Zwang zum Schönsein ist doch zum Lachen

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Während Prof. Dr. Franzika Eisenbart (Dr. Sascha Meyerdierks, Mitte) und Narkoseärztin Dr. Irina Kalschnikowa (Irma Denner, rech
Während Prof. Dr. Franzika Eisenbart (Dr. Sascha Meyerdierks, Mitte) und Narkoseärztin Dr. Irina Kalschnikowa (Irma Denner, rechts) Tiffany Weber (Regina Keckeisen) auf dem OP-Tisch Fett absaugen, hat Hausmeister Moritz Nidda (Josef Engler, links) als (Foto: Rudi Multer)
Schwäbische Zeitung
stellv. Redaktionsleiter

Ein Stück rund um den grassierenden Schönheitswahn hat die neu formierte Theatergruppe D’ Komede am Samstag in der Hopfendarre in Fulgenstadt aufgeführt. Das Stück „Schön sein – um jeden Preis“ hatte die Theatergruppe unter Leitung von Jutta Golitsch selbst entwickelt. Bei der Premiere am Samstag bekam das Publikum eine Szenencollage über die nicht immer sauberen Methoden in der „Schönheitsklinik am Schlossteich“ zu sehen. Das Stück reizt an vielen Stellen zum Lachen, Nachdenklichkeit ist aber nicht ausgeschlossen.

Seit kurzem läuft in der Schönheitsklinik am Schlossteich nicht alles rund. Seitdem der Schönheitskonzern Beauty first die Klinik übernommen hat, wird Patientinnen für die Korrektur von Nase, Lippen und Brust schon mal ein Mengenrabatt angeboten. „Ein Schnitt hier, ein Schnitt dort, dann ziehen wir alles nach hinten“, erklärt Chefarzt Professor Dr. Franziska Eisenbart der Musical-Sängerin Madelaine Alright die rationelle Operationsmethode. Hausmeister Moritz Nidda trägt mit dem Schmuggeln von Brustimplantaten zum Verschöern der Bilanz bei.

Die Komödie behandelt das Thema Schönheitswahl sehr plakativ, manches wird übersteigert. Da übergibt sich der als OP-Schwester hantierende Hausmeister bei laufender Operation. Doch es gibt auf der anderen Seite auch feine Anspielungen. So fallen beim Professor Rotweinflecken auf dem Arztkittel auf, wird schon mal bemerkt, dass er immer länger weg bleibt.

Die Rollen

In Prof. Dr. Franziska Eisenbart (Dr. Sascha Meyerdierks) offenbart sich diese Spannung zwischen Ethos und Druck der Ökonomie nicht nur mit einer guten Mimik, sondern auch mit einem gehörigen Schatz an Fachjargon. Dr. Irina Kalaschnikowa (Irma Denner) spielt auf eine unaufgeregte Weise den ruhenden Pol der Klinik. Die Empfangsdame Elisabeth von Sanden (Beate Bühler) nimmt so etwas wie die Sandwichposition in der Klinik ein und verkörpert die Hektik, wenn sie den Chef schon mal am Operationstisch um eine Unterschrift bittet.

Hausmeister Moritz Nidda (Josef Engler) als Mann für alle Fälle ist mit seinem auspeprägten Schwitzerdütsch und ausgeprägter Mimik oft für einen Lacher gut. Mit ihrem übersteigerten italiensichen Akzent gehört auch die Kosmektikerin Chiara Belladonna (Thekla Reisch) zu den sehr auffälligen Rollen. Sie verspricht „Falten ciao“ und „Amore, Amore“ durch ihre Anti-Aging-Creme. Sissi Knüppel (Sabrina Wetzel) spielt eine Masseurin. Liebeskummer zeigt sie mit herzzerreißendem Weinen. Bäuerin Frieda Burgmeier (Margot Kieferle) könnte so etwas wie den Gegenpol zum Schönheitswahn spielen. Schließlich zeigt sich, dass sie den Verlockungen doch nicht widerstehen kann. Musical-Sängerin Madelaine Alright (Gitte Schenk) nimmt das Angebot des Mengenrabatts an. Das kostet ihre natürliche Schönheit, aber schließlich findet sie doch mehr. Uli Heck spielt als Stammgast Edith Wirtschön den Typus der Patientin, die sich auf alles einlässt. Vor allem hat sie es auf den Finanzverwalter abgesehen. Regina Keckeisen als Tifffany Weber mit ausgestopfter Skihose bekommt dank Fettabsaugen und Magenverkleinerung zwar dünne Beine, aber auch Beulen. Maximilian Hof-stetter (Benjamin Hartmann) als smarter Finanzverwalter will die Klinik gegenüber seinem neuen Besitzer gut aussehen lassen. Er gibt sich schön distanziert und arrogant.

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