Pläne für Windpark sind sehr konkret

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Windpark: Pläne werden konkreter

Lange Zeit war es ruhig um den geplanten Windpark bei Bingen im Landkreis Sigmaringen, doch hinter den Kulissen wurde intensiv geplant. Nun soll noch vor der Sommerpause der Bauantrag für sechs Windräder gestellt werden – wir waren bei der Informationsveranstaltung für interessierte Bürger dabei.

Schwäbische Zeitung
Corinna Wolber
Redakteurin

Um den geplanten Windpark war es in Bingen in letzter Zeit ruhig geworden, doch der Schein trügt: Hinter den Kulissen wurde intensiv geplant, begutachtet und geprüft. So intensiv, dass nun noch vor der Sommerpause Ende Juli der Bauantrag für sechs Windkraftanlagen beim Landratsamt gestellt werden soll. Heiko Rüppel, Projektentwickler der Investorfirma Enercon, brachte rund 100 interessierte Bürger am Dienstagabend in der Sandbühlhalle auf den aktuellen Stand der Planungen.

Das Hauptaugenmerk lag auf einer möglichen Belastung der Anrainer durch Lärm oder Schattenwurf. Potenziell betroffen wären die Einwohner von Bingen und sämtlicher Ortsteile sowie im Landkreis Biberach die Menschen in Egelfingen und Wilflingen. Entgegen der ursprünglichen Pläne war nach erheblichen Protesten bereits vor einiger Zeit verworfen worden, die Windräder südlich von Bingen aufzustellen. Das Projekt soll nun auf der Anhöhe in Richtung Wilflingen realisiert werden; geplant sind zwei Dreiergruppen, von denen eine auf Gemeindegebiet und eine auf dem Grund des Fürstenhauses stehen soll. „Wir haben die Abstände zur Bebauung definiert und die Anzahl von Windkraftanlagen festgelegt, die maximal gebaut werden dürfen“, sagte Rüppel. So werden die Windräder in einem Korridor platziert, der 1,7 Kilometer von jeder Bebauung entfernt ist. Das ist deutlich weiter als der Gesetzgeber vorschreibt, „der Schutz vor Schall und Schattenwurf ist also gewährleistet“, sagte Rüppel. Außerdem soll die Anzahl der Windräder auf sechs begrenzt werden. „Das Fürstenhaus und die Gemeinde verpflichten sich, im Süden niemals zu bauen, wenn der Windpark im Norden kommt.“ Bürgermeister Jochen Fetzer sagte, dass ihm eine entsprechende Erklärung des Fürstenhauses schriftlich vorliege.

Die geplanten Windkraftanlagen haben eine Nabenhöhe von 159 Metern und erreichen eine Gesamthöhe von 230 Metern, wenn ein Flügel senkrecht in den Himmel ragt. Messungen haben eine mittlere Windgeschwindigkeit von 5,7 bis 5,9 Metern pro Sekunde ergeben. Um die Anlagen aufstellen zu können, müssen pro Standort einmalig 300 Festmeter Holz gerodet werden, das entspricht etwa einer Fläche von 0,7 Hektar. Zum Vergleich: Im Binger Gemeindewald werden laut Fetzer jedes Jahr 10 000 Festmeter gerodet. „Von den 0,7 Hektar können zudem 0,5 Hektar am Standort wieder aufgeforstet werden“, sagte Rüppel. Eine Schotterfläche für den Baukran muss an jedem Windrad allerdings dauerhaft freigehalten werden.

Die Diskussion verläuft überwiegend sachlich

Nach Berechnungen von Enercon könnte eine Windkraftanlage jährlich neun Millionen Kilowattstunden Strom erzeugen und damit 2570 Vier-Personen-Haushalte versorgen – der ganze Windpark entsprechend satte 15 420 Haushalte. Enercon legt mit 3500 Kilowattstunden aber einen geringeren Durchschnittsverbrauch zugrunde als das Bundesumweltministerium, das 4200 bis 5300 Kilowattstunden für realistisch hält. Nimmt man den Maximalwert als Berechnungsgrundlage, könnte ein Windrad in Bingen aber immer noch knapp 1700 Vier-Personen-Haushalte mit Strom versorgen.

Rüppel berichtete, dass Enercon umfangreiche artenschutz- und naturschutzfachliche Untersuchungen durchgeführt habe, nach denen dem Bau des Windparks nichts entgegenstehe. Auch die Gutachten in Sachen Schatten und Schall wurden abgeschlossen, „das Ganze ist aus unserer Sicht genehmigungsfähig“. Das letzte Wort darüber hat das Landratsamt, bei dem der Genehmigungsantrag im Juli gestellt werden soll. Kann der laut Bürgermeister „ambitionierte Zeitplan“ von Enercon eingehalten werden, könnte bereits im kommenden Frühjahr mit dem Bau begonnen werden. Eine Inbetriebnahme des Windparks Ende 2018 wäre dann denkbar, laut Fetzer aber nicht wahrscheinlich. Er hält 2019 für realistisch.

Die anschließende Diskussion und Fragerunde verlief im Großen und Ganzen sachlich. Einige Bürger lobten die Pläne, andere äußerten Bedenken in Sachen Infraschall. Applaus von Teilen der Zuhörer gab es für die Aussage eines Mitglieds der Bürgerinitiative in Hausen am Andelsbach, dass „in Denkingen erwachsene Menschen wegen der Auswirkungen durch Windräder schier verzweifelt sind“. Ein Bauherr aus Egelfingen zeigte sich besorgt, weil sich sein Haus in der 35-Dezibel-Zone und damit im Grenzbereich des gesetzlich Erlaubten befindet. 35 Dezibel entsprechen in etwa der Lautstärke eines Zimmerventilators, 30 der eines Flüsterns.

Ein Anwesender erkundigte sich, wie die vorgesehenen Beteiligungsmöglichkeiten für Bürger konkret aussehen werden. Geplant ist, dass Enercon Gemeinde und Bürgern 50 Prozent des Windparks anbietet und er dann gemeinsam betrieben wird. „Für ein konkretes Konzept ist es noch zu früh“, sagte Rüppel. Am Rande der Veranstaltung erklärte Bürgermeister Fetzer, dass ein Beteiligungskonzept erst vorgeschlagen werden könne, wenn der Windpark genehmigt und die Wirtschaftlichkeit berechnet ist und die Risiken kalkuliert sind.

Windpark: Pläne werden konkreter

Lange Zeit war es ruhig um den geplanten Windpark bei Bingen im Landkreis Sigmaringen, doch hinter den Kulissen wurde intensiv geplant. Nun soll noch vor der Sommerpause der Bauantrag für sechs Windräder gestellt werden – wir waren bei der Informationsveranstaltung für interessierte Bürger dabei.

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