Dieser Gammertinger kennt den Wald wie seine Westentasche

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Vier Männer stehen teils mit Werkzeugen im Wald
Matthäus Steinhart (rechts) kennt jeden Winkel des Waldes. Waldarbeiter Frank Czopiak und die beiden Revierförster Reiner Czanek und Elmar Molnar (von links) hoffen, auf sein Fachwissen noch möglichst lange zurückgreifen zu können. (Foto: Sabine Rösch)
Sabine Rösch

Matthäus Steinhart ist Waldarbeiter aus Leidenschaft – und das seit 50 Jahren. „Wenn unser Matthäus Steinhart sagt, dass der Baum krank ist, dann stimmt das. Er behält immer Recht – auch wenn wir noch nichts sehen. Er ist unser Käferschmecker“, sagt Gammertingens Forstrevierleiter Elmar Molnar und klopft Steinhart dabei anerkennend auf die Schulter. Seit fünf Jahrzehnten arbeitet Steinhart mittlerweile im Wald – und die Begeisterung dafür ist immer noch die gleiche wie am Anfang.

Mit 18 bei Gemeinde angefangen

Inzwischen ist Matthäus Steinhart zwar Rentner, aber immer noch auf geringfügiger Aushilfstätigkeit bei der Stadt Gammertingen beschäftigt. „Mit 18 Jahren habe ich bei der damals noch selbstständigen Gemeinde Harthausen angefangen“, blickt er zurück. Man habe immer zu dritt gearbeitet, Waldarbeiterrotte genannt, erzählt Steinhart, und zwar das ganze Jahr durch. 

1971 kam Harthausen im Zuge der Gemeindereform zu Gammertingen. Damals habe es noch eine städtische Pflanzschule gegeben, bei der viele sogenannte Kulturfrauen arbeiteten, erzählt Matthäus Steinhart. In seiner jahrzehntelangen Arbeitstätigkeit hat er sehr viel erlebt – und viel geschafft. 

In Laufbahn 3000 Lastwagen Holz gemacht

Revierförster Elmar Molnar macht eine interessante Rechnung auf: Man könne in etwa 1500 Festmeter Holz ansetzen, die Steinhart pro Jahr gemacht habe. Hochgerechnet auf 50 Jahre seien das 75 000 Festmeter – 3000 voll beladene Lastwagen –, die aneinandergereiht eine Strecke von 75 Kilometern Länge ergeben. Das ist aber noch lange nicht alles. Matthäus Steinhart pflanzte unzählige Hektar Baumpflänzchen aller Art und zäunte sie ein. Er hegte und pflegte Bestände, errichtete Wildschutzzäune und noch vieles mehr. 

Mir fehlt etwas, wenn ich nicht in den Wald kann. 

Matthäus Steinhart

„Die Natur und der Wald sind meine ganz große Leidenschaft“, sagt Steinhart. „Mir fehlt etwas, wenn ich nicht in den Wald kann.“ Am liebsten habe er die Jungbestandspflege übernommen. Und einen Lieblingsplatz hat er natürlich auch: das Gewann Hochbuch, das auf 816 Metern Höhe liegt. Zudem ist sich Steinhart sicher, dass nur ein mit viel Liebe gepflanzter Baum auch groß und stark wird. „Wie bei uns Menschen auch“, sagt er schmunzelnd.

Begeistert ist Matthäus Steinhart aber auch von der weiteren Pflanzen- und Tierwelt im Wald. Er kennt jede Blume und die versteckten Orte, an denen Ginster, Seidelbast oder der gelbe und blaue Enzian wachsen. „Es gibt nichts, was Matthäus nicht kennt. Er ist unsere Waldpolizei“, sagt Waldarbeiter Frank Czopiak. Die Revierförster Elmar Molnar und Reiner Czanek hoffen, Matthäus Steinhart als wertvollen Springer hoffentlich noch lange im Einsatz zu haben. „Er weiß alles über den Wald“, sagt Czanek.

Dabei ist die Arbeit im Wald nicht ungefährlich. „Der Schöpfer hat schon einige Male seine schützende Hand über mich gehalten“, sagt Matthäus Steinhart. In diesem Jahr feiert er seinen 70. Geburtstag. Der begeisterte Waldarbeiter hofft, dass er seiner Leidenschaft noch lange nachgehen kann – auch weiterhin mit der schützenden Hand Gottes über sich.

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