Christine Wolf kauft das „Alte Rathaus“

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Schwäbische Zeitung
Gabriele Loges

Das 1806 erbaute Haus an der Hohenzollernstraße, das viele Jahre als Zeitungs- und Tabakwarengeschäft diente, hat eine neue Besitzerin: Christine Wolf, geborene Joswig. Das Gebäude ist denkmalgeschützt und steht direkt neben dem Gammertinger Schloss, dem heutigen Rathaus. Genannt wird es das „Alte Rathaus“, weil sich an dieser Stelle vor 1800 das Rathaus der Stadt befand. Die Rückbauung des in großen Teilen noch original erhaltenen Gebäudes soll mit dem neuen Schlossflügel und dem Rathaus ein ansprechendes Ensemble bilden. Es ist eine von mehreren privaten Initiativen zur Stadtkernsanierung.

Von der Kreissparkasse war das „Alte Rathaus“ für 120000 Euro ausgeschrieben. Martin Fehrmann und seine Schwestern Rita und Doris boten das von ihrer Tante Wilhelmine Göggel geerbte Haus zum Verkauf an. Als Kinder wohnten sie noch in Gammertingen, zogen jedoch bereits 1969 nach München. Viele Jahre lang wurde das Haus vermietet und hatte als Zeitungs- und Tabakladen sowie als Lotto-Annahmestelle seinen festen Platz in der Stadt. Christine Wolf und ihr Mann schauten sich schon seit einiger Zeit nach einem Objekt um, in das der Familienbetrieb „Joswig und Kneule, Stuckateurmeisterbetrieb“ während der weniger ausgelasteten Winterzeit arbeiten und investieren konnte. Schon nach der ersten Besichtigung war Wolf begeistert und überzeugt, dass sie ihr „Vorzeige-Objekt“ gefunden hat: „Das Haus hat sogar Stuckdecken. Es hat alles, was zu unserem Betrieb gehört – hat alles, was das Herz öffnet.“ Sie konnte ohne Probleme ihre Familie vom Kauf überzeugen. Auch wenn klar war, dass ein denkmalgeschütztes Haus besondere Herausforderungen mit sich bringt. Ihr Vater hat als Gipser das Geschäft aufgebaut, ihr Mann Alfred Wolf schulte nach dessen Tod um und Sohn Markus wurde wie er Stuckateurmeister. Insgesamt sieben Personen gehören dem Handwerksbetrieb an. Christine Wolf ist für die Leitung des Büros zuständig.

Eine Begehung zusammen mit dem Denkmalamt wurde notwendig. Die Kosten des Umbaus werden den Kaufpreis bei Weitem übersteigen. Was in den 1960er-Jahren verändert wurde, muss zurückgebaut werden. Dies betrifft vor allem den unteren und vorderen Teil der Fassade. Ansonsten ist das Gebäude bis unters Dach stilecht erhalten. Das Wohn- und Geschäftshaus soll wie zu Zeiten des ehemaligen Besitzers und Kaufmanns Anton Schmid als solches genutzt werden. Im Untergeschoss werden Christine Wolfs Tochter und Schwiegersohn ihr Lohn- und Finanzbuchhaltungsbüro sowie ein Büro für Insolvenzbuchhaltung einrichten. In den beiden Obergeschossen wird je eine Wohnung untergebracht. Wandvertäfelungen, das Treppengeländer, der Stuck an den Decken, einige alte Türen und anderes müssen bleiben oder renoviert werden. Den Umbau übernimmt das Architekturbüro Supper-Heinemann, das bereits mehrere Renovierungen in Zusammenarbeit mit dem Denkmalamt durchgeführt hat. Bei diesem Haus habe alles gestimmt, sagte Wolf: „Das Ambiente ist einmalig, die Verkäufer haben sich gefreut, dass wir Nachbesitzer werden und die Stadt zeigte sich mit der Übernahme auch zufrieden.“ Das Haus wird an das Gammertinger Nahwärmenetz angeschlossen.

Mit der Stadt wird im Rahmen der Stadtkernsanierung eine Modernisierungsvereinbarung getroffen. Die innerstädtische Sanierung zur Belebung des Ortskerns schreitet voran, einige Privatprojekte konnten bereits neben der öffentlichen Nutzung gefördert werden. Dass eine Handwerksfam-ilie aus dem Ort das „Alte Rathaus“ übernommen hat, ist für Bürgermeister Holger Jerg erfreulich: „Dieses Gebäude ist Teil des Ensembles mit dem Schlossplatz, der dann noch gepflastert werden soll, und bildet dadurch eine besondere Einheit.“

Am neuen Schlossflügel hat Markus Wolf die Stuckarbeiten an der äußeren Fassade gestaltet. Vom neu erworbenen Haus hat Christine Wolf den besten Blick auf das Gammertinger Schloss. Diesen Sommer noch soll das Büro im Erdgeschoss bezogen werden. Danach werden die oberen Stockwerke ausgebaut, um sie als Privatwohnungen zu vermieten. Vorher gibt es allerdings noch viel zu tun.

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