Ein blutdürstiger Wolf sorgt 1830 und 1831 für Aufregung

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Die Tafel am Abschussort an der Wolfseiche in Hettingen.
Die Tafel am Abschussort an der Wolfseiche in Hettingen. (Foto: Gabriele Loges)
Schwäbische Zeitung
Gabriele Loges

In der Ausstellung „Hohenzollern-Spuren“ ist zurzeit der nachweislich letzte Wolf von Hohenzollern zu sehen. Ausgestopft wartet er im Museum im Alten Oberamt auf die Besucher. Ende November kehrt er wieder ins Schloss Sigmaringen zurück.

Wölfe sind wieder im Kommen – im doppelten Wortsinn. Heute haben Wölfe ihren Schrecken verloren, vor 200 Jahren jedoch stellten sie eine Gefahr dar. Seit dem Winter 1829/30 war ein Wolf jagend in der Gegend um Gammertingen unterwegs: „Am 3. Juli 1830 brach das blutdürstige Tier in den Pferch bei Kettenacker ein und zerriss ein Schaf, am 26. Juli holte es aus den Pferchen bei Harthausen und Feldhausen je ein Schaf“ (aus: Um Gamerdenga rum, 1920).

Vom Frühjahr 1830 an jagte er in Württemberg und Hohenzollern. 50 Gulden Belohnung wurden auf ihn ausgesetzt. Er habe, so wird berichtet, zuletzt am 13. Dezember 1830 eine Schafherde angefallen, „zehrte ein Lamm ganz auf, biss sieben andere in den Hals und durch die Gurgel, sodass sie geschlachtet werden mussten.“ Endlich konnte der Wolf erlegt werden, das „Wochenblatt für das Fürstentum Hohenzollern“ vom 23. Januar 1831 meldete: „Die Seltenheit derartiger Erscheinungen in dieser Gegend hielt jeden, der den Wolf spürte oder sah, von allen bestimmten Angaben über dessen Dasein zurück.“ Man wollte es erst nicht glauben, dass ein Wolf, der pro Nacht 70 bis 80 Kilometer zurücklegen kann, im Land unterwegs war. Als sich jedoch die Schadensmeldungen häuften, wurden „ausgedehnte Jagden auf den Wolf abgehalten“.

Am 18. Januar 1831 wurde der Wolf in Hettingen auf der Ah zwischen Fehla und dem Ort gesehen und bei einer Treibjagd von „dem Jagdfreund“ Christian Barth aus Gammertingen durch einen Schuss „tödlich verwundet“. Das Tier entkam jedoch und schleppte sich noch die Fehla entlang bis Neufra. Dort bekam er vom Gammertinger Josef Beck den Gnadenschuss.

In Neufra ließ Fürst Anton Aloys nach der geglückten Jagd einen Gedenkstein aufstellen. Bei Eugen Schnell heißt es hierzu im Jahr 1856: „Der Fürst verehrte den glücklichen Schützen silberne Dosen und ließ auch die Seltenheit eines Wolfes in dieser Gegend durch einen Denkstein bezeichnen.“ Der beschriftete Stein ist als Kleindenkmal im Landkreis Sigmaringen klassifiziert, befindet sich allerdings in einem desolaten Zustand.

Manfred Tremmel, der die Ausstellung im Oberamt Gammertingen mitorganisiert hat, versucht nun, den Ort und die Geschichte des Wolfes zu retten: „Der Stein und seine Geschichte haben mich immer fasziniert, aber inzwischen ist er brüchig und unleserlich geworden“, sagt Tremmel. Das Flurstück und der Stein sind im Besitz des Fürstenhauses. „Wir wollen natürlich alles mit dem Fürstenhaus absprechen und hoffen, dass wir das Denkmal mit weiteren Förderern neu aufstellen können“, sagt Manfred Tremmel. Die Reste des alten Steins könnten nach Begutachtung von Steinmetz und Bildhauer Christoph Stauß lediglich museal erhalten werden. Manfred Tremmel schweben eine originalgetreue Kopie sowie die Gestaltung eines kleinen Platzes mit einer Bank vor.

Auf der Ah, dem Höhenzug zwischen Hettingen und Gammertingen (oberhalb der Fischzucht Steinhart), weist ein Schild an der „Wolfseiche“ auf den Abschussort hin. Der Wolf selbst wurde präpariert, stand viele Jahre in Josephslust und ist seit ein paar Jahren in der Trophäenhalle im Schloss Sigmaringen zu sehen. Bis zum ersten Advent bleibt er noch in Gammertingen.

Die Sonderausstellung „Hohenzollern-Spuren“ im Museum im Alten Oberamt Gammertingen, Hohenzollernstraße 11, kann sonntags von 14 bis 17 Uhr und nach Vereinbarung unter der Telefonnummer 07574/406136 mit einer Führung besichtigt werden.

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