Ausschuss stimmt neuem Bauwagen zu

Lesedauer: 5 Min

Vor allem Jugendliche nutzen die Bauwagen in Gammertingen – auf dem Foto ist jener beim Wald am Lohweg zu sehen – als Treffpunk
Vor allem Jugendliche nutzen die Bauwagen in Gammertingen – auf dem Foto ist jener beim Wald am Lohweg zu sehen – als Treffpunkt. (Foto: Sebastian Korinth)

Vor allem Jugendlichen, die noch nicht mobil sind, fehlt es im ländlichen Raum oft an einem geeigneten Treffpunkt. Mit der Duldung von Bauwagen hat die Stadt Gammertingen vor sechs Jahren ein Zeichen für ihre Unterstützung gesetzt. Jetzt meldet eine Gruppe von Mädchen Interesse an einer weiteren Initiative an – und stößt bei den Verantwortlichen auf offene Ohren. Der Verwaltungsausschuss des Gemeinderats stellt sich hinter den Wunsch der Jugendlichen, einen weiteren Bauwagen in der Kernstadt zu genehmigen.

Vor fünf Jahren hatte der Gemeinderat eine Duldung von Bauwagen beschlossen, die Anzahl aber gleichzeitig auf höchstens zwei in der Kernstadt und maximal einen pro Ortsteil begrenzt. Entsprechende Initiativen gibt es zurzeit beim Wohngebiet Kohlhalde III und beim Wald am Lohweg – während das Interesse in den Ortsteilen eher gering ist. „Mit der konkreten Anfrage nach einem dritten Bauwagen in der Kernstadt stehen wir vor der Frage, ob wir die bisherige Regelung ändern wollen“, sagte Bürgermeister Holger Jerg in der Ausschusssitzung am Dienstagabend.

Wie Hauptamtsleiter Martin Fiedler berichtete, besteht die neue „Bauwagen-Initiative 01/02“ aus knapp zehn Mädchen, die überwiegend 2001 und 2002 geboren wurden – daher der Name der Initiative. Mit der Unterstützung einer Mutter hatten sich die Jugendlichen Anfang des Jahres an die Stadtverwaltung gewandt, um sich für ihren neuen Treffpunkt stark zu machen. Wo dieser entstehen soll, ist noch nicht ganz klar. Nach ersten Überlegungen favorisieren die Beteiligten einen Standort am Ziegelweg – kurz nach dem Ende der bestehenden Wohnbebauung, in der auch einige der Mädchen zu Hause sind. „Das Grundstück gehört der Stadt und was die Mädels vorhaben, klingt fundiert“, sagte Martin Fiedler. Deshalb werbe die Stadtverwaltung dafür, das Vorhaben zu unterstützen.

Mit dieser Idee konnten sich die Ausschussmitglieder durchaus anfreunden. „Aus meiner Sicht spricht nichts dagegen. Auch den Standort fände ich unproblematisch“, sagte Birgit Ocker (Gleiches Recht für alle). Ähnlich äußerten sich Wolfgang Lieb (Gleiches Recht für alle) und Karl-Heinz Hebeisen (CDU). Der Standort in Sichtweite des Wohngebiets eigne sich für einen Bauwagen, sagte Hebeisen – gab aber gleichzeitig zu bedenken, dass er an einem belebten Wander- und Fahrradweg liege.

Stephan Binsch (SPD/Unabhängige Bürger) unterstützte das Vorhaben der Mädchen ebenfalls. Er nutzte die Gelegenheit aber auch, um sich nach dem Wohngebiet Kohlhalde III zu erkundigen – und wollte wissen, ob es problematisch ist, dass die neuen Baugrundstücke immer näher an den Bauwagen heranreichen. „Jeder Eigentümer, der ein Grundstück kauft, wird auf den Bauwagen hingewiesen“, sagte Holger Jerg. Er betonte aber auch, dass die Jugendlichen, die den Bauwagen nutzen, zu den bisherigen Bewohnern des Wohngebiets ein gutes Verhältnis pflegen.

Grundsätzlich erinnerte der Bürgermeister an die Pflicht aller Beteiligten, bei einer entsprechenden Vereinbarung Verantwortung zu übernehmen. „Alle müssen sich daran gleichermaßen beteiligen: die Grundstückseigentümer, die Eltern der Jugendlichen, aber auch die Jugendlichen selbst“, sagte Holger Jerg. Nach dem entsprechenden Beschluss des Ausschusses soll eine Nutzungs- und Duldungsvereinbarung für den dritten Bauwagen in der Kernstadt auf den Weg gebracht werden. Darüber hinaus soll geprüft werden, ob der Standort am Ziegelweg auch rechtlich geeignet ist. Bei dieser Frage stehen alle Beteiligten erst am Anfang.

Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen
Mehr Themen