Aus marodem Bauernhaus wird ein Schmuckstück

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Eugen Kienzler

Wer von Bad Saulgau kommend nach Bolstern einfährt, dem fällt am Ortseingang auf der rechten Seite sofort ein saniertes Bauernhaus auf, dessen Baukörper und Ansicht einem sofort ins Auge sticht. Das war nicht immer so. Noch vor einiger Zeit war die Bausubstanz marode, so wie es in vielen Dörfern bei ehemaligen Bauernhäusern der Fall ist. Verantwortlich für die Veränderung vom hässlichen Entlein zum strahlenden Schwan sind Michael Mohn und Yvonne Reis. Sie geben damit ein gutes Beispiel für die Sanierung alter landwirtschaftlicher Wohnhäuser.

Das Haus, das auf eine 200-jährige Geschichte zurückblicken kann, war die Heimat der Mutter von Michael Mohn. In diesem Haus hat er in seiner Kindheit bei seiner Oma Frieda Brändle so manche Zeit erlebt und dabei das alte Haus mit seinen Eigenheiten lieben gelernt. Dazu kam, dass er wohl eine besondere Liebe zu Holz und Bau schon in die Wiege gelegt bekommen hat. Sein Großvater Paul Brändle war Zimmermeister und auch sein Onkel hat den Beruf des Zimmermanns erlernt. Diese Neigung hat dann auch dazu geführt, dass Michael Mohn bei Pius Luib in Fulgenstadt, dem anerkannten Fachbetrieb für die Restauration denkmalgeschützter Bausubstanz, eine Lehre zum Zimmermann absolvierte. Dort lernte er, wie fachmännisch mit alter Bausubstanz und deren Sanierung umgegangen wird.

Nachdem er das Bauerhaus zusammen mit seiner Lebenspartnerin Yvonne Reis übernommen hatte, ging es 2014 mit der Sanierung los. „Yvonne und mir war es von Anfang an wichtig, die richtige Balance zwischen Tradition und notwendigerweise modernen Bautechniken und -materialien zu finden und dabei das Ziel eines gesunden und nachhaltigen Bauens und Wohnens nicht aus den Augen zu verlieren“, sagt Michael Mohn. „Wer ein solches Projekt angeht, muss sich für viel Geld oder viel Zeit entscheiden – wir haben uns für die Zeit entschieden“, ergänzt seine Partnerin.

Der erste Schritt war die Sanierung der großen Dachfläche, die heute dank der aufwändigen Biberschwanz-Doppeldeckung schon ein eigener Blickfang ist. Die erste Überraschung kam dann bei der Sanierung des nach außen hängenden Giebels. Bei der Freilegung des Gebälks zeigte sich, dass die wesentlichen Teile des Fachwerks und der tragenden Pfosten vom Holzbock und der Fäulnis zerstört waren. Die Konsequenz war, den Giebel abzustützen und das Fachwerk von Grund auf zu erneuern. Mit welcher Liebe zum Detail der Bauherr dabei vorging, zeigte sich daran, dass er das gesamte Holz nicht sägerauh verarbeitete, sondern nach früherer Arbeitsweise das Holz mit dem Beil behauen hat, was alleine einen Winter lang dauerte.

Während im Außenbereich Mineralputz verwendet wurde, wurde im gesamten Innenbereich Lehmputz verarbeitet, um ein gutes Raumklima zu erhalten, aber auch um noch vorhandene Lehmwände zu integrieren. Dominant im Wohnbereich und ein Schmuckstück ist der große Grundofen, der nicht nur das ganze Haus per Wandheizung beheizt, sondern auch der Warmwasserversorgung dient. Weitere sichtbare Beweise der mit Bedacht durchgeführten Renovierung sind im Außenbereich das nach bester Zimmermannskunst gebaute Scheunentor und die, bei einem Freiburger Antiquitätenhändler nach langem Suchen, entdeckte Jugendstilhaustüre aus Eiche und einer passenden Verglasung. Wer das Haus betritt, dem fällt sofort der Raumteiler im Windfang auf. Dieses Schmuckstück mit den Buntglasecken stammt aus dem Kalkreuter Schulhaus, wo die Mutter von Yvonne Reis es vor der Abbruchaxt gerettet hat.

Auch wenn der Innenausbau noch nicht ganz abgeschlossen ist, spürt man den Wohlfühlcharakter, den die Räume ausstrahlen. Froh ist Yvonne Reis, dass die groben Arbeiten im Wohnbereich abgeschlossen sind, denn Sanieren und im Bestand wohnen ist schon eine Herausforderung an die Hausfrau und die ganze Familie.

Auf die Kosten angesprochen, hält sich Michael Mohn zurück. Er verrät aber, dass sich die Hausbank dank den Zuschüssen aus dem Programm „Entwicklung ländlicher Raum“ und der vielen Eigenleistung wundert, mit wie wenig Geldaufwand der bisherige Renovierungsstand erreicht wurde.

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