Experte bestätigt: Es ist der Rotmilan

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Von ihm hängt es ab, ob bei Kettenacker eine Konzentrationszone für Windkraft eingerichtet werden kann. Baut der Rotmilan im Frü (Foto: Archiv)
Schwäbische Zeitung
Ignaz Stösser
Redakteur Alb/Lauchert

Die Zerstörung der Rotmilanhorste im Wald südlich von Kettenacker sorgt für viel Gesprächsstoff in der Bevölkerung aber auch für einigen Wirbel hinter den Kulissen. Inzwischen hat die Kripo den Fall übernommen und ermittelt vorerst gegen Unbekannt. Gestern gab es gemeinsam mit einem Experten vom Vogelschutzzentrum in Mössingen einen Vor-Ort-Termin. Vertreter der Kettenacker Bürgerinitiative waren ebenfalls dabei. Sie hatten Anfang Dezember mehrere Horste des geschützten Raubvogels in der geplanten Konzentrationszone für Windkraft südlich von Kettenacker entdeckt und kurze Zeit später festgestellt, dass zwei Nester zerstört waren. Das ist ein Verstoß gegen das Umweltgesetz.

„Für uns war der Termin gut“, sagte ein Vertreter der Initiative gegenüber der SZ über den Besuch des Experten. „Er hat eindeutig bestätigt, dass das verschwundene Nest ein Rotmilannest war.“ Zwar konnte der Fachmann das eigentliche Nest nicht begutachten, weil es nicht mehr da ist, aber das Foto, der Standort des Baumes und die Einflugschneise zum Baum würden auf den Rotmilan hinweisen. Auf dem Boden unter dem Baum wurde auch ein Ei gefunden, das von diesem Vogel stammen könnte. Es soll nun genauer untersucht werden.

Der Sprecher des Landratsamtes Karlheinz Fahlbusch ist da etwas vorsichtiger, bestätigt aber im Prinzip die Aussage des Vertreters der Kettenacker Initiative: „Es könnte sich um einen Milanhorst handeln“, sagte er. Die Initiative hatte das Landratsamt als untere Naturschutzbehörde Anfang Dezember auf die Entdeckungen im Wald bei Kettenacker hingewiesen. Ebenso wurde das Regierungspräsidium in Kenntnis gesetzt. Das Landratsamt leitete die Unterlagen an die Stadt Gammertingen weiter, da sie rechtlich dafür zuständig ist.

Nun stellt sich die Frage, wie will die Stadt damit umgehen. Für Bürgermeister Holger Jerg ist die Sache einfach: „Das Büro Blaser hat die Aufgabe erhalten, in diesem Bereich nochmal zu recherchieren.“ Man sei ja in der Anhörungsphase, da könne sich noch manches ändern. Wenn solche Dinge gemeldet würden, könne man ihnen nachgehen. Und für Jerg ist klar: „Wenn sich herausstellen sollte, dass der Rotmilan da brütet, dann ist die Konzentrationszone eben weg. Wir wollen nicht mit dem Kopf durch die Wand.“ Allerdings müsse eindeutig nachgewiesen sein, dass es sich um ein aktives Nest handelt.

Der gestern untersuchte Baum liegt etwa in der Mitte der vorgesehenen Konzentrationszone. Wenn der Greifvogel im Frühjahr hier wieder sein Nest bauen sollte, könnte die gesamte Windkraft-Zone nicht ausgewiesen werden. Das Gesetz sieht nämlich vor, dass 1000 Meter rund um das Nest kein Windrad stehen darf. Die wenigen Randgebiete, die noch übrig blieben, wären als Konzentrationszone zu klein.

Kettenacker ist eine der vier vorgesehen Konzentrationszonen im Verwaltungsverband Laucherttal, dem neben Gammertingen auch Neufra, Hettingen und Veringenstadt angehören. Solange die Zonen noch nicht genehmigt sind, prüft das Landratsamt mit Beginn dieses Jahres jede Bauvoranfrage einzeln. Für die geplante Konzentrationszone südlich von Kettenacker gibt es laut Bürgermeister Jerg derzeit keine Anfrage. Käme aber eine, so müssten auch hier früher oder später die Naturschutzbehörde gehört werden, erklärt Pressesprecher Fahlbusch. Dann käme die Milan-Problematik auch hier auf den Tisch. Sowohl für die Gegner als auch für die potenziellen Investoren hängt viel davon ab, ob der Rotmilan sich im Frühjahr hier blicken lässt.

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