Beim Umzug packen auch die Eltern mit an

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Redakteur Alb/Lauchert und Pfullendorf

An der Grundschule im Gammertinger Ortsteil Feldhausen haben die Arbeiten zur Sanierung des gut 50 Jahre alten Gebäudes begonnen. Die knapp 40 Schüler werden mittlerweile im Rathaus in unmittelbarer Nachbarschaft unterrichtet. Beim dafür nötigen Umzug packten auch die Eltern tatkräftig mit an – und Schulleiterin Cornelia Gulde entdeckte die eine oder andere Überraschung.

Handlungsbedarf herrscht im Schulgebäude an allen Ecken und Enden: Die Elektroinstallation beispielsweise ist ebenso in die Jahre gekommen wie die Heizung, die jederzeit den Geist hätte aufgeben können. Auch in Sachen Brandschutz erfüllte die Schule zuletzt nicht mehr die vorgegebenen Auflagen. Vor allem aber energetisch lässt das Gebäude arg zu wünschen übrig: Wegen der schlechten Isolierung mussten die Kinder, die in der Nähe der Fenster saßen, im Unterricht im Winter eine Jacke tragen.

Neues Fluchttreppenhaus

Damit soll ab kommendem Schuljahr endgültig Schluss sein: Brandschutz und Energieeffizienz werden in den kommenden Monaten auf Vordermann gebracht. Klassenzimmer, Lehrerzimmer und Rektorat werden saniert. Um einen zweiten Rettungsweg von den Klassenzimmern im Obergeschoss einzurichten, bekommt das Gebäude ein Fluchttreppenhaus. Elektroinstallation, Fenster, Türen, Fußböden und die Heizung werden komplett erneuert.

Damit die Mitarbeiter der beteiligten Firmen freie Hand haben, wurde das Gebäude vorher vollständig ausgeräumt – vom Locher über Bücher bis hin zu Schreibtischen und Bücherregalen. „Vor der Fasnet haben meine Kolleginnen und ich die ersten Kisten gepackt“, sagt Cornelia Gulde. „Am Ende waren es etwa 200.“ Vor rund zwei Wochen war der Umzug abgeschlossen. Bei zwei Aktionstagen halfen auch die Eltern der Grundschüler mit, bauten unter anderem Regale ab und wieder auf. Erstaunt ist Cornelia Gulde darüber, was ihr beim Umzug eher zufällig in die Hände fiel. „Viele alte Zeugnisse zum Beispiel, aber auch ein Buch aus dem Jahr 1906.“

Bis zum Ende der Sommerferien im September sollen die Bauarbeiten abgeschlossen sein. Zum neuen Schuljahr werden Cornelia Gulde und die fünf weiteren Lehrer dann acht neue Erstklässler begrüßen: zwei aus Gammertingen sowie sechs aus den Ortsteilen Feldhausen und Harthausen. Die Anzahl der Anmeldungen ist für die Schulleiterin dabei keine große Überraschung: Weil die beiden Ortsteile zusammen überschaubare 650 Einwohner zählen, lassen sich die künftigen Erstklässler relativ gut berechnen.

Mit den aktuellen Anmeldezahlen sei sie persönlich zufrieden, sagt Cornelia Gulde. Ein Problem sei eher der allgemeine Lehrermangel. „Fällt eine Lehrerin bei uns krankheitsbedingt aus, muss jemand anderes einspringen.“ Gerade bei einem relativ kleinen Kollegium sei das auf Dauer schwierig. Für Gulde selbst kommt die Herausforderung hinzu, Familie und Beruf unter einen Hut zu bekommen: Im August kam mit Sohn Florian ihr drittes Kind zur Welt. „Wenn ich arbeite, springen meine Eltern ein. Wenn ich Büroarbeit erledige, nehme ich ihn meistens mit.“

Montessori-Konzept überzeugt

Nach der Sanierung, wenn die Schule auch baulich wieder überzeugen kann, will Cornelia Gulde verstärkt in den Kindergärten werben. Vom Montessori-Konzept, das die Grundschule mittlerweile verfolgt, ist sie ohnehin überzeugt. „Wir holen die Kinder dort ab, wo sie stehen und können sie dann individuell fördern“, sagt Gulde. „Manche können schon im Kindergarten lesen und schreiben, manche eben nicht.“ Mit dem Montessori-Konzept könne die Schule allen gleichermaßen gerecht werden. Unterrichtet werden die Mädchen und Jungen in Feldhausen in zwei gemischten Klassen: Erst- und Zweitklässler in der einen, Dritt- und Viertklässler in der anderen.

Im kommenden Jahr werden in Feldhausen noch einmal die Handwerker anrücken. Dann erneuern sie die Toiletten, die Duschen und die Umkleideräume der Sporthalle im Erdgeschoss. Der Unterricht der Grundschüler bleibt davon dann aber unberührt: Sie können in ihren sanierten Klassenzimmern bleiben.

Insgesamt kosten die Bauarbeiten rund eine Million Euro. Davon entfallen etwa 700 000 Euro auf den ersten Bauabschnitt. Gut 350 000 Euro übernehmen Land und Bund mit entsprechenden Förderprogrammen.

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