Alle Entwürfe für die Festhalle sind unter Verschluss

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Die Stadt Gammertingen hat Kleinmodelle anfertigen lassen, die das leergeräumte Schey-Areal und das Umfeld zeigen. Unten ist das
Die Stadt Gammertingen hat Kleinmodelle anfertigen lassen, die das leergeräumte Schey-Areal und das Umfeld zeigen. Unten ist das restliche Schey-Gebäude zu sehen, in dem ein Teil der Realschule untergebracht ist. Links ist das Gebäude der Firma Reifen Göggel zu sehen und oben ein Wohnhaus jenseits der Sigmaringer Straße. Jeder Architekt hatte ein Modell erhalten, in das er seinen Entwurf einbauen kann. (Foto: Stadt Gammertingen)
Schwäbische Zeitung

Noch sind die Umschläge versiegelt. Nicht einmal Stadtverwaltung und Gemeinderat kennen die Vorschläge für die neue Stadt- und Kulturhalle, die auf dem ehemaligen Schey-Areal in Gammertingen entstehen könnte. Doch in gut einer Woche soll Licht ins Dunkel kommen: Am Samstag, 17. März, wählt ein Preisgericht hinter verschlossenen Türen die besten Arbeiten aus. Vor der nächsten Gemeinderatssitzung am 20. März werden die Ergebnisse des Architektenwettbewerbs dann auch öffentlich zu sehen sein.

Wie Bürgermeister Holger Jerg bei der Gemeinderatssitzung am Dienstag im Bürgerhaus in Feldhausen berichtete, wurden neun von zehn Arbeiten fristgerecht eingereicht. Welches Büro welchen Vorschlag ausgearbeitet hat, werde allerdings erst gelüftet, nachdem das Preisgericht sein Urteil gefällt hat. „Es handelt sich um einen anonymisierten Wettbewerb“, sagte Jerg. Die Öffentlichkeit bekommt die Entwürfe erstmals vor der Gemeinderatssitzung im März zu sehen – vermutlich rund zwei Stunden vor Beginn der eigentlichen Sitzung. Im ehemaligen Geschäft „Jeans und Basics“, Sigmaringer Straße 33, sollen die Arbeiten am darauffolgenden Samstag und Sonntag erneut öffentlich zu sehen sein.

Auch dann wird ein Ansprechpartner zur Verfügung stehen, der bei Bedarf einige Details erläutern kann. „Die besten zwei bis drei Arbeiten wollen wir dann noch einige Zeit im Rathaus ausstellen“, sagte der Bürgermeister. Gleichzeitig betonte er, dass die Arbeit dann aber erst richtig losgehe. „Zusammen mit dem Sieger müssen wir die Planung dann weiter konkretisieren – auch, um die Kosten genauer ermitteln zu können“, sagte Jerg. „Und dann wird es im Gremium zum Schwur kommen: Machen wir das Thema oder nicht?“

In seiner Sitzung am Dienstag beschäftigte sich der Gemeinderat zunächst einmal mit den Schattenseiten des Projekts – chemischen Altlasten in den Gebäuden und den Böden des Geländes, auf dem die neue Festhalle entstehen soll. „Für ein solches ehemaliges Industrie-Areal sind Altlasten ein klassisches Thema“, sagte Holger Jerg. Deshalb habe die Stadtverwaltung entsprechende Untersuchungen in Auftrag gegeben. „Deren Ergebnisse bilden die Grundlage für die Ausschreibung der Abbrucharbeiten.“

Dass die Stadt mit ihrem Verdacht auf Altlasten richtig lag, bestätigte Experte Jörg Kröchert vom Ingenieurbüro CDM Smith. Dieses hatte vor allem das Hauptgebäude unter die Lupe genommen, aber auch einen ersten Blick auf die Villa und das Wohnhaus geworfen. Die Firma Terra Concept Consult widmete sich zusätzlich der Erkundung des Bodens.

Im Hauptgebäude seien unter anderem Betonkerne aus Bodenplatten entnommen worden, berichtete Jörg Kröchert. Darüber hinaus entnahmen die Experten Proben aus Wänden, aus dem Asphalt, aus Dämmungen und Abdichtungen. Im Erdgeschoss stießen sie auf stark belastete, flächig teerhaltige Stampfasphaltplatten sowie asbesthaltigen Estrich. „So wie er liegt, stellt dieser kein Problem dar“, sagte Kröchert. „Bei einem nicht fachgerechten Abbruch könnte er aber dazu werden.“ Im Gebäude verwendete Mineralwolle werde allein aufgrund ihres Alters als schädlich eingestuft. „Unterm Strich ist alles unkritisch“, sagte der Experte. „Man muss nur wissen, was da ist – dann kann man es entsprechend entsorgen.“ Zuvor hatte schon Holger Jerg darauf hingewiesen, dass bei einem Abbruch heutzutage alle Materialien getrennt und einzeln entsorgt werden müssen. Das erkläre auch die relativ hohen Kosten. Diese schätzt Jörg Kröchert auf 420 000 Euro netto für das Hauptgebäude, 90 000 Euro netto für die Villa und 60 000 Euro netto für das Wohnhaus – jeweils für den kompletten Rückbau und die Entsorgung des Materials.

Analyse der Altlasten findet im Vorfeld statt

Noch ist jedoch nicht ganz klar, welche Altlasten sich im Boden beziehungsweise Baugrund befinden. Um das genauer herausfinden zu können, ist eine weitere Analyse nötig – eine sogenannte orientierende Untersuchung. Diese soll bereits kommende Woche beginnen und kostet 17 000 Euro. Diese übernimmt allerdings das Land. Bis Mai sollen weitere Informationen vorliegen, sodass die Abbrucharbeiten im Juni oder Juli ausgeschrieben werden könnten. Werde der „sportliche Zeitplan“ eingehalten, könnten im Winter 2018/19 die Abrissbagger anrücken, sagte Holger Jerg.

Einschließlich Umsatzsteuer und Nebenkosten rechnet die Stadtverwaltung mit Rückbaukosten in Höhe von rund 800 000 Euro. Gleichzeitig rechnet sie mit etwa 480 000 Euro Förderung von Bund und Land. „Voraussetzung dafür ist allerdings eine Erhöhung des Förderrahmens“, sagte Kämmerer Siegfried Hagg. Mit der Entscheidung über einen entsprechenden Antrag rechne er noch diesen Monat.

Wolfgang Lieb (Gleiches Recht für alle) betonte die Bedeutung der umfangreichen Untersuchung auf Altlasten. „Projekte können für Monate zum Erliegen kommen, wenn Schadstoffe zu spät entdeckt werden“, sagte er. „Und die Kosten für die Abbrucharbeiten fallen ohnehin an – ob wir die Festhalle bauen oder nicht.“ Einstimmig sprachen sich die Gemeinderäte dafür aus, das Büro CDM Smith mit den weiteren Schritten zur Begleitung der Abbrucharbeiten zu beauftragen. Ist auch die höhere Förderung zugesagt, sollen diese öffentlich ausgeschrieben werden.

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