29-Jähriger fühlt sich gekränkt – und legt Feuer

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 Ein ehemaliger Bewohner von Mariaberg muss sich vor dem Landgericht Hechingen verantworten.
Ein ehemaliger Bewohner von Mariaberg muss sich vor dem Landgericht Hechingen verantworten. (Foto: Archiv: Sebastian Korinth)
Gabriele Loges

Ein ehemaliger Bewohner von Mariaberg muss sich seit Montag vor dem Landgericht Hechingen wegen versuchter schwerer Brandstiftung und weiterer Straftaten verantworten. Der 29-jährige Angeklagte ist seit März in einer forensischen Klinik untergebracht.

Dem Angeklagten wird vorgeworfen, im Februar drei Straftaten verübt zu haben: Am Wirtschaftsgebäude des Marktplatzes soll er einen Schaden in Höhe von 7500 Euro angerichtet haben, eine Anzeigetafel und ein Auto soll von ihm ebenfalls beschädigt worden sein. Schwerer wiegen die Anschuldigungen, die ihm im März, April und Mai zur Last gelegt werden: Das Einschlagen der Fahrer- und Beifahrerscheibe eines in Mariaberg parkenden Autos, das gewaltsame Eindringen in den „Marktplatz“ und das Entwenden einer Geldkassette und ein wiederholter Einbruch in den „Marktplatz“, um dort Zigaretten, Alkohol und Süßigkeiten zu entwenden. Schließlich soll der Mann Ende Mai in seinem Zimmer in Mariaberg eine Deutschlandfahne aus Kunstfaser in einem Plastikmülleimer angezündet haben. Er soll das Haus verlassen haben, obwohl er gewusst haben soll, dass sich dort „noch mindestens fünf weitere geistig behinderte Personen befanden, was dem Angeschuldigten klar war“, so die Anklageschrift. „Das Feuer hätte ohne das Eingreifen der Feuerwehr auch auf das Mobiliar und die Schrankwand übergreifen und sich zum Zimmerbrand entwickeln und dann auch auf wesentliche Teile des Gebäudes übergreifen sowie das Gebäude insgesamt durch massiven Rauchgasniederschlag unbewohnbar machen können, was dem Angeschuldigten bewusst war“, sagte Staatsanwalt Markus Engel.

Zunächst erläuterte der Angeklagte seinen persönlichen Werdegang. „Die Kindheit war nicht so toll, der Vater Alkoholiker“, sagte er und, dass er zu einer Schwester noch guten Kontakt habe. Groß geworden sei er in einem Heim, von dort sei er „weggegangen, als es nicht mehr funktioniert hat“. Lesen und Schreiben könne er nicht. Auch die Unterschrift sei im Moment schwierig. Er wisse um seine Erkrankungen und vertrage auch die Medikamente. Inzwischen rauche er nicht mehr, trinke auch keinen Alkohol mehr. Auf die Frage von Richter Hannes Breucker, was er sich für die Zukunft wünsche, antwortete er: „Dass ich nicht im Gefängnis lande und dass die Gesundheit mitmacht.“

Der Angeklagte sagt aus

Nach kurzer Beratung mit seinem Verteidiger Rechtsanwalt Gerd Pokrop entschloss sich der Angeklagte trotz Einnahme von Medikamenten aufgrund seiner psychischen Erkrankungen zum Tathergang selbst Aussagen zu machen. Richter Breucker ging Schritt für Schritt die Sachverhalte durch. Der Angeklagte konnte sich gut an die Ereignisse erinnern. Bei der ersten Tat, am Fasnetsdienstag, sei er betrunken gewesen: „Ich wollte beides, kaputt machen und Getränke stehlen.“ Beim Anzeigenschild sei er „sauer gewesen“, weil er von einer Mitbewohnerin geärgert worden sei. Er sei sich bewusst, dass er den Schaden bezahlen müsse. Auch bei den Beschädigungen an den Autos sei er „sauer“ gewesen. Der Angeklagte machte auch genaue Angaben zu den Schäden im „Marktplatz“. Beim wiederholten Einbruch wollte er zwei Mitbewohnerinnen „einen Gefallen tun“. Zum Hauptpunkt Brandstiftung sagte er aus: „Ja, da hat mich ein Mitbewohner beleidigt.“ Dieser habe gesagt, seine Mutter sei eine Schlampe: „Er hat es gesagt, ohne Rücksicht auf Verluste.“ Darauf ging er in sein Zimmer und zündete die Flagge im Papierkorb an. Spontan schob er ein: „Es tut mir echt leid.“

Auch als der Richter fragte, ob er sich durch „solche Sachen“, die er aus „Frust“ gemacht habe, besser gefühlt habe, antwortete der Angeklagte: „Ja, aber ich würd’s nie mehr wieder tun, das habe ich gelernt.“ Er habe beim beim Verlassen des Hauses gewusst, dass sich mehrere Menschen im Haus befanden.

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