Engelswieser haben Angst vor Katzenfängern

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Die größte Angst der Engelswieser Katzenbesitzer ist, dass ihre Lieblinge in die Hände von Katzenfängern geraten sein könnten. (Foto: Shutterstock)
Jennifer Kuhlmann

Die Birma-Katze von Paula Hayn darf nur noch angeleint vor die Tür. Sie trägt dann ein Halsband wie ein Hund. „Das klingt übertrieben“, sagt die Engelswieserin. „Aber ich habe Angst, dass sie sonst auch plötzlich weg ist.“ Ursprünglich hatte Hayn einmal drei Katzen. Die beiden anderen sind im Juli spurlos verschwunden. Genau wie einige andere Katzen aus Engelswies auch.

Und seit vier Wochen geht es wieder los: Die Katze von Hayns Schwiegertochter ist weg, mehrere Nachbarn vermissen ihre Tiere und sogar einige streunende Katzen sind nicht mehr vorbeigekommen. „Wir haben beim Tierheim angerufen, Tierärzte gefragt und Anschläge mit Fotos in der Nachbarschaft verteilt“, sagt Hiltrud Seifried. Ihre Katze ist vor vier Wochen verschwunden. Sie hat die Straßen nach überfahrenen Katzen abgesucht und gewartet, bis die Felder abgemäht sind. Nichts.

Waltraud Krause hat Bürgermeister Bernd Gombold jetzt in einem Brief über rund zehn vermisste Katzen informiert. Gombold bedauert das Verschwinden der Tiere sehr. Mehr als die Informationen an die Polizeidirektion weiterleiten, könne er allerdings nicht unternehmen, sagt er. Im Brief ist von Gerüchten die Rede, dass die Katzen stets dann verschwänden, wenn im Ortsteil Altkleider gesammelt würden.

Polizei hat noch keine Hinweise

„Diese Gerüchte gibt es immer wieder, wenn mehrere Tiere auf einmal verschwinden“, sagt Edwin Dobler, Pressesprecher der Polizeidirektion Sigmaringen. Dies sei vor zwei Jahren in Sigmaringen und Meßkirch der Fall gewesen. „Immer wieder wurden Katzenfänger vermutet, die Tiere in ihre Lieferwagen locken“, so Dobler. Aber Zeugen oder vernünftige Hinweise habe es nie gegeben. „Ohne ein Kennzeichen oder konkrete Details können wir nicht ermitteln.“ Von Katzen, die plötzlich zurückgekommen seien, weiß er aber auch nichts.

„Für einen Zufall sind das viel zu viele vermisste Katzen“, findet Paula Hayn. „Es werden immer mal Katzen überfahren oder sie sterben an einer Krankheit.“ Aber jetzt würden sich die Fälle gerade in ihrer Nachbarschaft häufen. Sie erinnert sich noch genau an Ostern vor zwei Jahren. Damals hat ein Tierquäler in Engelswies mit Schrot auf zwei Katzen geschossen. Sie selbst habe allerdings nie etwas Verdächtiges gesehen. „Es bringt nichts, jemanden ins Blaue hinein zu beschuldigen, aber mysteriös ist es schon.“

„Man hört Gerüchte über einen blauen Van aus anderen Gemeinden, aus Bingen oder Langenhart“, sagt Hiltrud Seifried. „Die Katzenfänger sollen Pheromone ausgelegt haben, um die Tiere anzulocken.“ Was dann mit den Tieren geschehen sei, will sie sich gar nicht ausmalen. Ihr Foxy sei ein besonders zutrauliches Tier gewesen. „Der geht auch mit fremden Personen mit“, seufzt sie. Aber auch sie weiß von keinen verdächtigen Fahrzeugen oder Personen. „Vielleicht bekommen wir aber noch Hinweise“, hofft sie. Solange weiter Katzen verschwinden - erst am Samstag ist eine Nachbarin auf der Suche nach ihrer Katze von Haus zu Haus gegangen – bleibt Paula Hayns Katze angeleint. Sicher ist sicher.

Die Polizei nimmt Hinweise zu verdächtigen Personen und Fahrzeugen unter Telefon 07571/ 104-220 entgegen.

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