Das Asylcafé schrumpft – aber es bleibt

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Für ihre regelmäßigen Treffen müssen sich Gastgeber und Gäste des Gammertinger Asylcafés demnächst neue Räume suchen. Diese Hera
Für ihre regelmäßigen Treffen müssen sich Gastgeber und Gäste des Gammertinger Asylcafés demnächst neue Räume suchen. Diese Herausforderungen wollen die Beteiligten aber auf jeden Fall annehmen. (Foto: Archiv Anna Ernst)
Redakteur Alb/Lauchert und Pfullendorf

Nicht nur, dass das Asylcafé demnächst aus dem Gebäude auf dem Schey-Areal in Gammertingen ausziehen muss: Geht es nach dem Landratsamt, wird zum Jahresende auch die Gemeinschaftsunterkunft für Flüchtlinge am Talweg aufgelöst. Damit fallen die Asylcafé-Treffen in Zukunft wohl deutlich kleiner aus. Überflüssig werden sie aber keineswegs, sagt Matthias Kopp, einer der Initiatoren. In den vergangenen drei Jahren hätten sie einen wichtigen Beitrag zur Integration geleistet – und das sollen sie auch weiterhin tun.

Als vor drei Jahren klar wurde, dass Flüchtlinge in Gammertingen untergebracht werden, zögerten die beiden christlichen Kirchengemeinden nicht lange: Umgehend machten sie sich Gedanken darüber, wie ehrenamtliche Helfer den Asylsuchenden den Start in der neuen Umgebung erleichtert könnten. Wesentliche Initiatoren waren Pfarrer Ulrich Deißinger und der inzwischen verstorbene Kirchengemeinderatsvorsitzende Winfried Jehle auf evangelischer Seite sowie die Pfarrgemeinderatsvorsitzende Hildegard Butscher und Pastoralreferent Matthias Kopp für die katholische Kirche. Auch das Lebenshaus Schwäbische Alb, mehrere Sportvereine, die islamische Gemeinde und weitere Unterstützer brachten sich ein – zumindest vorübergehend.

„Unsere Intention war damals, Offenheit zu zeigen“, sagt Matthias Kopp heute. „Wir wollten nicht, dass sich die Flüchtlinge wie in einem Ghetto fühlen, indem sie unter sich bleiben.“ Stattdessen wollten die Ehrenamtlichen aktiv die Integration fördern – auf ganz unterschiedliche Weise. Sie boten Schwimmen und Fußball ebenso an wie Unterstützung bei der Suche nach Praktikums- und Arbeitsplätzen. Sie organisierten Möbel und Fahrräder, halfen beim Abschluss von Handyverträgen und fuhren kranke Flüchtlinge zum Arzt. Vor allem aber sorgten sie für regelmäßige Treffen – und damit für einen gegenseitigen Austausch.

Entsprechende Räume stellte die Stadt Gammertingen in der ehemaligen Textilfabrik Schey an der Sigmaringer Straße zur Verfügung. Dort kümmerten sich zu Spitzenzeiten bis zu 50 Ehrenamtliche um ebenso viele Flüchtlinge – an fünf Abenden pro Woche. Inzwischen sind es 15 bis 20 Ehrenamtliche, die sich an vier Abenden pro Woche mit 20 bis 25 Asylbewerbern treffen. „Nach wie vor geht es in erster Linie darum, die Sprache zu lernen und Kontakte zu knüpfen“, sagt Matthias Kopp.

Kreis will Unterkunft auflösen

Dafür werden sich Einheimische und Flüchtlinge im kommenden Jahr allerdings eine neue Bleibe suchen müssen: Das alte Gebäude auf dem Schey-Areal soll in der ersten Jahreshälfte 2019 abgerissen werden, damit an gleicher Stelle eine Kultur- und Festhalle entstehen kann. Parallel dazu plant das Landratsamt Sigmaringen die Auflösung der Gemeinschaftsunterkunft am Talweg. Wie die Behörde am Mittwoch mitteilte, sollen die 49 verbliebenen Bewohner in andere Gemeinschaftsunterkünfte verlegt werden oder in die kommunale Anschlussunterbringung umziehen – also in normale Wohnungen. Land und Kreistag müssen dafür aber noch ihre Zustimmung erteilen.

„Erst einmal müssen wir jetzt abwarten, wie viele der 49 Bewohner dann tatsächlich in Gammertingen bleiben“, sagt Matthias Kopp. Er rechne mit rund acht bis zwölf Personen. Für regelmäßige Treffen würden damit auch deutlich kleinere Räume reichen als bisher. „Es müsste möglich sein, dass Asylcafé dann in unsere eigenen Räume zu verlegen“, sagt Kopp, der sich beispielsweise abwechselnde Treffen bei der evangelischen und der katholischen Kirchengemeinde vorstellen kann.

Wann und wie häufig die Treffen dann stattfinden, wollen die Ehrenamtlichen gemeinsam mit den Flüchtlingen besprechen. Wichtig ist beiden Seiten vor allem, dass es sie weiterhin gibt. „Aus den allgemeinen Treffen haben sich inzwischen einige persönliche Kontakte entwickelt“, sagt Matthias Kopp. Diese aufrecht zu erhalten, sei sinnvoll und wünschenswert – damit die Integration der Flüchtlinge in Gammertingen weiterhin so gut gelinge wie bisher.

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