Evakuierung der Bewohner ist für die Wehr eine besondere Herausforderung

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Die Zielgruppe ist es, die den Einsatz an der Burghaldenstraße in Mariaberg zu einer Herausforderung macht.
Die Zielgruppe ist es, die den Einsatz an der Burghaldenstraße in Mariaberg zu einer Herausforderung macht. (Foto: Mariaberg)
Schwäbische Zeitung

Ausnahmezustand in der Wohngruppe für Menschen mit schwerer geistiger und körperlicher Behinderung im Gammertinger Ortsteil Mariaberg: Das Treppenhaus qualmt, die Feuerwehr wird alarmiert. Grund ist ein Brand, Menschen sind in Gefahr. Allerdings ist es nur Discorauch, der aus dem Gebäude dringt, von der Feuerwehr selbst gelegt. Unter Realbedingungen geht es darum, sich für den Ernstfall zu rüsten, Abläufe zu kontrollieren und die Zusammenarbeit der Rettungskräfte zu koordinieren.

Rund 45 Einsatzkräfte der Mariaberger Werkfeuerwehr und Rettungsgruppe, der Abteilung Bronnen der Freiwilligen Feuerwehr Gammertingen sowie der Ortsgruppe Gammertingen im Deutschen Roten Kreuz (DRK) sind mit von der Partie. Neben der Brandbekämpfung stellt sich besonders die Evakuierung und Betreuung der Klienten als potenziell schwierig dar, da Menschen mit geistiger und auch teils körperlicher Einschränkung in Sicherheit gebracht werden müssen.

Zunächst rückt das Auto der Einsatzleitung an, um die Lage einzuschätzen. Einsatzleiter Johannes Czerny von der Werkfeuerwehr bestimmt die Fahrzeugaufstellung, um Fluchtwege nicht unnötig zu blockieren. Zehn Minuten nach Rauchlegung ist das Löschfahrzeug der Mariaberger vor Ort, fünf Minuten später stoßen die Gammertinger hinzu. Eine Leitungszentrale und ein Sammelpunkt für mögliche Verletzte werden eingerichtet, Rettungssanitäter empfangen die Evakuierten.

Das „Feuer“ brennt nur im Flur und ist schnell gelöscht, zur Übung wurden die 16 Bewohner mit ihren Betreuern dennoch evakuiert. Nach etwa einer Stunde kann das Haus wieder bezogen werden. Werkfeuerwehr-Kommandantin Magdalena Störkle-Sauer, die die Übung geplant hatte, ist zufrieden.

Rüdiger Böhm, Vorstand des sozialen Dienstleistungsunternehmens Mariaberg, legt für das gemeinsame Vesper der Rettungskräfte nach vollbrachter Arbeit den Feuerwehrhelm ab und dankte den Anwesenden. „Die Zielgruppe macht den Einsatz sehr schwierig“, sagt er. „Wir haben es mit Persönlichkeiten zu tun, die schon an guten Tagen unberechenbar sein können.“ Es sei beeindruckend, wie die Mitarbeitenden im Haus mit ihren Klienten umgegangen sind. Neben der Beruhigung und Betreuung haben sie sogar daran gedacht, den Türspalt mit Tüchern abzudichten, damit der Rauch nicht eindringen kann.

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