Als wäre nichts geschehen: Zwei Putten sind wieder da

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Stadtbaumeister Helmut Neuburger (links) und Bürgermeister Holger Jerg legen mit Hand an beim Aufstellen der Putten. Im Hintergr
Stadtbaumeister Helmut Neuburger (links) und Bürgermeister Holger Jerg legen mit Hand an beim Aufstellen der Putten. Im Hintergr
Schwäbische Zeitung

Seit gestern zieren zwei Engelsfiguren wieder das Gammertinger Schloss. Zwei Jahre haben die Sockel leer dagestanden, weil die sogenannten Putten in zwei Nacht-und-Nebel-Aktionen geklaut worden waren. Nun lässt die Stadt die insgesamt vier Putten wieder herstellen, zwei davon sind fertig und wurden gestern aufgestellt.

Von unserem Redakteur  Ignaz Stösser

„Das ist eine bodenlose Unverschämtheit“, sagte gestern Stefan Reiser gegenüber der „Schwäbischen“. Der Rentner, der beim Aufstellen der neuen Putten dabei sein wollte, kann sich immer noch über den dreisten Diebstahl aufregen. Drei der etwa ein Meter großen und etwa 50 Kilo schweren Figuren sind kurz vor der jüngsten Bürgermeisterwahl im Mai 2008 vom Sockel gerissen und abtransportiert worden. Und das geschah mitten in der Stadt in unmittelbarer Nähe zum Gammertinger Polizeiposten.

Nun war Stefan Reisers große Sorge, dass die neuen Putten besser auf dem Sockel verankert werden. Der Steinmetz und Bildhauer Christoph Stauß aus Rulfingen konnte ihn aber beruhigen. Wenn der alte Dübel gerade mal zwei Zentimeter in die Figur hineinragte, so verwendete Stauß einen deutlich längeren Edelstahlstift, den er auch noch mit einen Kunstharzkleber im Sockel und in der Putte verankerte. Ebenso klebte er den gesamten Unterteil der Putte auf dem Sockel fest. Scherzend meinte er: „Das sollte die Zeitung den potenziellen Dieben vielleicht beibringen: Wer diese Putten schnell vom Sockel holen will, produziert nur Scherben.“

Christoph Stauß hat die beiden Putten mit einer Lasur eingelassen, um ihnen etwas Patina zu geben und sie dem Sockel farblich anzugleichen. Die beiden Sockel wurden gründlich gereinigt. Nun soll der Sigmaringer Restaurator Jürgen Schulz-Lorch Sockel und Putten noch ähnlicher machen. „Den Rest besorgt dann die Natur“, meinte Stauß. Beide Teile werden gemeinsam altern. Und zufrieden fügte er hinzu: „Ich bin dankbar, solch eine Chance bekommen zu haben.“ Dieser Auftrag bringt dem Steinmetz mit Bildhauer- und Restauratorqualitäten nicht nur Geld, sondern bereitet ihm auch viel Genugtuung, konnte er doch bei dieser Arbeit seine künstlerische Seite voll zur Geltung bringen.

Bürgermeister Holger Jerg und Stadtbaumeister Helmut Neuburger eilten ebenfalls herbei, um dem Aufstellen der Putten beizuwohnen. Jerg erläuterte die finanzielle Seite. Rund 5500 Euro soll jede der vier Putten, die die vier Jahreszeiten darstellen, kosten. Rund 15 000 Euro haben Bürger der Stadt bisher dafür gespendet. Der Bürgermeister hofft, dass die beiden nun aufgestellten Figuren seine Mitbürger zu weitern Spenden animieren.

Die Herbst und die Winterfigur stehen jetzt vor dem Eingang zum Bürgerbüro. Der Frühling und der Sommer sollen nachfolgen. Ihre Plätze sind auf dem Grünstreifen zwischen Schoss und Lauchert. Hier stehen noch weitere lebensgroße Figuren, die ebenso wie die Putten auf den barocken Künstler Johann Weckenmann, der vor mehr als 200 Jahren in Haigerloch gelebt hat, zurückgehen. Ursprünglich hat er diesen Sandsteinfigurenzyklus für die Gammertinger Schlossherren geschaffen. Doch in den 1960er-Jahren waren die Originale so verwittert, dass die Stadt beim Tübinger Bildhauer Gerhard Halbritter neue bestellt hat. Diese sind dann auch den Dieben zum Opfer gefallen.

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