Ausverkaufter und bejubelter Liederabend mit dem Duo Laske/Louis in Gammertingen

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 Verena Louis und Thomas Laske begeistern das Publikum bei ihrem Konzert im Schloss
Verena Louis und Thomas Laske begeistern das Publikum bei ihrem Konzert im Schloss (Foto: Stefanie Häußler)
Stefanie Häußler

Eine Sternstunde des Kunstliedes erlebten die Gäste im Schlosssaal des Speth´schen Stadtschlosses in Gammertingen. Zur Eröffnung der Konzertsaison 2019/2020 hatte der Verein Gammertinger Schlosskonzerte das Liedduo Thomas Laske und Verena Louis eingeladen, Franz Schuberts Liederzyklus „Die Winterreise“ zu geben. Das Duo zog sein Publikum mit den „24 Seelenzuständen“ –wie Schubert selbst sein Werk bezeichnet - in seinen Bann. In seiner Vertonung der Texte von Wilhelm Müller verzichtet der Komponist am Schluss auf die gefühlt zwingende Auflösung einer Harmoniefolge und überlässt dem Zuhörer das Weiterdenken und -fühlen. Diesen intensiven Moment hielten Künstler wie Gäste über den letzten verklungenen Ton hinaus fest, bevor sich die Anspannung löste und das Publikum begeistert applaudierte.

Thomas Laske – geboren in Stuttgart und als Bariton weltweit auf den Bühnen der großen Konzert- und Opernhäuser zuhause – lotete mit seiner facettenreichen Stimme die musikalischen wie emotionalen Weiten und Tiefen der „Winterreise“ in Gänze aus. Am Klavier begleitet wurde er von der in Paris geborenen Wahl-Leipzigerin und international gefragten Liedbegleiterin Verena Louis. Mit großer Natürlichkeit und Selbstverständlichkeit hat sie den Klavierpart der „Winterreise“ ausgefüllt. Mal Laskes musikalische Stütze, mal selbstbewusste Solistin, war Louis mehr Partnerin als Begleiterin.

Das Bild des Wandernden umklammert die 24 Bilder der Winterreise, dem Höhepunkt der Dichtung und Liedkunst in der Romantik. „Fremd bin ich eingezogen, fremd zieh’ ich wieder aus“ und „Wunderlicher Alter! Soll ich mit dir geh’n?“ Müller beschreibt eingangs den Einsamen, Verlassenen, der am Ende des Werkes - emotional immer noch, tatsächlich aber nicht mehr einsam - dem Leiermann nicht nur anbietet, ihn auf seinem Weg sondern auch zu seinen Lieder zu begleiten. Dazwischen malen Stimme und Klavier virtuos kaum vorstellbare Trostlosigkeit, innere Zerrissenheit, Aufbegehren, Illusion. Von „Der Lindenbaum“ – einem der deutschen Volkslieder schlechthin – bleibt – bar jedes süßen Schmelzes – nur der Schmerz.

Die ganze Kongenialität des Quartetts Laske/Louis/Schubert/Müller offenbart sich im „Frühlingstaum“: Ein Traumgemälde im Dreiviertetakt, jäh unterbrochen vom schrillen Hahnenschrei des Klaviers, um sich aus der harten Vierviertel-Realität wieder zurückzuträumen zur Liebsten. Laskes Gesang und Louis’ Klavierspiel wühlt auf, hinterlässt offene Fragen nach verschiedenen Deutungsmöglichkeiten. Erzählt der Dichter die Geschichte eines Verlassenen? Skizzierte er eine Metapher vom Leben oder ist es bereits die Vorahnung, das Herbeifürchten seines eigenen Todes? Die aufgewühlten Gemüter beruhigte die Gewissheit, einen großartigen Liedabend erlebt zu haben.

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