Bürgermeister setzt sich für die Killertalbahn ein

Lesedauer: 6 Min

Mit Unterstützung aus der Politik will sich Gammertingens Bürgermeister Holger Jerg dafür einsetzen, dass die Strecke der Kille
Mit Unterstützung aus der Politik will sich Gammertingens Bürgermeister Holger Jerg dafür einsetzen, dass die Strecke der Killertalbahn auch auf dem Abschnitt zwischen Burladingen und Gammertingen elektrifiziert wird. (Foto: Roland Rasemann)
Redakteur Alb/Lauchert und Pfullendorf

Die Landtagsabgeordnete Andrea Bogner-Unden (Grüne) hat das Verkehrsministerium auf die aus ihrer Sicht notwendige Elektrifizierung der Killertalbahn bis Gammertingen hingewiesen. In ihrem Schreiben warf sie folgende Frage auf: „Was können wir hierfür tun, dass auch künftig Züge in Gammertingen gewartet und instandgesetzt werden können?“ Zwischenzeitlich ist ein Gesprächstermin festgesetzt und die Abgeordnete hat eine Antwort aus dem Verkehrsministerium erhalten. In dem Schreiben, das unserer Redaktion vorliegt, heißt es: „Ihren Hinweis, eine Elektrifizierung von Hechingen bis Gammertingen vorzunehmen, werde ich gerne prüfen. Unterzeichnet ist der Brief von Verkehrsminister Winfried Hermann. (fxh)

Strom statt Diesel: Nach dem Willen der Landesregierung soll in den nächsten 20 Jahren nahezu das gesamte Schienennetz in Baden-Württemberg elektrifiziert werden. Zuletzt hatte das Kabinett die Strecke zwischen Albstadt-Ebingen und Sigmaringen in den vordringlichen Bedarf aufgenommen – für Gammertingens Bürgermeister Holger Jerg ein wichtiger und richtiger Schritt. Mit Unterstützung aus der Politik will er nun aber dafür kämpfen, dass dabei die Strecke der Killertalbahn zwischen Hechingen und Gammertingen nicht in Vergessenheit gerät.

Im April hatte Landesverkehrsminister Winfried Hermann die Pläne für ein Schienen-Elektrifizierungskonzept vorgestellt. Dieses sieht vor, die Strecke der Zollern-Alb-Bahn zwischen Albstadt und Sigmaringen ebenso zu elektrifizieren wie den bereits geplanten Abschnitt zwischen Tübingen und Albstadt. Die Strecke zwischen Stuttgart und Tübingen steht bereits unter Strom. Wichtig ist die Elektrifizierung nicht nur aus technischen Gründen und wegen des Umweltschutzes, sondern auch vor dem Hintergrund, dass in der Landeshauptstadt der neue Bahnhof „Stuttgart 21“ gebaut wird. In diesen dürfen nach der Fertigstellung nämlich keine Dieselloks mehr einfahren.

Zwei Landkreise sind sich einig

In der jüngsten Gemeinderatssitzung und in einer anschließenden Pressemitteilung rückte Holger Jerg jetzt die Strecke zwischen Hechingen und Gammertingen in den Fokus. Nach den bisherigen Plänen des Landes soll diese lediglich von Hechingen bis Burladingen elektrifiziert werden. Doch das ist nicht nur dem Gammertinger Bürgermeister zu wenig. „In einer gemeinsamen Feststellung sind der Zollernalbkreis und der Landkreis Sigmaringen übereingekommen, die Strecke weiter bis in die Stadt Gammertingen elektrifizieren zu wollen“, schreibt Jerg in seiner Pressemitteilung.

Dabei argumentiert der Bürgermeister nicht nur mit der allgemeinen Schienen-Infrastruktur. Die Elektrifizierung des Abschnitts zwischen Burladingen und Gammertingen ist aus seiner Sicht auch ein wichtiger Bestandteil der Unternehmenssicherung der Hohenzollerischen Landesbahn. Diese unterhält in Gammertingen ein zentrales Bahnbetriebswerk „mit vielen hoch qualifizierten Arbeitsplätzen“, wie es in Holger Jergs Pressemitteilung heißt. Ohne Strom in der Oberleitung bis Gammertingen werde dieser Betriebsstandort künftig uninteressant. Kurzum: Der Einsatz für die Elektrifizierung bedeutet für den Bürgermeister gleichzeitig den Kampf um Arbeitsplätze.

Der Streckenabschnitt zwischen Burladingen und Gammertingen sei etwa 10 bis 15 Kilometer lang, ergänzt Holger Jerg im Gespräch mit der „Schwäbischen Zeitung“. Dazu, was die Elektrifizierung kosten würde, gebe es bislang keine verlässliche Schätzung. Anders sieht es bei der Vorplanung für die gesamte Strecke zwischen Hechingen und Gammertingen aus. Dort liegen die Kosten bei rund 900 000 Euro. Gut 40 Prozent davon würde der Landkreis Sigmaringen übernehmen. Für den Rest hofft Jerg vor allem auf Unterstützung des Bundes.

„Mit dem Elektrifizierungskonzept des Landes ist uns eine Tür geöffnet worden“, sagt der Bürgermeister. „Jetzt müssen wir diese historische Chance nutzen.“ Damit das gelingt, will Holger Jerg Partner aus Politik und Behörden mit ins Boot holen. Wie er berichtet, hat Sigmaringens Landrätin Stefanie Bürkle den Wunsch aus Gammertingen bereits in Stuttgart vorgebracht. „Bei einer Anhörung Anfang Mai im Verkehrsministerium hat die Landrätin unsere Argumente vorgetragen“, sagt Holger Jerg. „Diese werden nun im Zuge eines Anhörungsverfahrens aufgenommen.“

Darüber hinaus will der Gammertinger Bürgermeister jetzt das Gespräch mit den Bundespolitikern aus der Region suchen. Denn schließlich ist es auch der Bund, der am Ende einen Großteil der Kosten für die Elektrifizierung tragen soll. „Wir hoffen auf eine schnelle Einführung des angekündigten Sonderprogramms zur Elektrifizierung“, sagte Verkehrsminister Winfried Hermann bei der Vorstellung seines Konzepts im April. „Der Bund würde damit endlich Verantwortung für seine Schieneninfrastruktur übernehmen und einen wichtigen Schritt hin zu mehr Nachhaltigkeit im Schienenverkehr machen.“

Das sieht Holger Jerg ähnlich. „Nun kommt es darauf an, dass die Kabinettsbeschlüsse mit Finanzierungskonzepten und konkreten Planungen hinterlegt werden“, schreibt der Bürgermeister in seiner Pressemitteilung. Diese Einschätzung teile er mit Stefanie Bürkle ebenso wie mit Günther-Martin Pauli, Landrat des Zollernalbkreises.

Die Landtagsabgeordnete Andrea Bogner-Unden (Grüne) hat das Verkehrsministerium auf die aus ihrer Sicht notwendige Elektrifizierung der Killertalbahn bis Gammertingen hingewiesen. In ihrem Schreiben warf sie folgende Frage auf: „Was können wir hierfür tun, dass auch künftig Züge in Gammertingen gewartet und instandgesetzt werden können?“ Zwischenzeitlich ist ein Gesprächstermin festgesetzt und die Abgeordnete hat eine Antwort aus dem Verkehrsministerium erhalten. In dem Schreiben, das unserer Redaktion vorliegt, heißt es: „Ihren Hinweis, eine Elektrifizierung von Hechingen bis Gammertingen vorzunehmen, werde ich gerne prüfen. Unterzeichnet ist der Brief von Verkehrsminister Winfried Hermann. (fxh)

Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen
Mehr Themen