Abstand: „Je weiter weg, desto besser“

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Abstand: „Je weiter weg, desto besser“
Schwäbische Zeitung
Ignaz Stösser
Redakteur Alb/Lauchert

Spannung hat in der Luft gelegen, als der Gammertinger Gemeinderat am Dienstag zur Gemeinderatssitzung zusammenkam. Zahlreiche Bürger – vor allem aus Kettenacker – hatten sich eingefunden, weil sie aus erster Hand erfahren wollten, was der Bürgermeister in die Stellungnahme an den Regionalverband Bodensee-Oberschwaben schreiben wird. Die Stadt muss sich wie viele andere Kommunen auch zu den geplanten Standorten für Windkrafträder äußern.

Angesichts des großen Interesses forderte Gemeinderat Lothar Wasel (Demokratische Liste) Bürgermeister Holger Jerg auf, den Tagesordnungspunkt Windkraft vorzuziehen. In der Abstimmung unterlag er. Doch die Spannung war sofort wieder da, als es dann im zweiten Tagesordnungspunkt um die Windkraft ging. In einer persönlichen Erklärung wies der Kettenacker Gemeinderat Josef Weiß darauf hin, dass die Aufnahme der Flächen in den Regionalplan seine Gemeinde entzweit habe. Die Mehrheit sei aber der Ansicht, man könne mit den Windrädern leben, wenn sie nur weiter weg von der Bebauung stünden. Er rückte vom Tisch ab, weil er selbst in dem Vorranggebiet Flächen besitzt, die er für Windräder verpachten könnte.

Dramatisch hörten sich auch die Worte des CDU-Fraktionsvorsitzenden Karl Götz an. Er forderte dazu auf, in der Stellungnahme einen Abstand von 1500 Metern von der Bebauung zu fordern. Die Spannung stieg, als Götz erklärte, die CDU werde sich für die Kettenacker Bürger einsetzen. Diese dankten es ihm mit kräftigem Applaus.

Damit war man beim Hauptthema des Abends: beim Abstand zur Bebauung. Der Kettenacker Ortsvorsteher Wilfried Klekler forderte dazu auf, in der Stellungnahme eine Entfernung von 2000 Metern zu verlangen. Holger Jerg befürchtete aber, dass man über Gammertingen schon lachen werde, wenn die Stadt nur die 1500 Meter reinschreiben werde. Die Gemeinderäte Wolfgang Lieb (Handwerkerliste) und Lothar Wasel sahen auch keinen Sinn darin, überhaupt eine Zahl zu nennen. Wasel: Für Mischgebiete so wie in Kettenacker gelte zur Zeit die Regel 500 Meter. Es sei illusorisch zu glauben, man könne 1500 Meter durchsetzen. Wasel wusste auch, dass für Gewerbegebiete ein Abstand von 300 Meter gilt und bei Industriegebieten 200 Meter. Lieb meinte, man könne viele Standorte vergessen, wenn die 2000-Meter-Regel eingeführt werden sollte. Zur Erheiterung aller trug dann ein Satz von Karl Götz bei: „Bei 2000 Meter wären wir schon jenseits der Kreisgrenze.“ Götz versuchte noch einen Kompromiss: Er schlug vor die Zahl 1300 Meter in die Stellungnahme zu schreiben, konnte sich aber nicht durchsetzen.

Nicht bei „wünsch Dir was“

Wolfgang Lieb brachte eine neue Idee in die Diskussion, die sich inzwischen etwas beruhigt hatte: Die Windräder werden immer höher, aber die Abstände zur Bebauung sollen gleich bleiben, das gehe nicht. Bürgermeister Jerg meinte, man könne doch fordern, die Abstände in Abhängigkeit zur Höhe festzulegen. Das brachte ihm die stichelnde Bemerkung von Lothar Wasel ein: „Wir sind hier nicht bei ,wünsch Dir was‘“. Die dreifache Gesamthöhe als Abstand zu fordern, sei gerade noch realistisch. Sebastian Hummel (CDU) machte deutlich, die Politiker seien sich nicht einig, wer zuständig sei für das Festlegen dieser Entfernungen, das Land oder der Bund.

In einer relativ knappen Stellungnahme will die Stadt nun keine Zahl nennen. Aber man will die Politiker auffordern, sich in dieser Sache deutlich zu bewegen. Ferner will der Bürgermeister auch die „Geheimniskrämerei“ des benachbarten Regionalverbandes anprangern. Es wäre hilfreich, zu wissen, was jenseits der Kreisgrenze geplant werde. Nicht zuletzt will Gammertingen vorschlagen, den Windatlas durch Messungen zu konkretisieren. Jerg ist sich sicher: Da würden einige der geplanten Vorranggebiete wieder wegfallen, wohl auch Kettenacker.

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