Abrissbagger auf dem Reiser-Stoll-Areal

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Gebäude weichen dem Abrissbagger
In Gammertingen wird das Gelände geräumt, auf dem sich einst die Spedition Reiser und die Textilfabrik Stoll befanden. Was mit der Fläche nach dem Abbruch der Gebäude passiert, ist aber noch offen.
Redakteur Alb/Lauchert und Pfullendorf

In Gammertingen hat die Räumung des Reiser-Stoll-Areals zwischen Sigmaringer Straße und Bahnhofstraße begonnen. Nach der Entkernung der Gebäude sollen nächste Woche die eigentlichen Abbrucharbeiten beginnen. Von den 10 000 Quadratmetern Fläche wird nach deren Abschluss gut die Hälfte zur Bebauung zur Verfügung stehen. Einen Teil des Geländes würde die Stadtverwaltung gerne für Parkplätze nutzen, ein weiterer Teil könnte privaten Bauherren zur Verfügung gestellt werden.

Die Abbrucharbeiten für das Reiser-Stoll-Areal hatte der Gammertinger Gemeinderat Ende Juli an die Firma Heinrich Teufel aus Straßberg vergeben. Kostenpunkt: 265 000 Euro. Bis die alten Gebäude dem Erdboden gleichgemacht sind, wird nicht mehr allzu viel Zeit vergehen: Bürgermeister Holger Jerg geht davon aus, dass die Arbeiten bis Ende November erledigt sind. „Wegen entsprechender Zuschüsse muss die Maßnahme bis Jahresende abgerechnet sein“, sagt er.

Lange Verhandlungen

Die verschiedenen Gebäude, die sich auf dem Gelände befinden, gehen vor allem auf zwei ehemalige Betriebe zurück: die Spedition Reiser und die Textilfabrik Stoll. Schon Holger Jergs Vorgänger Erwin Hirschle hatte einen Teil der Immobilien erworben, um sie für die städtische Entwicklung zu nutzen. Doch nicht nur, dass sich die Verhandlungen über weitere Flächen in die Länge zogen: Pläne für die Ansiedlung eines neuen Supermarkts sorgten zudem für heftige kommunalpolitische Diskussionen im Gemeinderat. Und noch immer ist nicht ganz klar, was mit dem Areal am Ende wirklich passiert.

„Es handelt sich um die letzte entwickelbare Fläche im Kernbereich der Innenstadt“, sagt Holger Jerg. Die Stadtverwaltung könne sich zum Beispiel gut vorstellen, im vorderen Bereich – also zur Sigmaringer Straße hin – einen größeren Parkplatz mit 70 bis 100 Stellplätzen für Dauerparker einzurichten. Abgesehen vom noch ausstehenden Gemeinderatsbeschluss stellt sich für den Bürgermeister unter anderem die Frage, ob diese provisorisch bereits relativ zeitnah nach den Abbrucharbeiten angelegt werden oder ob der Parkplatz später, aber dafür dauerhaft kommt.

Den hinteren Bereich würde die Stadt gegebenenfalls an Privatpersonen verkaufen, die dort Wohnhäuser errichten möchten. „Wir befinden uns diesbezüglich in Gesprächen mit mehreren ernsthaft interessierten Bürgern und Unternehmern“, sagt Holger Jerg. Die Interessenten könnten sich vorstellen, auf dem Reiser-Stoll-Areal altersgerechte Wohnungen für Menschen aus dem persönlichen Umfeld zu errichten. Damit bliebe im mittleren Teil des Geländes noch genug Platz für eine weitere Bebauung.

Im Raum steht aber auch noch die Idee, auf dem Areal ein neues Pflegeheim zu errichten. Handlungsbedarf herrscht vor allem wegen einer Änderung der Landesheimbauverordnung, denn die Umsetzung der neuen Vorgaben lässt einen wirtschaftlichen Betrieb im bestehenden Gebäude an der Eichertstraße kaum noch zu. So ist in Zukunft beispielsweise nur noch der Betrieb von Einzelzimmern erlaubt. Außerdem müssen Wohngruppen mit jeweils 15 Pflegeplätzen eingerichtet werden. Dafür müsste das bestehende Gebäude weitreichend umgebaut werden. Für das gleiche Geld, knapp acht Millionen Euro, könnte die Stadt aber auch gleich einen Neubau errichten.

Rat spricht über das Pflegeheim

Der Gemeinderat hatte sich mit der Zukunft des Pflegeheims zuletzt in einer Klausurtagung im Februar beschäftigt. Im Herbst soll das Thema erneut auf die Tagesordnung kommen. Von einem Neubau auf dem Reiser-Stoll-Areal hält Holger Jerg allerdings nicht allzu viel. „Meine persönliche Meinung ist: Für einen Neubau haben wir beim bestehenden Pflegeheim St. Elisabeth genug Platz“, sagt er. Bei der Pflege gehe es aber nicht nur um die Frage nach vollstationären Plätzen. „Ambulante Dienste und Tagespflege-Angebote spielen eine immer größere Rolle.“

Auch deshalb spielt die Stadtverwaltung mit dem Gedanken, die Bürger bei der Diskussion mit ins Boot zu holen. „Mit dem Gemeinderat wollen wir besprechen, wie wir weiter vorgehen“, sagt Holger Jerg. „Ein Thema soll auch sein, inwieweit wir die Bevölkerung mit einbeziehen.“ Dabei gehe es nicht darum, ein längerfristiges Diskussionsforum zu etablieren. „Aber wir wollen eben auch alle relevanten Interessengruppen dabei haben und nicht am Bedarf vorbei planen.“

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