jahrhunderts bis zum Beginn des 8. Jahrhunderts zurück. Die Archäologen nehmen an, dass das Gräberfeld vollständig ausgewertet worden ist.

1500 Goldmark

Der Archäologe Dorn hat die Fundstücke im Jahr 1902 an Leopold Fürst von Hohenzollern für 1500 Goldmark verkauft. Das sei ein namhafter Betrag gewesen, erläutert Klaus Georg Kokkotidis, und hätte etwa dem entsprochen, was ein Museumsdirektor pro Jahr verdient habe. Über die heutige Kaufsumme haben Fürstenhaus und Landesmuseum Stillschweigen vereinbart. Ausgrabungen waren zu Beginn des vergangenen Jahrhunderts noch nicht so geregelt, wie das heutzutage im Denkmalschutzgesetz der Fall ist. Johannes Dorn hat die Ausgrabungen auf eigene Kosten betrieben und den Fund an das Fürstenhaus verkauft, obwohl Gammertingen zu jener Zeit im Besitz des Fürstenhauses war. Heute gehören laut Gesetz alle neuen historischen Funde dem Land Baden-Württemberg.

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