Lucha lobt Eigeninitiative der Bomser

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Minister Manne Lucha (von rechts) schaut sich mit Bürgermeister Peter Wetzel sowie den Gemeinderäten Christoph Linder und Richa
Minister Manne Lucha (von rechts) schaut sich mit Bürgermeister Peter Wetzel sowie den Gemeinderäten Christoph Linder und Richard Wetzel die Regiomaten an. (Foto: Julia Freyda)

Zwei Regiomaten mit Lebensmitteln stehen schon, nun soll es am Dorfgemeinschaftshaus in Boms auch noch eine E-Ladesäule und mehr geben. Bei einem Besuch in Boms haben Bürgermeister Peter Wetzel und Gemeinderäte Baden-Württembergs Minister für Soziales und Integration, Manne Lucha, ihre Pläne vorgestellt.

Anfang April hat Landwirts-Familie Leuter auf dem Gelände an der B32 zwei Automaten aufgestellt, in denen es auf Knopfdruck regionale Produkte gibt – daher auch Regiomat genannt. Rund um die Uhr ist seither in Boms die Versorgung mit Grundnahrungsmitteln gesichert. „Wir hatten uns ursprünglich mit der Idee für das Förderprogramm Quartier 2020 beworben, aber sind leider nicht zum Zug gekommen“, sagte Wetzel. Daher habe die Gemeinde die Sache in Zusammenarbeit mit Leuters schließlich selber in die Hand genommen. Den Spielplatz gibt es schon länger und am Bauhof gibt es mittlerweile auch eine öffentliche Toilette. Weitere Pläne: Eine Triple-Elektro-Ladesäule und ein Bürgerbus als E-Mobil, das jeder ausleihen kann. „Auch einen Grillplatz mit Sitzbereich möchten wir gerne noch einrichten, um eine Rastmöglichkeit zu bieten“, berichtete Wetzel. Minister Lucha zeigte sich beeindruckt: „Auch als kleine Gemeinde wuppt ihr viel und habt ein lauschiges Plätzchen an der Bundesstraße eingerichtet.“ Begeistert war Lucha auch von der umfunktionierten Halle des Bauhofs. Da die Kirche renoviert werden muss, finden die Gottesdienste derzeit in der Halle statt, wo Stühle und eine Orgel aufgebaut wurden.

Gemeinde fühlt sich im Stich gelassen

Wetzel nutzte den Ministerbesuch auch, um auf die vielen und komplexen Aufgaben für ehrenamtliche Bürgermeister kleiner Kommunen aufmerksam zu machen. Als Beispiel nannte er die Aufnahme von 18 Flüchtlingen, die 2016 am Rathaus für die weitere Unterbringung abgegeben wurden. „Aus dem Nichts haben wir einen Helferkreis aufgebaut, der viele Aufgaben übernommen hat. Da aber Papiere und Personendaten nicht passten, gab es viel Schreibkram mit dem wir alleine gelassen wurden“, berichtete Wetzel. Auch gebe es eine Familie in Boms, deren Kinder nicht zur Schule geschickt würden und auch dort fehle ihm die nötige Unterstützung von Behörden. „Dies sind Aufgaben, die kann eine größere Kommune besser schultern als Boms, wo es nur eine Halbtagskraft in der Verwaltung und einen ehrenamtlichen Bürgermeister gibt“, sagte Wetzel. Er fühle sich da im Stich gelassen.

Nach einer kleinen Tour durch Boms saß die Gruppe noch im Hofcafé von Familie Leuter und Lucha wollte wissen, wo der Schuh sonst noch so drücke. „Die Flurbereinigung beschäftigt uns immer noch“, sagte Gemeinderat Christoph Linder. Das geplante Wegenetz sei nicht optimal und im Nachhinein scheine nun keine Flexibilität mehr möglich zu sein. Lucha bat, ihm die Konfliktpunkte schriftlich zu schicken, damit er sich an seinen zuständigen Ministerkollegen wenden könne. Angesichts der Aufgaben für die Verwaltung regte Lucha an, sich Gedanken zu machen, die Bürgermeisterstelle in ein Hauptamt zu ändern. „Sie haben eine vitale Gemeinde, aber haben noch viel vor. Da müssen Sie sich überlegen, mit welchen Ressourcen Sie das schaffen können“, sagte der Minister.

In Gemeinden mit 500 bis 1999 Einwohnern überlässt die Gemeindeordnung Baden-Württemberg dem Gemeinderat die Entscheidung, wie die Verwaltung geführt werden soll. Boms hat fast 700 Einwohner. Von den elf Gemeinden im Gemeindeverwaltungsverband Altshausen haben acht die Wahl. Nur Guggenhausen und Unterwaldhausen haben weniger Einwohner, Altshausen deutlich mehr und muss daher einen hauptamtlichen Bürgermeister einsetzen. Ebenweiler, Ebersbach-Musbach und Riedhausen haben sich jeweils für einen hauptamtlichen Bürgermeisterposten entschieden.

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