Mit Füss-Mobilen geht’s sicher durch die Wüste

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Schwäbische Zeitung

Was die Firma Füss in einem Hitzkofer Hinterhof produziert, hat das Zeug, die Welt zu erobern, und zwar im doppelten Sinn. Die Expeditionsfahrzeuge werden nicht nur an Kunden in der ganzen Welt verkauft, sondern ihre Besitzer gehen mit ihnen auf Entdeckungsreisen rund um den ganzen Globus.

Von unserem Redakteur  Ignaz Stösser

Die besonderen Wohnmobile, die Frank Oechsner mit seinen vier Mitarbeitern in Hitzkofen herstellt, zeichnen sich aus durch Kraft und Komfort. Auf Laster mit Allradantrieb, die bis zu 400 und sogar 480 PS unter der Haube haben, baut die Firma Füss Wohnkabinen auf, die ein bequemes Wohnen auch in der Wüste garantieren. Als Basisfahrzeuge nimmt Füss ausgemusterte Bundeswehr-, Feuerwehr oder Polizeifahrzeuge, die relativ wenig Kilometer auf dem Buckel haben. Derzeit hat Oechsner gerade einen Wasserwerfer der Polizei in der Mache. „Den führen wir jetzt einer friedlichen Nutzung zu“, sagt Frank Oechsner beim Besuch der SZ in seiner Werkstatt und grinst verschmitzt, denn er denkt an den Vorfall bei einer Stuttgart-21-Demo.

Die Fahrzeuge werden mit Treibstofftanks ausgerüstet, die 700 bis 1000 Liter Diesel fassen. „Damit kann man bis zu 1500 Kilometer fahren“, sagt Frank Oechsner. Das sei vor allem bei langen Fahrten durch die Wüste sehr hilfreich. Dazu wird ein Wassertank mit Filtersystem und starker Pumpe eingebaut, in den 500 Liter Wasser passen. Mit weiteren technischen Raffinessen, die man bei einer solchen Fahrt gut gebrauchen kann, werden die Fahrzeuge ebenfalls ausgestattet, zum Beispiel mit einer hydraulikbetriebenen Seilwinde, mit der sich das Fahrzeug selbst aus einer Mulde oder einem Graben wieder herausziehen kann. Auch der Luftansauger für den Motor wird nach oben verlegt, um gegebenenfalls auch durch bis zu 1,30 Meter hohes Wasser problemlos fahren zu können.

Dass es der Tourist aber auch in der Wüste gemütlich hat, dafür sorgt die Ausstattung der Wohnkabine. Der Standartwohnraum ist beispielsweise fünf mal 2,3 mal 1,9 Meter groß. Die Grundkonstruktion besteht aus 60 Millimeter starken Sandwichplatten, die Außen- und die Innenhaut aus glasfaserverstärktem Kunststoff. Das biete besten Rammschutz und absolute Wasserdichtigkeit, heißt es in einem Prospekt der Firma. „Da kann auch mal ein Nashorn kommen, da passiert nichts“, versichert Oechsner. Für Isolation, Einbruchschutz und sogar für Mückenschutz sorgen weitere Einrichtungen und Materialien.

Bei der Innenausstattung der Wohnkabine kann Füss alles bieten, was der Kunde wünscht und bezahlen will. Da lässt sich der eine oder andere auch schon mal eine Küchenplatte aus Corian einbauen, Beschläge werden auf Wunsch aus Edelstahl gefertigt. Das alles schlägt sich natürlich auf den Preis nieder. Wer sich mit der Standardausführung zufrieden gibt, muss mit etwa 100 000 Euro für solch ein Expeditionsfahrzeug rechnen.

Abnehmer auch in der Region

Oechsners Kunden sind einerseits Privatleute, die individuell auf Reisen gehen möchten. „Das sind jedenfalls nicht die Mallorca-Touristen“, grinst Oechsner wieder. Andererseits sind es aber auch Leute, die die Fahrzeuge zu kommerziellen Zwecken nutzen. Beispielsweise Leute, die Natur- oder Tieraufnahmen machen, um die Filme zu verkaufen. Gefunden werden die Kunden übers Internet, aber auch durch Mund-zu-Mund-Propaganda. Dankbare Abnehmer hat die Firma Füss in der Schweiz, aber auch in England, Kanada sowie in Deutschland und weiteren Ländern. Auch für Kunden hier in der Region sind solche Fahrzeuge schon gebaut worden.

Nicht zuletzt ist Frank Oechsner aber auch selbst ein begeisterter Nutzer eines solchen Fahrzeugs. Der noch größere Fan ist allerdings der Gründer der Firma, Herbert Füss, der sich zwar aus der Geschäftsleitung zurückgezogen hat, der Firma aber nach wie vor mit seiner Erfahrung zur Verfügung steht. Er hat bereits praktisch alle Kontinente mit seinem Fahrzeug bereist. Zurzeit seien Asien und Südamerika die großen Reiseziele für Touristen mit Expeditionsfahrzeugen, versichert Herbert Füss. Aber auch da war er bereits schon.

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